Aachen: Necronomicon legt nach: Und den Finger in die Wunden

Aachen: Necronomicon legt nach: Und den Finger in die Wunden

Ist die Band Necronomicon eine Handvoll alter Männer, die sich an ihren Instrumenten festhalten und ewig in Erinnerungen schwelgen? Mitnichten, auch 45 Jahre nach ihrer Debüt-CD „Tipps zum Selbstmord“ sind Walter Sturm (Gitarre, Gesang), Norbert Breuer (Gitarre, Gesang), Gerd Libber (Bass), Harald Bernhard (Schlagzeug), Helmut Herzog (Keyboard) und Karl Swiontek (Querflöte, Saxofon) frisch, fit, engagiert und mit gleichbleibendem Elan bei der Sache. Und stellen jetzt eine neue Produktion vor.

Nach ihrem Comeback 2009 und den veröffentlichten Alben „Haifische“ und „Necronomicon — Live in Concert 1973“ sowie der Single-CD „Verwundete Stadt“ haben sich die Aachener Musiker erneut ins Pinknoise-Studio von Jürgen Müller begeben und fünf Songs mit einer Gesamtspielzeit von mehr als 40 Minuten aufgenommen. Herausgekommen ist die „Verwundete Stadt“, die diesmal als Download sowie auf Vinyl und als reguläre CD erhältlich ist.

„Wir bleiben uns treu und veröffentlichen die LP in einer auf 500 Stück limitierten und nummerierten Auflage. Das sind wir unseren Fans schuldig“, so Harald Bernhard. Das Gründungsmitglied von Necronomicon zeichnet auch bei dieser Veröffentlichung für die Cover-Gestaltung verantwortlich und konnte sich auf dem Groß-Cover der LP nach Herzenslust künstlerisch austoben.

Auch hat das aufgeklappte Cover wieder die Form eines Kreuzes, so wie schon die Debüt-LP „Tipps zum Selbstmord“ anno 1972 und „Haifische“. Mit dem Kreuz-Cover unterstreicht die Band ihre Botschaft, die sie seit fast fünf Jahrzehnten verfolgt: Necronomicon legt die Finger in die Wunden der Gesellschaft und warnt in ihren deutschsprachigen und zeitkritischen Texten vor der Zerstörung der Welt durch den Menschen.

Bei den Aufnahmen zu „Verwundete Stadt“ haben Necronomicon musikalisch Mut bewiesen. So wirken die Songs frisch, dynamisch mit einem modernen Touch, ohne den typischen Stil der Formation zu verwässern. Sogar ein Saxofon haben die Progressive-Rocker zugelassen.

Mit Recht können sie sagen, dass das Album ihr bisher bestes Werk ist und bei Fans wie Neueinsteigern viel Lust auf die Discographie von Necronomicon macht. Auf dem Konzeptalbum „Verwundete Stadt“ geht es um die Gefährdung internationaler Metropolen und ihrer Einwohner. So ist der Kontrast zwischen Mondänität und Verelendung (Licht und Schatten), Armut und Perspektivlosigkeit (Trostlose Stadt), atomare Gefahr und Zerstörung durch Katastrophen (Frühling in Fukoshima), Kriege (Alle Jahre wieder) oder Terrorismus thematisiert (Verwundete Stadt Berlin).