Aachen: Nach Hausbrand: Junge Mutter lehnt Unterkunft ab

Aachen: Nach Hausbrand: Junge Mutter lehnt Unterkunft ab

Dramatische Tage liegen hinter der Bewohnern eines Mehrfamilienhauses an der Alt-Haarener-Straße, das in der Nacht zum vergangenen Freitag wegen eines Feuers evakuiert werden musste. Zwölf Menschen mussten dabei unter anderem über eine Leiter und eine Hubrettungsbühne ins Freie gelotst werden.

Mehrere Wohnungen des betroffenen Hauses sind bis auf Weiteres nicht mehr nutzbar. Feuerwehr — und auch die zuständigen Helfer bei der Stadt — waren zwar schnell zur Stelle. Dennoch beklagt sich eine junge Frau, die ihre Wohnung mit ihrer dreijährigen Tochter Hals über Kopf verlassen musste: „Aus meiner Sicht hätte das Sozialamt uns umgehend eine Unterbringung zur Verfügung stellen müssen — allerdings schien uns das Angebot schlicht nicht zumutbar“, kritisiert die junge Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Die Stadt hat die Vorwürfe auf AZ-Nachfrage am Montag mit Nachdruck zurückgewiesen — vielmehr sei alles unternommen worden, um der jungen Familie einen angemessene Bleibe zu beschaffen.

„Für meine Tochter unzumutbar“

In der Tat waren sechs der zwölf betroffenen Mieter noch in der Nacht des Brandes in einem Hotel an der Normaluhr einquartiert worden. „Als wir gleich am nächsten Vormittag beim Sozialamt nachfragten, wie es nun weitergehe, wurde uns dort eine vorläufige Unterkunft in einem Übergangsquartier für Obdachlose in Aussicht gestellt“, berichtet die junge Frau.

So habe man eine 75-Quadratmeter-Wohnung für im Ganzen sieben Personen angeboten bekommen. „Wir haben das abgelehnt, weil es mir vor allem für meine kleine Tochter unzumutbar erschien. Auf unsere Nachfrage, ob eine Unterbringung in einem Hotel möglich sei, beschied man uns, derzeit seien keine Zimmer aufzutreiben — und das, obwohl wir selbst in einigen Häusern angefragt haben, wo durchaus Kapazitäten frei waren.“

Offenbar war es in Anbetracht der ziemlich hektischen und für die Betroffenen nervlich extrem belastenden Situation — die junge Frau hatte Freitagmittag kurz vor Dienstschluss beim Sozialamt vorgesprochen — auch zu Missverständnissen gekommen, wie die Betroffene einräumte. „Jedenfalls haben wir uns mit dem Hausmeister des Wohnheims in Verbindung gesetzt, um ihm klarzumachen, dass die genannte Lösung für uns nicht akzeptabel sei. Der erklärte prompt, er könne so kurzfristig ohnehin allenfalls eine 45-Quadratmeter große Wohnung bereitstellen — und das für sieben Menschen.“

Dies, betonte Evelin Woelk vom Presseamt, sei keinesfalls zutreffend. „Tatsächlich haben wir noch am Freitag eine 105 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung mit zwei separaten Zimmern in der Obdachlosenunterkunft Robert-Koch-Straße angeboten.“

Wohnheim mit Küche hat Priorität

Dort hätten die Geschädigten auf drei Parteien verteilt problemlos eine Weile wohnen können, sagt Woelk. „Lediglich die Küche hätten sie teilen müssen.“ Tatsächlich habe das Sozialamt auf Nachfrage am Freitagmorgen erfahren, dass im besagten Hotel keine Zimmer mehr erhältlich seien. „Es ist aber ohnehin die Regel, dass gerade Familien zuallererst eine vorübergehende Wohnung in einem Übergangsheim angeboten bekommen, weil dort eben auch eine Küche vorhanden ist“, erklärte Woelk. „Die Stadt übernimmt in solchen Fällen grundsätzlich auch die Kosten.“ Die übrigen Mieter hätten sich aufgrund dessen ausdrücklich bedankt.

Am Ende hat laut Woelk indessen keiner der Betroffenen das städtische Angebot tatsächlich genutzt. Wie die übrigen Mieter ist auch die junge Frau mit ihrer Tochter und ihrem Freund inzwischen in einer leerstehenden Wohnung einer Bekannten in Eschweiler untergekommen.

Klar ist einstweilen: Bis die Mieter ihre Wohnungen wieder in Beschlag nehmen können, könnte noch einige Zeit vergehen. Zurzeit verfügt das betroffene Haus in Haaren weder über Wasser-, noch über Stromversorgung. Das Feuer, berichtete die Mieterin, sei nach bisherigen Erkenntnissen durch einen Kabelbrand ausgelöst worden.

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