Nach der Sanierung: Experten prüfen Schäden am Aachener Marschiertor

Neue Schieferpfanne stürzte ab : Gutachter steigen dem Marschiertor aufs Dach

Ein knappes Jahr nachdem das Dach des Marschiertors erneuert worden ist, sind nun wieder die Experten gefragt: Am Donnerstag haben Gutachter die Schieferschindeln – insgesamt rund 55.000 an der Zahl – per Hubbühne in Augenschein genommen, um zu prüfen, ob weitere Schäden zu befürchten sind. Vor wenigen Wochen war eine Dachplatte aus rund 40 Metern Höhe auf die Straße gestürzt.

Schon klar: Dem Penn-Rekruten am Portal des Marschiertors geht das luftige Spektakel, das sich mehr als 40 Meter über seinem bronzenen Dreispitz abspielt, sozusagen am Hosenboden vorbei. Schließlich genießt er als Skulptur des Aachener Bildhauers Klaus Gehlen selbst Denkmal-Status – wie das stolze Bauwerk, vor dem er seit zwölf Jahren die Stellung hält. Also darf er sich weiter in aller Seelenruhe mit seinem Schnitzwerk beschäftigen. Selbst wenn ihm eine der Dachschindeln aus über 40 Metern Höhe tatsächlich auf den ehernen Scheitel segeln würde, würde ihm das wohl kaum Kopfschmerzen bereiten.

Den Experten des städtischen Gebäudemanagements geht’s da anders. Immerhin ist vor ein paar Wochen eine der nagelneuen Schieferplatten vom Dach des Marschiertors abgestürzt. Ursachenforschung ist angesagt. Deshalb parkt seit dem frühen Morgen ein imposanter Kranwagen an der Ecke Lagerhausstraße/Franzstraße. Langsam schwebt eine Hubbühne in den – heute zum Glück nur leicht bedeckten – Himmel, damit die „Sachlage“ aus wenigen Zentimetern Entfernung in Augenschein genommen werden kann. An Bord dürfen allerdings nur Fachleute, nämlich Architekt Albert Frey nebst externen Gutachtern und Mitarbeitern der Thüringer Firma, die vor Jahresfrist nicht weniger als rund 55.000 Natursteinpfannen auf das hölzerne Gestühl des über 700 Jahre alten Tores montiert haben – jede einzelne wurde mit drei sogenannten Spenglerschrauben gesichert. Immerhin knapp 30 Schindeln haben sich Ende Februar dennoch gelöst, glücklicherweise ist nur eine wirklich herabgestürzt, die übrigen sind in der Dachrinne gelandet. Das direkte Umfeld des Gebäudes ist wieder mit einem Metallzaun gesichert worden. „Wir müssen jetzt schauen, ob bei den Arbeiten tatsächlich Fehler gemacht worden sind“, erklärt Engelhard Chaumet vom städtischen Gebäudemanagement. „Denn es ist zunächst einmal gar nicht ungewöhnlich, dass einzelne Platten wieder herausfallen.“ Im natürlichen Schiefer entstünden zuweilen Lufteinschlüsse, in denen sich Feuchtigkeit sammele. „Damit muss man immer rechnen“, betont auch Dachdecker Jens Poschmann aus Klettbach bei Erfurt.

Einsatz in rund 40 Metern Höhe: Gutachter nehmen die neue Dachhaut des Marschiertores aus unmittelbarer Nähe ins Visier. Foto: ZVA/Harald Krömer

Ansonsten halten sich auch die Fachleute, um im Bilde zu bleiben, bis auf weiteres bedeckt. Ein Ergebnis der Expertise wird wohl erst in etwa zwei Wochen vorliegen. Dann gelte es – notfalls auf juristischem Wege - zu klären, ob das Thüringer Unternehmen gegebenenfalls auf eigene Kosten „nachbessern“ muss oder eben nicht. „Möglich wäre auch, dass wir den Randbereich des Daches über eine Netzkonstruktion oder ähnliches abschirmen müssen“, erklärt Chaumet. Immerhin rund 880.000 Euro hat die Stadt in die Dachsanierung investieren müssen, die im vergangenen Frühjahr nach rund neunmonatiger Arbeit beendet wurde – zumindest vorläufig. Schlimmstenfalls müsste also wieder ein kostspieliges Gerüst installiert werden, falls gravierende Schäden festgestellt werden. Denn das könnte auf längere Sicht eben nur dem bronzenen Pennsoldaten am Fuß des Marschiertors wirklich egal sein.

(mh)
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