Aachen: Nach Säureattentat: Balettchef Filin will wieder auf die Bühne

Aachen: Nach Säureattentat: Balettchef Filin will wieder auf die Bühne

Obwohl Sergej Filin am Freitag um Zuversicht und gute Laune bemüht gewesen ist, darf man sich über seinen Gesundheitszustand keinen Illusionen hingeben. Der bei einem Säureattentat im Januar schwerverletzte Balletchef des Moskauer Bolschoi-Theaters wird aller Voraussicht nach noch Monate im Aachener Klinikum bleiben müssen, selbst mit seinem weniger stark verletzten linken Auge wird er im günstigsten Fall eine Sehkraft von 40 Prozent erreichen.

Dennoch betonten Filin, 42, und seine Ärzte am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz am Aachener Klinikum, dass davon auszugehen sei, dass er nach der vollständigen Genesung sein altes Leben, vor allem auch seine Beruf als künstlerischer Leiter des wohl berühmtesten und bedeutensten Balletts der Welt wieder aufnehmen werde.

Manche Informationen in diesem Kriminalfall passen derart gut ins Bild, dass sie wie erfunden klingen. Vor gut einer Woche hat die Russische Polizei Pawel Dmitrischenko als Hauptverdächtigen festgenommen. Der knochige Tänzer mit dem starren Blick war der Star auf der Bühne des Bolschoi. Der 29-Jährige tanzte die böse Fee in „Schwanensee“, zuletzt auch die finstere Titelrolle in „Iwan der Schreckliche“ um den blutrünstigen Zaren des 16- Jahrhunderts.

Dmitrischenko hat gestanden, die ebenfalls gefassten Täter mit der Attacke auf Filin beauftragt zu haben. So brutal aber, meinte er, hätte das nicht laufen sollen.

Warum der Konflikt zwischen dem Solisten und seinem Chef zu einem Verbrechen führte, darüber wird inzwischen viel spekuliert. Es geht wohl um verletzte Eitelkeiten, um Macht, Geld und nicht zuletzt um Frauen. Eine Mischung, die sich im Kosmos des Bolschoi zu einem unberechenbaren Moment aufgeschaukelt hat an dessen Ende Filin um seine Gesundheit bangen muss.

Dmitrischenko drohen jetzt bis zu zwölf Jahre Haft — und das Ende seiner Karriere als Ballettstar. Filin wollte sich am Freitag zu der Tat selbst nicht äußern. So viel verriet dann aber doch: „Der Festgenommene gehörte zu dem Kreis, der auch auf seiner privaten Liste der Verdächtigen gestanden hat.“

(cv)
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