Aachen: Nächstes Polit-Drama um die Theaterkasse

Aachen : Nächstes Polit-Drama um die Theaterkasse

Bevor der Betriebsausschuss des Theaters Donnerstagabend an die Arbeit ging, wurden die Fraktionsvertreter vorsorglich mit Papierservietten beglückt.

Die kleine Handreichung war wohl weniger der Befürchtung geschuldet, dass die Diskussion um die Konsolidierung des Hauses allzu schweißtreibend — oder gar tränenreich — ausfallen könnte (auf den Tischen im VHS-Forum wurden tatsächlich Obst und Kekse serviert). Der nächste Akt im Drama um die Konsolidierung des größten Bühnenbetriebs in der Region ging denn auch vergleichsweise flott, wenn auch erneut nicht ohne mehr oder minder heftige Verbalscharmützel vonstatten.

Nur Grüne und Linke dagegen

Gegen 18.30 Uhr war der Beschluss unter Dach und Fach: Die Ticketpreise für Schauspiel, Oper und Konzerte werden zum Start der nächsten Spielzeit durchweg um zehn Prozent erhöht. CDU, SPD und FDP stimmten erwartungsgemäß dafür, Grüne und Linke dagegen. Der Vertreter der Piraten enthielt sich: Gunter von Hayn blieb in der vorangegangen, knapp einstündigen Debatte denn auch der Einzige, der argumentierte, dass das Theater „grundsätzlich eher ein Problem bei den Ausgaben hat als bei den Einnahmen“.

Als unsozial brandmarkte indes Matthias Fischer (Linke) die Maßnahme. Der Dreh an der Preisschraube sei „in jeder Hinsicht kontraproduktiv“. Ein Rückgang der Besucherzahlen sei damit programmiert. Ermäßigte Eintrittskarten generell von der Erhöhung auszunehmen, sei das Mindeste. Ähnlich fiel die Kritik der Grünen-Ratsleute Aida Beslagic-Lohe und Hermann Josef Pilgram aus. Gerade in den unteren Kostengruppen werde gar ein Aufschlag von teils bis zu 15 Prozent fällig.

CDU und SPD entgegneten, dass das Konzept nun ja erst einmal erprobt und bereits in einem halben Jahr auf den Prüfstand gestellt werde. „Sollte dieser Schuss wirklich nach hinten losgehen, haben wir immer noch die Möglichkeit, das Ganze rückgängig zu machen“, betonte CDU-Ratsfrau Dr. Margrethe Schmeer mit Blick auf eine entsprechende „Ausstiegsklausel“ in der Zielvereinbarung, mit der eine Erhöhung des Eigenfinanzierungsanteils um rund 1,3 Millionen bis zur Spielzeit 2020/21 angestrebt wird.

Ob dem Haus hinterm fröhlichen Hengst ein solches (vorläufiges) Happy End beschert sein wird, steht allerdings in den Sternen. Denn durch die kletternden Preise wird derzeit mit Ertragssteigerungen von allenfalls 200.000 Euro pro Saison kalkuliert — sofern das Publikum den Bühnen nicht den Rücken kehrt. So kam die Botschaft des Generalintendanten sichtlich zur rechten Zeit: Nachdem das Land in Aussicht gestellt habe, die Zuschüsse für die 18 städtischen Theater in NRW bis 2022 um 30 Millionen Euro zu erhöhen, könne man — wenn auch sehr vorsichtig — mit zusätzlichen Einnahmen in der gleichen Größenordnung rechnen, wie sie nun im Ganzen erwirtschaftet werden sollen, erklärte Michael Schmitz-Aufterbeck.

Allerdings dürfte auch dies nicht so einfach werden, wie vor allem die Grünen mahnten. Voraussetzung für den warmen Geldregen sei nämlich, dass die Städte bei ihren Häusern keine Kürzungen vornehmen. Und man könne trefflich darüber streiten, ob die neuen Vorgaben der Kämmerei nicht auch als solche zu verstehen seien. Kulturdezernentin Susanne Schwier konterte auch diesen Einwurf: Das Ministerium habe bereits signalisiert, dass das Aachener Konsolidierungspaket einer zusätzlichen Förderung nicht entgegenstehe.