Mountainbiker aus Aachen wollen im Wald mehr Rechte

Mountainbiker im Aachener Wald : Radsportler wollen sich nicht vertreiben lassen

Den ersten warmen Frühlingstagen zum Trotz ist die Stimmung zwischen Mountainbikern und Aachener Forstamt zuletzt wieder frostiger geworden.

Weil das Netz illegaler Bike-Trails im Aachener Wald rasant wächst, haben die Hüter des Waldes im Frühjahr viele Abfahrten mit gefällten Bäumen versperrt. Der Erfolg ist bescheiden, wie die Praxis zeigt. Und die Mountainbiker sind ohnehin überzeugt, dass Verbote nicht die Lösung sein können.

„Man kann die sportlichen Nutzer nicht aus dem Wald verbannen, aber man kann sie lenken“, sagt Mirijam Buhr, Vorsitzende des Vereins Geländefahrrad Aachen, der unter anderem den Bikepark am Dreiländereck betreibt und die Interessen von gut 850 organisierten Mountainbikern vertritt. Wie viele andere Biker ist auch sie von den Fällaktionen des Forstamts überrascht worden. Ihr Verständnis dafür hält sich in Grenzen, denn gemeinsam mit vielen Mitstreitern wirbt sie seit Jahren für einen anderen Weg. „Wir wollen ein attraktives Trailnetz und Rechtssicherheit schaffen“, sagt sie.

Rechtssicherheit haben die Biker derzeit nur auf ihren fünf Strecken im abgesteckten Bikepark oder auf befestigten Waldwegen. Vielen ist das auf Dauer zu eng und zu langweilig, weswegen sie immer wieder illegale Strecken abseits der Waldwege suchen.

Für Pflanzen und Wildtiere sei das eine enorme Belastung, sagt Forstamtsleiter Gerd Krämer. Auch Spaziergänger würden sich zunehmend belästigt fühlen, berichtet er. Eben deshalb habe man sich entschieden, die wilden Trails „zuzulegen“. Allerdings musste auch er erkennen, dass die gefällten Bäume vielfach schnell beiseite geschafft worden sind oder die Abfahrten erst recht interessant gemacht haben.

Illegale Trails wird es vermutlich immer geben, glaubt auch Mirijam Buhr. Zugleich ist sie aber auch überzeugt, dass man mit einem größeren und ausgeschilderten Wegenetz für Mountainbiker die schlimmsten Auswüchse wieder eindämmen könnte. „90 Prozent der Fahrer kriegt man gelenkt“, sagt sie. „Aus Sportlersicht möchte ich dort fahren, wo ich es darf und wo es attraktiv ist. Das würde ich jedem illegalen Weg vorziehen.“

Und so wirbt sie seit Jahren dafür, im Aachener Wald ein eigenes Trailnetz für Mountainbiker zu schaffen, so wie es auch ein eigenes Wegenetz für Reiter neben dem für Spaziergänger und Wanderer gibt.

Gute Vorbilder gibt es dafür in den Niederlanden, pflichtet ihr Norbert Balser bei. Der erste Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Aachen, vertritt rund 5800 Mitglieder, von denen ebenfalls viele mit dem Mountainbike im Wald unterwegs sind. „Der Wald ist ein Erholungsraum, der der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht“, sagt er, „eine Nutzergruppe sind auch die Mountainbiker.“

Die Konflikte, die Krämer beschreibt, nehmen Buhr und Balser so nicht wahr. „Das Miteinander klappt überwiegend gut“, sind sie überzeugt. Spaziergänger, Hundehalter, Reiter und Radfahrer pflegten einen freundlichen Umgang. Dazu passt die im vergangenen Jahr von ihnen mit ins Leben gerufene Initiative „Respektvoll Miteinander im Öcher Bösch“, die von weiteren Sportverbänden, Reitsportlern und auch der Stadt Aachen mitgetragen wird und für einen freundlichen und rücksichtsvollen Umgang mit Menschen und Tieren wirbt.

„Wir können etwas bewegen“, sind Buhr und Balser überzeugt, die sich auch von dem derzeit etwas angespannteren Verhältnis zum Forstamt nicht bremsen lassen wollen. „Der jetzige Weg ist nicht die Lösung“, sagen sie. Stattdessen wollen sie nun auf die Politik zugehen und um Unterstützung für ein legales Trailnetz bitten. Das Potenzial für ein gut und gerne 35 Kilometer langes Streckennetz mit den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden sei im Aachener Wald vorhanden. Auch fachlichen Rat wollen sie einholen.

Ein Problem sei allerdings, dass es kaum Untersuchungen über die Auswirkungen der Mountainbiker auf die Natur gibt, sagt Norbert Balser. So oder so werden sie einen langen Atem brauchen und noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. „Das ist ein Fünfjahresplan“, sagt Mirijam Buhr.

Dass sie als Mountainbiker die gleichen Rechte wie Reiter und Wanderer im Wald beanspruchen, wollen sie am 19. Mai mit einer MTB-Tour deutlich machen. Zum zweiten Mal werden dann unterschiedlich lange Strecken im Wald beschildert, auf denen aller Voraussicht nach wieder einige hundert Fahrer unterwegs sein werden und ein deutliches Signal für diese Sportart aussenden.

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