Schrittmacher-Festivals – Generation 2: Nachwuchs brilliert auf der Bühne

Schrittmacher-Festivals – Generation 2 : Nachwuchs brilliert auf der Bühne

Zwei Wochen lang zeigte das Nachwuchsprogramm des Schrittmacher-Festivals – Generation 2 – in Kerkrade, Eupen und Aachen, was Nachwuchstänzer und -choreografen zu bieten haben.

Die Macher rund um die deutsche Programmkoordinatorin Yvonne Eibig verwandelten das Depot Talstraße in das schlagende Herz auf deutscher Seite: Bewegung, Schweiß und neue Verbindungen. Ein neues Format – „Street vs. Stage“ – war nur ein Sinnbild für die Lebendigkeit der jungen Tanzszene.

Normalerweise laden sich die Veranstalter von „Street vs. Stage“, „nutrospektif“ und „MD Kollektiv“, Compagnien aus dem urbanen und zeitgenössischen Bereich nach Köln ein, um sie auf der Bühnen gegeneinander in so genannten Battles antreten zu lassen. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum. In der On-Tour-Version bilden hingegen Tänzer und Tänzerinnen die beiden Teams, von denen sich die meisten erst im Workshop eine Stunde vor Aufführung kennengelernt haben.

In dem kleinen Workshop-Raum drängeln sich am frühen Samstagabend mehr als 20 Tänzer. Sie lassen sich fallen und stehen wieder auf. Sie bewegen sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Sie führen und lenken im Partnertanz den anderen. Das alles sind Übungen, um auf die Battle-Aufgaben auf der Bühne vorbereitet zu sein. Mit dabei sind auch Olga Blank und Akeem Abidoye aus Aachen. Die eine arbeitet als Puppenspielerin, Tänzerin und Choreografin, der andere betreibt Tanzen nur als Hobby. Sie tanzt meistens Contemporary, er fühlt sich im Streetdance wohl. Damit stehen sie stellvertretend für die Workshop-Teilnehmer.

„Ich habe schon viele Workshops besucht, aber Formate, in denen sich zeitgenössische und urbane Tänzer treffen, gibt es nicht so häufig. Deshalb ist das hier so spannend“, findet Blank. Vor allem, weil man sehr viel voneinander lernen könne. „Im urbanen Tanz berühren wir uns eigentlich nicht gegenseitig. Damit bringen wir uns in der Regel nur aus dem Rhythmus“, erklärt Abidoye. „Im Workshop habe ich gelernt, wie es auch anders geht.“

Und diese neue Fähigkeit kann er schon eine halbe Stunde nach dem Workshop-Ende unter Beweis stellen: Moderatorin Yeliz Pazar, unterstützt von DJ Ice-C, eröffnet „Street vs. Stage“ im Depot Talstraße und erklärt die Spielregeln. In drei verschiedenen Aufgaben treten die Teams gegeneinander an: 1. Ein normales Battle: Pro Musik tritt je ein urbaner gegen einen zeitgenössischen Tänzer an. 2. Entweder bekommen die Tänzer ein Objekt, mit dem sie agieren müssen, oder eine Aufgabe, die sie im Tanz darstellen sollen. 3. Ein zeitgenössischer und ein urbaner Tänzer gestalten ein Pas de deux.

Blank hängt in der zweiten Runde am Boden fest – auf dem Aufgabenzettel stand, er sei magnetisch. Abidoye bekommt einen Fächer, mit dem er etwas anstellen muss. Bei anderen brennen die Hände, ihnen zerbricht das Herz, sie tanzen mit einer Malerfolie oder nutzen Holzhocker. In der dritten Runde verdrehen sich manche ineinander, andere erzählen Geschichten von Anziehung und Ablehnung. Sie heben einander hoch oder fallen übereinander her. In allen drei Aufgaben ist Improvisationstalent gefragt. Die Tänzer kennen weder die Musik, die Aufgabe noch wissen sie, welcher Partner am Ende mit ihnen auf der Bühne stehen wird. Kein Schritt ist geplant. Alles fließt spontan aus den Tänzern heraus.

Bei „Street vs Stage“ ist nichts schick, aber alles ehrlich. Die meisten tragen ihr Trainingsoutfit. Manche Tänzer haben sich lediglich ein neues T-Shirt nach dem Workshop gegönnt. In der Interaktion sprühen die Tänzer nur so vor positiver Energie. Das Publikum ist genauso gefragt, wie die Frauen und Männer im Scheinwerferlicht. Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen sind fließend. Am Ende feiern alle gemeinsam.

In der Zuschauergunst liegt das Nachwuchsprogramm lange nicht so hoch im Kurs wie das Muttertier. Gerechtfertigt ist das allerdings nicht. Vielleicht ist nicht alles Dargebotene perfekt, aber umso lebendiger.

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