Aachen: Nacht der offenen Kirche: Andächtig, rockig, poetisch und lebhaft

Aachen: Nacht der offenen Kirche: Andächtig, rockig, poetisch und lebhaft

Es ist kalt, es regnet, die Fußballnationalmannschaft kickt gegen Irland um die vorzeitige Weltmeisterschaftsqualifikation. Eigentlich kein Grund, vor die Tür zu gehen. Trotzdem machten zahlreiche Aachener am Freitagabend genau das. Sie wollten die Kirchen der Stadt neu erleben — die 13. Nacht der offenen Kirchen war dafür wieder einmal eine gute Gelegenheit.

Von „A“ wie St. Adalbert bis „P“ wie St. Peter: 29 Kirchen, Gemeinden und Institutionen der Stadt Aachen — auch viele in den Stadtteilen — beteiligten sich. Katholische ebenso wie evangelische, altkatholische oder freikirchliche. „Es ist eine besondere Möglichkeit, unseren Glauben ins Gespräch zu bringen“, erklärte Andreas Ullrich, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde an der Roermonder Straße. „Wir lassen uns in die Karten schauen. Glaube und christliche Gemeinschaft ist keine geschlossene Klientelveranstaltung.“

Stets eine besondere Atmosphäre bei der Nacht der offenen Kirche: Viele Menschen zog es nach St. Foillan, wo dieses Mal ein schwieriges Thema behandelt wurde — „Im Raum des Foto: Andreas Schmitter

Deshalb sei seine Gemeinde an einen unerwarteten Ort gegangen. Die Ponttor-Unterführung — sonst eher ein Angstraum, Platz für Saufgelage und Müllberge — wurde Schauplatz für Rockmusik, Theater, Dialog. Mit Erfolg: Denn nicht nur Besucher der Nacht der offenen Kirchen steuerten die Ponttor-Unterführung an, zahlreiche Nachtschwärmer stoppten unter der Erde und kamen ins Gespräch.

Stets eine besondere Atmosphäre bei der Nacht der offenen Kirche: Viele Menschen zog es nach St. Foillan, wo dieses Mal ein schwieriges Thema behandelt wurde — „Im Raum des Foto: Andreas Schmitter

Jahrhundertealte, fremdartige Klänge erwarteten die Besucher des Doms: Der Diakonen-Chor des koptisch-orthodoxen Klosters St. Antonius in Kröffelbach im Taunus versetzte sie mit ihrem orientalisch anmutenden Gesang in das Land am Nil. Ägypten ist das Beispielland für die diesjährige Missio-Kampagne zum Monat der Weltmission.

In der Dreifaltigkeitskirche drehten sich die Aktionen rund um das weit gesteckte und interpretierbare Thema „Essen“. Foto: Andreas Schmitter

Wenn auch der etwas eintönige Gesang manch einen aus dem Dom wieder hinaustrieb, „sollte der Dom doch am Anfang meiner Tour stehen“, befand eine Zuhörerin mit dem umfangreichen Programm zur Nacht in der Hand. Zudem hatten die Dombesucher die besondere Gelegenheit, die Karlsbüste von ganz Nahem zu betrachten. Auf dem Altar hatte sie einen eindrucksvollen Platz für diesen Abend bekommen.

Stets eine besondere Atmosphäre bei der Nacht der offenen Kirche: Viele Menschen zog es nach St. Foillan, wo dieses Mal ein schwieriges Thema behandelt wurde — „Im Raum des Foto: Andreas Schmitter

Hier gab es allerdings nicht so einen Andrang wie in der Auferstehungskirche am frühen Abend. Manch ein Anwohner mag angesichts der wild parkenden Automassen an eine Sonderaktion im Tierpark gedacht haben. Angezogen wurden die vielen Menschen aber tatsächlich von Kindern — mit und ohne Behinderung und aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen —, die die Geschichte von „Swimmy“ musikalisch, darstellerisch, tänzerisch und mit Gebärdensprache auf die Bühne der evangelischen Kirche brachten.

Stets eine besondere Atmosphäre bei der Nacht der offenen Kirche: Viele Menschen zog es nach St. Foillan, wo dieses Mal ein schwieriges Thema behandelt wurde — „Im Raum des Foto: Andreas Schmitter

St. Foillan hat sich in den zwölf vorangegangenen Veranstaltungen dieser Art längst einen Namen für Atmosphäre gemacht. So versammelten sich auch hier die Menschen bereits vor der Öffnung um 20 Uhr vor dem Kirchportal. Innen erwartete sie allerdings kein leichtes Thema: „Im Raum des Todes“ hatten die Macher ihre Kirche für diesen Abend getauft. Der Aachener Steinmetzmeister Ullrich Berghoff hat dafür vier Ostsee-Findlinge gespalten und von innen beleuchtet. Stimmen murmeln aus ihnen heraus. „Wir suchten für das Thema klischeefreie, poetische Bilder. Die Steine sind zunächst kalt und undurchdringlich. Doch sie bekommen Risse, aus ihnen treten Licht und Klänge menschlicher Gemeinschaft hervor“, erläuterte Gemeindereferent Jürgen Maubach. „Das sind die Hoffnungszeichen, die uns der christliche Glaube geben kann.“

Ebenso unorthodox, aber sehr viel lebhafter ging es in der Herz-Jesu-Kirche zu, die erstmals mit dabei war. Das Thema Herz begleitete alle Veranstaltungspunkte — von der Ausstellung von kreativen Werken von Schul- und Kindergartenkindern, über die Möglichkeit, eigene Herzenswünsche zu notieren bis zum Auftritt der Cheerleaders „Slakers“, die mit silbernen Pompons, viel Akrobatik und noch mehr Spaß eine eigene Choreografie zum Thema einstudiert hatten. „Das Herz ist ein Symbol, mit dem wir unsere Anliegen, Gebete in Gottes Hände legen und gestärkt in die Nacht gehen können“, zeigte Christina Warnecke, Moderatorin des Abends in der Herz-Jesu-Kirche auf, warum sich die Gemeinde bewusst für dieses Oberthema entschieden hatte.

Das alles ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die Besucher der 13. Nacht der offenen Kirchen gesehen und gehört haben. „Dieser Abend bietet einfach alles: Ruhe, Musik, Mitmachen, Menschen treffen. Da zeigt sich: Kirche kann doch noch begeistern“, brachte es die Besucherin Monika Vollenberg auf den Punkt.