Nabu Aachen gegen eigenes Trailnetz für Mountainbiker im Stadtwald

Naturschützer gegen Mountainbiker : Nabu: „Aachener Wald darf nicht zum Sportplatz degradiert werden“

Der Naturschutzbund Nabu in Aachen hat sich klar gegen die Schaffung eines sogenannten Trail-Netzes für Mountainbiker im Stadtwald ausgesprochen. Zugleich fordert er bessere Kontrollen gegen Biker, die auf illegalen Strecken unterwegs sind. „Der Aachener Wald darf nicht zum Sportplatz degradiert werden“, heißt es in einer am Dienstag versandten Pressemitteilung.

Der Aachener Wald sei schon heute durch ein extrem dichtes Wegenetz erschlossen und werde intensiv für die Erholung genutzt. Nach Auffassung des Nabu sei daher „eine weitere Erhöhung des Störpotenzials für störungsempfindliche und streng geschützte Tierarten nicht vertretbar“. Die einschlägigen Bundes- und Landesgesetze ließen zwar das Befahren befestigter Wege im Wald zu, so Nabu-Vorsitzender Claus Mayr, vor allem aber forderten sie Rücksichtnahme auf Erholungssuchende, Pflanzen- und Tierarten.

Der Nabu Aachen verweist auch auf die Empfehlung des Bundesamts für Naturschutz, „in ökologisch sensiblen Gebieten“ auf die Ausweisung von Mountainbike-Routen zu verzichten. Im Aachener Wald würden durch die illegalen Trails nicht nur empfindliche Tierarten wie Wildkatzen, Haselmäuse oder Fledermäuse gestört, auch die Bodenverdichtung und Bodenerosion auf sandigen Böden seien hochproblematisch.

Zudem habe der Nabu festgestellt, dass auch die Vereinbarungen zwischen den Vereinen und der Stadt über ein „respektvolles Miteinander“ oftmals nicht eingehalten würden. So würden auch nachts Mountainbike-Fahrer mit Helmlampen im Wald angetroffen, die „die nächtliche Ruhe im Wald massiv stören“.

„Der Nabu lehnt daher eine weitere Zerschneidung des Öcher Bösch durch zusätzliche Bike-Trails strikt ab“, heißt es in der Pressemitteilung. Außerdem verlangt er eine Präzisierung des Begriffs „feste Wege“, auf denen das Radfahren erlaubt ist. Denn sobald drei Mountainbiker einen Trampelpfad gefahren haben, halte der vierte ihn schon für einen festen Weg.

Nabu-Vorsitzender Mayr verweist zudem auf die Nachbarländer Österreich oder Niederlande sowie andere Bundesländer, wo das Radfahren im Wald viel stärker reglementiert und teils auch ganz verboten sei.

Wie berichtet, fordern viele Mountainbiker und auch der Verein Geländefahrrad Aachen die Ausschilderung eines eigenen Trail-Netzes im Stadtwald. Nur so könne man auch die wachsende Zahl der illegalen Trails eindämmen, meinen sie.

Skeptisch hat sich dazu bereits der städtische Forstamtsleiter Gerd Krämer geäußert, der wie der Nabu von einer enormen Belastung für Pflanzen und Wildtiere spricht. Auch gebe es immer wieder Beschwerden von Spaziergängern über rücksichtslose Biker.

Eine Entscheidung über die Schaffung eines zusätzlichen Trail-Netzes neben den Wander- und Reitwegen müsste die Politik treffen. Für ihr Anliegen will die Mountainbiker-Szene auch am kommenden Sonntag, 19. Mai, mit der 2. Aachener MTB-Tour werben. Einige hundert Fahrer werden dann auf den drei – legal ausgeschilderten – Strecken im Stadtwald unterwegs sein.

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