Aachen: Muss die Antoniusstraße weichen?

Aachen: Muss die Antoniusstraße weichen?

Die Zukunft der Antoniusstraße bleibt ungewiss. Denn ob das Rotlichtmilieu in der Altstadt überhaupt noch Platz hat, war Thema einer öffentlichen Diskussion, zu der die Grünen am Montagabend ins Rathaus geladen hatten.

Ein voller Saal ließ darauf schließen, dass das Thema nicht nur von politischer Brisanz ist, sondern dass auch Aachens Bürger am Schicksal der berühmt-berüchtigten Straße durchaus interessiert sind.

Hintergrund der Diskussion ist der geplante Abriss des APAG-Parkhauses am Büchel Anfang 2011. Ersatz scheint bereits gefunden: Die dreistöckige „Bel Etage” mit Einzelhandel und Gastronomie soll an der Stelle des ehemaligen Parkhauses entstehen. Bleibt die Frage, ob eine Antoniusstraße in unmittelbarer Nähe sich hier nicht hinderlich auf das Geschäft auswirken könnte.

Aus Sicht der Stadtverwaltung erscheinen sowohl eine komplette Auslagerung der Antoniusstraße in ein neues Gebäude außerhalb der Innenstadt, als auch eine teilweise Schließung der Straße möglich. „Es wird ein langer Entscheidungsprozess sein”, sagte Gisela Nacken (Grüne), Planungsdezernentin der Stadt.

Sichtwände hingegen, die zu Beginn und Ende der Straße aufgestellt werden, hält zumindest Kriminaloberrat Hans-Josef Lemper für nicht realisierbar. Im Falle von Polizei- oder Krankenwageneinsätzen könnten diese zur Gefahr werden. Und die Sicherheit der Frauen auf der Antoniusstraße, so die allgemeine Stimmung, hat bei allen Optionen Priorität.

Dabei ist es überhaupt nicht so, dass Gewaltkriminalität mit etwa 20 Fällen im Jahr im Aachener Milieu an der Tagesordnung wäre. Längst nicht jeder dieser Fälle ist auch ein Angriff gegen eine der Frauen. Trotzdem: „Jeder Fall von Gewalt ist einer zu viel”, betont Mechthild Eickel vom Madonna e.V. Bochum, einer Beratungsstelle für Prostituierte. Auch am teilweise desolaten Zustand der Häuser auf der Antoniusstraße muss etwas getan werden. Eickel empfiehlt, sich mit den Besitzern in Verbindung zu setzen, um gemeinsam bessere Arbeitsbedingungen für die Frauen zu schaffen.

Sollte die Antoniusstraße jedoch tatsächlich weichen müssen, steht für Lemper eines fest: „Es ist in jedem Fall erforderlich, Ersatzmöglichkeiten zu schaffen”.