Aachen: Nachhilfe für Kaiser Karls Baumeister

Aachen: Nachhilfe für Kaiser Karls Baumeister

Der Patient ist über 1200 Jahre alt, das Heilmittel sozusagen ganz frisch auf dem Markt. Aber gerade deswegen passt alles wunderbar zusammen und der Eingriff verspricht ein voller Erfolg zu werden.

Was aber auch dringend nötig ist, denn ansonsten droht ein irreparabler Dachschaden. Der Patient trägt den Namen Dom, und die „Medizin” besteht aus Kalkzement auf einem Carbonnetz. Die „Mediziner” stammen vom Institut für Bauforschung der RWTH Aachen.

Am Dienstag konnte auf dem Dach des Nordwest-Jochs der Oktogonkuppel eine wichtige Operation abgeschlossen werden. Ein über acht Meter langer Riss hatte Dombaumeister Helmut Maintz und seinen Mitstreitern um den Erhalt des Weltkulturerbes zuvor echte Sorgen bereitet. Bemerkenswerterweise stammt der Riss aus der ersten Bauphase der Pfalzkirche Karls des Großen. „Wir vermuten, dass der Riss beim großen Erdbeben 803 entstanden ist”, datiert Maintz die Entstehung des Schadens ins Mittelalter. Denn die Restauratoren haben in der enormen Spalte einen Bleiverguss entdeckt - und darüber karolingischen Estrich. Eine ziemlich eindeutige Möglichkeit der zeitlichen Zuordnung also.

Mit dem Institut für Bauforschung kooperiert das Domkapitel schon länger erfolgreich. Gerade die innovativen Lösungen sind bei der Domsanierung immer wieder gefragt. Im Fall der Sanierung war zum Beispiel ein größerer Aufbau unmöglich. Das „Pflaster” über der Wunde musste so flach gehalten werden, dass die Montage des bisherigen Bleidaches ohne Erhebung möglich wird. „Es muss den einwirkenden Kräften standhalten, am besten 1000 Jahre bestehen - und vor allem dicht sein”, skizziert Bauingenieur Michael Raupach vom Bauforschungsinstitut die Herausforderungen. Die Mischung aus dem mineralischen Zement und der Matte aus Carbontextil, die viel härter ist als Stahl, verspricht, dieser Herausforderung standzuhalten. Ob dies so ist, zeigen spezielle Sensoren, die - ins Dach integriert - jede Bewegung registrieren. Die kleinen Geräte werden im übrigen in jedem Riss des Münsters installiert.

So beispielsweise auch in der Kaiserloge oberhalb des Karlsthrons. Dort werden zur Zeit die Mosaike wieder an Wänden und Decken angebracht. Seit beginn der Abnahme der ebenfalls durch Risse stark gefährdeten Glas- und Keramikbilder am 8. März wurden rund 60.000 der kleinen Steine abgenommen. Mit Rübenkraut spiegelverkehrt auf einem Papierfilm aufgeklebt, werden sie jetzt wieder auf einer sicheren Grundierung an ihre ursprüngliche Stelle zurücktransplantiert.

Auch wenn die „Mosaiker” wie zum Beispiel Monika Rühl und Michael Heymann dies mit gebotener Ruhe angehen, drängt die Zeit. Denn in gut einem Monat soll die Kuppel über dem Oktogon komplett eingerüstet werden, dann sind die aktuellen Risse ein Teil Sanierungsgeschichte.

Restaurierung ist auf Spenden angewiesen

Auch wenn die Deutsche Bundesstiftung Umwelt bei den „Pflasterarbeiten” über dem Riss kräftig geholfen hat, ist die Restaurierung des Doms auf Spenden angewiesen.
Artikel„Die Sanierung der Mosaike in der Kaiserloge hat alleine 100.000 Euro mehr verschlungen als geplant”, seufzt Dombaumeister Helmut Maintz. „Wir können keine Schulden machen. Wenn wir also keine Hilfe bekommen, müssen wir bei der weiteren Sanierung eventuell mittendrin aufhören.”

Die Bankverbindung für Spenden und Zustiftungen lautet: PAX-Bank, Aachen, Konto: 1000644060 (BLZ. 37060193); Infos gibt es unter 47709 bis 0 oder 47709-110.

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