Naturschutzbund Aachen kritisiert die Stadtverwaltung

Kritik an der Stadtverwaltung : Mehr Naturschutz für mehr Steinkäuzchen

Die Stadt soll ihre Grün- und Waldflächen schützen und keine neuen Baugebiete entwickeln, findet der Nabu. Der Umweltschutzverband gewinnt an Einfluss. Alleine im vergangenen Jahr hat man in der Stadt mehr als 1000 neue Mitglieder gewinnen können.

Der Naturschutzbund (Nabu) Aachen hat am Montag zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Es war das erste Mal, dass dieses Treffen nicht in der Nabu-Geschäftsstelle am Preusweg stattfand, sondern im Vereinsheim des Familiengartenvereins Hanbruch. Der Grund für den Ortswechsel ist einfach: Der Nabu Aachen ist im vergangenen Jahr explosionsartig gewachsen.

„Wir haben aktuell 3267 Mitglieder beim Nabu Stadtverband Aachen“, sagt Herbert Fleu, Geschäftsführer des Nabu. Im vergangenen Jahr waren das noch rund 1000 Mitglieder weniger. Den Grund für diesen rasanten Anstieg sehen die Nabu-Aktiven in zwei wesentlichen Vorgängen des vergangenen Jahres. „Die Diskussion um den Hambacher Forst hat uns neue Mitglieder beschert“, sagt Claus Mayr, erster Vorsitzender des Nabu, „auch der erstaunlich heiße und vor allem trockene Sommer 2018 hat die Menschen dazu gebracht, sich mit den Themen Umweltschutz und Klimawandel auseinanderzusetzen.“ Beim Nabu, so sieht es der Vorstand, sind sie da genau richtig.

350 Hektar Fläche verloren

Denn der Nabu, so argumentiert Claus Mayr, habe in Aachen Gewicht, nicht nur wegen der vielen Mitglieder. „Wir finden mittlerweile bei der Politik Gehör.“ Das habe sich beispielsweise bei den Feiern zum 30-jährigen Bestehen im vergangenen Jahr gezeigt.“ Unter anderem Oberbürgermeister Marcel Philipp sei zum Geburtstag gekommen. „Das hat sich vor 30 Jahren noch niemand träumen lassen.“

Gegründet wurde der Nabu Aachen in dem Jahr, als Aachen seinen aktuellen Landschaftsplan bekam: 1988. Der Landschaftsplan dient dazu, unter Berücksichtigung des Naturschutzes die Entwicklung von bebauter Fläche, aber auch von landwirtschaftlich genutzter Fläche, Wald und Naturschutzgebieten zu regeln.

Und das ist in den Augen des Nabu in der Vergangenheit nicht besonders gut gelungen: „Wir haben seit Inkrafttreten des Landschaftsplans mehr als 350 Hektar Fläche verloren“, sagt Claus Mayr. Aus Wald und Wiese wurde Siedlungs- und Gewerbefläche. Darum sehen er und die anderen Vereinsmitglieder den aktuell diskutierten Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan der Stadt Aachen auch kritisch. „Ob nun in Orsbach, Horbach, im Preuswald oder in der Beverau: Wir müssen die Freiflächen und Wälder, die wir in Aachen haben, unbedingt erhalten“, fordert der Nabu.

Das sei unter anderem wegen des Steinkauzes wichtig. Von den bundesweit 7500 Brutpaaren des kleinen Eulenvogels leben 5000 in Nordrhein-Westfalen. „Wir haben hier also eine besondere Verantwortung“, betont Claus Mayr. In Aachen habe sich der Bestand auf 22 Paare reduziert. Das liege daran, dass die Streuobstwiesen verloren gehen.

Paradigmenwechsel in der Politik

Darum lautet der Appell des Nabu an die Verwaltung sowie die Politiker: „Wir müssen die Sparziele in Sachen Flächenverbrauch unbedingt berücksichtigen“, sagt Claus Mayr. Dass sich manch einer benehme, als gebe es eine zweite Erde, sei unbegreiflich. Doch auch in der Aachener Politik sei mittlerweile ein Umdenken erfolgt: So haben die ersten Bezirksvertretungen in Sachen Flächennutzungsplan erklärt, dass sie keine weiteren Flächen für Bebauung zur Verfügung stellen wollen (wir haben berichtet). Und die Aachener CDU hat sich für den Schutz der Beverau ausgesprochen (siehe Infobox). „Man sieht also einen kleinen Paradigmenwechsel“, sagt Mayr.

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