Aachen: Mullefluppet-Kuratorium „überfällt” zukünftigen Preisträger

Aachen: Mullefluppet-Kuratorium „überfällt” zukünftigen Preisträger

Jüngste Meldung aus dem Polizeibericht: Hauptkommissar Paul Kemen (54), verheiratet, drei Söhne, ist Freitag praktisch vom Schreibtisch weg „verhaftet” worden.

Allerdings ist die Beweislage gegen den Alsdorfer Jong derart verzückend erdrückend, dass er gleich wieder auf freien Fuß kam. Verschärfte Bewährungsauflage: Ende März wird Kemen mit dem Mullefluppet-Preis ausgezeichnet.

Zum Tathergang: Paul Kemen weist als langjähriger Polizeisprecher das kriminell sympathische Profil eines Überzeugungstäters auf, das den Mullefluppet an sich kennzeichnet. Mal tierisch ernst: Der Mann ist eben tatsächlich ein, pardon, „Bulle” (nicht aus Tölz, sondern quasi aus dem hohen Norden), hat Humor im Amt bewiesen, Schlitzohrigkeit und echte Hilfsbereitschaft. Diesmal allerdings wurde er von den Ereignissen überrollt.

Obwohl die erste „Demo” des Mullefluppet-Kuratoriums von höchster Stelle genehmigt war: Unter Vortäuschung falscher Tatsachen hatte Polizeipräsident Klaus Oelze das „Opfer” zum - vermeintlichen - Krisenstab mit Polizeidirektor Jörg Pionke und Pressechef Klaus Völker gebeten. Alle hielten dicht, bis die Tür zum Chefzimmer aufflog. Statt der Kollegen durfte das Kuratorium singen.

Frei nach dem Gassenhauer „Ja, mir san mim Radl da” intonierte das subversive Grüpplein eine launige Lobeshymne auf den „Kandidaten” - per Klampfe begleitet vom neuen Mitglied und Blues-Original Dieter Kaspari, formschön choreografiert von dessen ebenso frisch gebackener „Kollegin” Marga Render (bekannt als Expertin für ansonsten weit filigraner getanzte Auftritte). Alles klar, Herr Kommissar? Kemen war derart von den Socken, dass es ihm nicht gelang, sich aus dem Staub zu machen. „Ich hab nur gedacht: Der Polizeipräsident hat doch erst nächste Woche Geburtstag”, gestand er. „Ich bin sehr geschmeichelt und nehme den Preis an.”

Schließlich haben „Fluppis” Gesandte einiges gegen den Mann in der Hand, was sich bereits in der schrägen Ouvertüre hören ließ. Kemen tritt nicht nur mit Leidenschaft in die Pedale, sondern hat stets bewiesen, dass er auch im Beruf das Herz am rechten Fleck hat. „Selbst die BBC”, erzählte Kuratoriumsmitglied und AZ-Redakteur Manfred Kutsch, „griff auf Ihre Gewitztheit zurück, als Sie über den Anruf eines Jungen in der Leitstelle berichtet haben.” Der gab an, seine Mama zwinge ihn zur Kinderarbeit: Er sollte sein Zimmer aufräumen. Eines von vielen Anekdötchen, die Kemen teils sogar per Hörbuch publiziert hat - für einen guten Zweck.

An „Stoff” zur Fortsetzung dürfte es nicht fehlen. Selbst wenn Oelze partout nicht verriet, worüber vor dem frechen Überfall „beraten” wurde. Nur so viel: „War höchste Zeit, dass ihr kommt.” Da wird das Publikum bei der Verleihung garantiert nicht widersprechen.

Am Montag, 18.30 Uhr, berichtet „Center TV” über Kemens Kür.

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