Rolf Gerrards in der Kappertzhölle geehrt: Mullefluppet-Preis für ein Schlitzohr mit Öcher Hazz

Rolf Gerrards in der Kappertzhölle geehrt : Mullefluppet-Preis für ein Schlitzohr mit Öcher Hazz

Es kommt auch in diesem Fall auf das richtige Rezept an: Was macht also einen Mullefluppet aus? Die Antwort ist extrem einfach – und hat einen Namen: Rolf Gerrards. Der Fleischer und Karnevalist ist im vollbesetzten Saalbau Kappertz mit dem Mullefluppetpreis der Aachener Zeitung ausgezeichnet worden.

Gerrards vereint alle Zutaten zu einem stimmigen Menü in sich. Schlitzohrigkeit, Schlagfertigkeit, ein gaaaanz großes Herz für Aachen und die Öcher, er ist Vollblutkarnevalist und – das passt dann an diese Stelle der Aufzählung – Fleischer von Beruf und aus Passion. Letzteres steht nicht unbedingt im Anforderungsprofil eines Mullefluppets, aber es gehört zu Rolf Gerrards wie der Senf zum Puttes.

Was also wäre schlüssiger, als den 50-Jährigen zum Mullefluppetpreisträger 2019 zu machen? Genau: nichts. Und daher war das Festmenü angerichtet am Donnerstagabend. Schmackhaft fürs Gemüt, kräftigend für die Lachmuskeln. Schauen wir uns das Rezept einmal in seinen Einzelteilen an:

Die Lokalität: Kann es einen urigeren Platz geben als die Kappertzhölle in Rothe Erde mit Peter Kappertz (auch Mullefluppetpreisträger!) und seinem Team? Was für eine Frage! Natürlich nicht. Die Guckkastenbühne aus dem frühen Mittelalter, die Holzvertäfelung der Nachkriegszeit, die klassische Theke, Garderobe bitte bei den freundlichen Damen abgeben. Der perfekte Ort. So viel Charme! So viel Lokalkolorit!

Das Bühnenbild: Die Anmutung einer Fleischerei, was sonst. Mit Liebe zum Detail von Albert Thelen (Medienhaus Aachen) angerichtet, gewürzt mit klassischem Metzger-Mobiliar wie Holzblock, Theke und Hackebeil.

Nächste Zutat – die Live-Band: Klassische Triobesetzung mit Orgel (Stefan Hansen), Saxophon (Boris Bansbach) und Schlagzeug (René Brandt). Da fühlt sich jeder Sänger bestens begleitet, die Pausenmusik perlt daher, hier stimmt der Ton. Ein Genuss!

Den Preis überreichten im Namen der Aachener Zeitung Robert Esser, Michael Cosler und Patrick Deloie (von links). Foto: ZVA/Harald Krömer

Das Kuratorium: Sie sind die Zaubermeister in der humoristischen Garküche. Ina Gröbner, Michael Cosler, Robert Esser, Dieter Kaspari, Marga Render und – Patrick Deloie. Er übernahm den Platz von Christian Mourad, der fast 20 Jahre lang ein Gourmet in Sachen Mullefluppet war – danke für diese Zeit! Deloie passt perfekt ins Küchenteam. Er ist Mitglied der SPD-Fraktion, was man, glaubt man Moderator Robert Esser – „für eine ordentliche Portion Humor spricht“. Was will man mehr? Das Kuratorium kann nicht nur Programmfolgen zubereiten (siehe nächster Punkt), sondern traut sich auch zu singen. Das ist extrem spaßig und verlangt Respekt – wegen des offensichtlichen Mutes, dies immer wieder öffentlich zu tun.

Die Speisekarte oder das Programm: Ina Gröbner&Friends bereiten einen ausgesprochen schmackhaften Öcher-Platt-Sketch aus dem Fleischerladen. Mit allen Ingredienzien eines Mullefluppets: Ausgesprochen schlagfertig, fröhlich, witzig! Im Preisträgertest muss sich Rolf Gerrards ausgesprochen perfide ausgedachten Spielen – „ist das Blut oder doch Tomatensaft, was ich gerade trinke? – unterziehen. Antwort: Auf der Bühne wird tatsächlich echtes Schweineblut in der „Bloody Mary“ serviert ... Lecker.

Dass er das souverän meistert, ist mehr als eine Randnotiz. Dass der Fleischer vegetarische Frikadellen von klassischen Bouletten unterscheiden kann, durfte man voraussetzen, oder? Dieter Kaspari ist mit seinen musikalischen Wegbegleitern Marc Beumers und Uwe Böttcher ein musikalischer Genuss; die Tänzerinnen und Tänzer von TN Boom bringen die Choreografie von Marga Render perfekt auf die Bretter – und integrieren Rolf Gerrards’ 15-jährigen Sohn Mats so sympathisch in ihre Performance. Und dann kalauert sich Maikel Freialdenhoven ausgesprochen delikat durch die Öcher Seelenlandschaft.

Doch was sind diese Zutaten ohne den Hauptgang? Kommen wir also zum Filetstück: Rolf Gerrards hat sich selbst einmal als die Erfindung des Lampenfiebers bezeichnet. Was man ihm vor Jahren, als er auf der großen TV-Bühne beim Tierischen Ernst des AKV stand, nicht anmerkte, was auf der kleineren und natürlich viel, viel schöneren Bühne der Kappertzhölle nicht nasatzweise zu spüren ist. „Aber nervös war ich trotzdem, und wie!“, wird er am Tag danach eingestehen.

Dann bitte mehr von dieser Nervosität, möchte man urteilen. Denn sie lässt Gerrards einen fulminanten Auftritt hinlegen. Natürlich als Fleischer, Anekdoten aus dem ganz normalen Wahnsinn eines Berufsalltags. Von dem kleinen Jungen, der über die Theke brüllt: „Fleischwurst!“ Oder der klassischen Frage der Durchschnittskundin: „Ist das auch frisch?“ Was würde ein Mullefluppet antworten? Zum Beispiel dies: Nein, vier Wochen alt. Und wir sind froh, dass Sie gekommen sind, um es endlich zu kaufen ...“

Arbeit mit Tieren

Und dann war da noch das erste Date von Rolf Gerrards mit seiner jetzigen Frau Alex. Was er denn so beruflich mache, will die Angebetete wissen. Der Fleischer traut sich nur so weit aus der Deckung: „Ich arbeite mit Tieren.“ Sie entgegnet: „Och, wie süß ...“ Mehr ist beim entscheidenden Rendezvous nicht drin. Später ist Gerrards dann mutiger: „Hackfleisch kneten ist wie Tiere streicheln, nur später…“ Bitte, liebe Vegetarier und Veganer, keine Leserbriefe schreiben. Es ist einfach so, das Leben ist voller Unterschiede. Und Gerrards kann auch fleischlose Frikadellen. Ist doch irgendwie auch beruhigend, oder?

Nur eines, das erträgt auch der humorvollste Fleischer nicht immer mit Begeisterung: Kunden – Sekunden vor Ladenschluss. Gerrads rockt sich – fetzig begleitet von der Mullefluppetband – den Frust von der Seele: „Ja, da im Laden brennt noch Licht, die haben lange noch nicht Schicht.!“ Der Saal tobt, es sitzt niemand mehr, ohne Zugabe kommt der Preisträger 2019 nicht von dieser Bühne herunter. Der Mullefluppetpreis 2019 – was für ein Schmaus für Ohren und Augen! Ein Festmenü!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rolf Gerrards ist der Mullefluppet-Preisträger 2019!

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