Aachen: Mutige Bürger für Zivilcourage ausgezeichnet

Aachen : Mutige Bürger für Zivilcourage ausgezeichnet

Oft genug kommt es vor, dass die Menschen Gewalt, Rassismus oder Diskriminierung in ihrer Umgebung einfach ignorieren, anstatt etwas dagegen zu unternehmen. Aus diesem Grund hat die Städteregion Aachen den Bürgerpreis für Zivilcourage verliehen — an jene, die eben nicht weggeschaut haben.

„Die heutigen Preisträger sind für uns alle ein Beispiel für eine Kultur des Hinsehens“, sagte der Moderator der Veranstaltung, Olaf Theissen. Eines dieser Vorbilder war dieses Jahr Alexander Mines. Er kam seinem Nachbarn zu Hilfe, als dieser in seinem Haus überfallen wurde. Und als wäre das nicht genug, hielt er den Täter noch so lange fest, bis die Polizei eintraf und den Mann festnehmen konnte. „Mit ihrem Einsatz haben Sie sich für die Gemeinschaft verdient gemacht“, stellte auch sein Laudator Theo Steinröx, Ehrenamtbeauftragter der Städteregion Aachen, fest.

Ebenfalls für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden gleich drei Aachener. Nina Schabarum, Laura Alessa Wählen und René Teresiak schritten ein, als ein Obdachloser in der Pontstraße von drei Jugendlichen drangsaliert wurde. Was sie nicht wussten: Die Täter waren bereits mehrfach vorbestraft und als gewalttätig bekannt. Durch ihre Hilfe verhinderten sie, dass dem Mann Schlimmeres widerfahren ist und brachten sich selbst dabei in Gefahr. Nichts zu unternehmen wäre aber für sie nicht infrage gekommen. „Wir haben kein Verständnis dafür, wenn jemand in einer solchen Situation einfach tatenlos zusieht. Mindestens Hilfe rufen kann jeder“, sagten die drei einhellig. „Überhaupt zeigen viel zu wenig Leute den Mut, um zu helfen“, stellte Wählen fest. „Vielleicht weil sie Angst um ihre eigene Gesundheit haben.“

Dass diese Angst nicht ganz unbegründet existiert, haben zahlreiche, öffentlich gewordene Fälle in der Vergangenheit gezeigt. Davon sollten sich die Menschen jedoch nicht einschüchtern lassen, wie Manfred Reinders, Ehrenamtsbeauftragter der Städteregion in seiner Laudatio sagte. „Gewalt und Unterdrückung dürfen in unserer Gesellschaft keinen Raum haben.“

Dieser Maxime sind die Preisträger gefolgt. Aachens OB, Marcel Philipp, der ebenfalls der Veranstaltung beiwohnte, forderte seine Mitbürger zu mehr Mut gegen Gewalt auf. „Wir brauchen eine innere Haltung, im richtigen Moment das Richtige zu tun“, sagte er.

Der Bürgerpreis für Zivilcourage wurde dieses Jahr bereits zum fünften Mal verliehen und leistet einen Beitrag dazu, dass hoffentlich mehr Menschen bei Unrecht und Diskriminierung nicht wegsehen, sondern handeln. Denn, wie Philipp an diesem Abend sagte: „Nur so kann eine Gesellschaft funktionieren.“

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