Aachen: Närrische Ratssitzung: Supermarket-Lady kassiert jecken Applaus

Aachen: Närrische Ratssitzung: Supermarket-Lady kassiert jecken Applaus

„Neä, wie jeck is dat denn?“ Sobald Politiker mehr singen als sprechen, strömen Massen! Kein Witz. Einige hundert Fastelovvend-Fans haben sich am Mittwochabend bei der „Närrischen Ratssitzung“ im Foyer des Rathauses amüsiert: über herrlich schräge Gesangseinlagen, abstruse Kostümierungen der Anzugsträger, leidlich lustige Reimkunst und virtuose Wortgefechte.

Alles egal im Karneval. Schunkeln, schwofen, scherzen. Schon zählt der Stadtrat so viele Zuhörer wie sonst nie. Punkt 18.17 Uhr schmettert Oberbürgermeister Marcel Philipp — quasi als Sitzungspräsident — das erste „Oche — Alaaf“ durchs ehrwürdige Gemäuer. Dann marschiert die Oecher Penn mit viel Getöse und noch mehr Mann ein, gefolgt von Bürgerin Caroline Reinartz. Die ist ganzjährig Stammzuschauerin im Stadtrat und für deftige Sprüche gefürchtet. Was „Die Nachtwächterin“ schließlich auch in der Bütt anklingen lässt: „Wer hat demnächst das Sagen in dieser Stadt? Kommt einer oder eine und macht Aachen noch mehr platt?“, teilt sie vor der Kommunalwahl Richtung Politik aus. Tusch, Applaus.

Aber nicht für jeden. Die Grünen wollen sich Mittwochabend nicht wehren; sie haben ihren Programmpunkt auf der Traditionssitzung überraschend abgesagt. Was soll‘s. Den anderen fehlt es mitnichten an Ideen. Bekanntlich liefert die Politik Lachnummern genug. Da Wortbeiträge im Stimmengewirr der „Stehung“ in den Vorjahren kaum Gehör fanden, werden auf der kleinen Bühne zunächst vor allem altbekannte Melodien neu vertextet. Die CDU — Ex-Fraktionschef Harald Baal und Nachfolgerin Maike Schlick in getrennten Ensembles — zieht über Kaiser Karl und Krokodilstränen her. Die süffisant-selbstironische Anspielung auf parteiinterne „Rudelbildung“, den Bruch mit dem grünen Koalitionspartner plus „Schnappi“-Tanzeinlage, erntet johlenden Beifall. Als „Marx Brothers and Sisters“ verkündet dann Die Linke „Vür fiere Kejser Karl op marxistisch“.

Die SPD greift Aachens Kultur-Debatte nicht nur tonsicher mit dem Lied „Die kleine Kneipe in unserem Veedel“ auf. Die Genossen Patrick Deloie und Boris Linden (als Clown und Supermarket-Lady vom Ludwig Forum) brillieren mit genialem Wortwitz. Jubel, Trubel, Heiterkeit? Ja, den SPD-Jungs gelingt der perfekte Auftritt. Was OB Philipp goutiert: „Waren die nicht klasse?“, fragt er das Publikum. Begeisterungsstürme wehen durchs Foyer. „Aachen sucht den Super-OB“ dichtet darauf die singende FDP-Fraktion, bevor FWG-Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath neben Dr. Kurt Christ zu dessen Lied „Konfetti überall“ fordert.

Natürlich lassen sich auch erfahrene Größen des Aachener Karnevals von den Narren im Rathaus feiern: Prinz Bernd I. tanzt mit Hofstaat, AKV und Ballett übers Parkett. De Originale, die Öcher Duemjroefe, Öcher Stadtmusikanten, Öcher Troubadoure und De Pöngche komplettieren den Fahrplan Richtung Sessionshöhepunkt. Für alle was dabei: klassische Fastelovvend-Schlager und frische Hits. Dazu gibt‘s Bierchen und Smalltalk. Wobei am späteren Abend durchaus noch ein paar Bürger mehr (Eintritt gratis!) im Foyer Platz gefunden hätten.

An dieser Stelle gefeiert wird übrigens parteiübergreifend, diesmal vor allem der SPD-Programmbeitrag. Witzig. Wie jeck is dat denn?

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