Aachen: Müll-Virus grassiert ungehemmt im Grünen

Aachen: Müll-Virus grassiert ungehemmt im Grünen

Die Keule hat Peter Maier bisher nicht ausgepackt. Noch nicht. Dem stellvertretenden Leiter des Stadtbetriebs ist die besorgniserregende Vermüllung der städtischen Parks und Grünanlagen ein Dorn im Auge. „Da packt einen schon mal die kleine Wut”, gibt Maier unumwunden zu.

Zusammen mit Ordnungsamt und SPD-Politikern sprach er über mögliche Wege aus dem Müll-Teufelskreis.

Aktueller Stein des Anstoßes ist die erst im Frühjahr installierte Tischtennisplatte im Ferberpark in Burtscheid. „Für Kinder ist der Zustand nicht haltbar”, findet Benjamin Fadavian, Jugendbeauftragter der Burtscheider SPD.

Scherben überall, leere Plastikflaschen, achtlos weggeworfene Verpackungen, massenhaft Zigarettenstummel. „Leider kein Einzelfall”, weiß Detlef Sambale. Als Abteilungsleiter verantwortlich für die Pflege der Grün- und Freiflächen, kann er über das gewissenlose Verhalten vieler Zeitgenossen nur mit dem Kopf schütteln. Zentnerweise schleppen seine Mitarbeiter jeden Morgen den Abfall aus dem Grün.

Die Überreste ganzer Grillpartys finden sich in den Sommermonaten auf den städtischen Wiesen. In die öffentlichen Eimer werden ganze Säcke aus dem Privatmüll entsorgt. „Die machen das mit Kalkül”, ärgert sich Sambale. Darunter leiden müssen dann alle. Das sieht auch Fadavian so: „Es geht hier nicht um einzelne Schuldzuweisungen, das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.”

Was kann gegen den um sich greifenden Müll-Virus und für eine sauberere Stadt getan werden? Ein bisschen, geben Politiker wie Verwaltungsfachmänner zu, sei man hier der Quadratur des Kreises auf der Spur. Mehr Mülleimer, glauben die Experten, führen nicht automatisch zu einem befriedigenden Ergebnis. Zudem stehen laut Sambale allein schon heute im Innenstadtbereich 1300 Abfallbehältnisse.

Harte Strafen für Umweltsünder werden (noch) nicht diskutiert. „Wir wollen nicht möglichst viele Bußgelder eintreiben, sondern die Zustände verbessern”, formuliert Elmar Rosen, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes, das Ziel. „Wir müssen die Bürger sensibilisieren”, ergänzt SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke.

Zivilcourage sei gefragt. Hinsehen statt wegschauen. Hierfür sollen möglicherweise bald auch Mitarbeiter des Betriebshofs unterwegs sein, die nicht mehr im direkten operativen Geschäft eingesetzt werden. Mehr Präsenz verspricht auch das Ordnungsamt, allerdings seien all diese Maßnahmen ohne Mithilfe der Bürger unwirksam, betont Rosen.

Einen kreativen Ansatz wünscht sich Fadavian. Andere Städte, so der Nachwuchspolitiker, würden ihre Mülleimer mit flotten Sprüchen bekleben, die dazu animieren, den Abfall in und nicht neben den Behälter zu schmeißen. Am Ende habe aber jeder Bürger eine Vorbildfunktion. Greife keine der Maßnahmen, sagt Maier, müsse man in Politik und Verwaltung vielleicht doch darüber nachdenken, die Keule rauszuholen.

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