Aachen/Eschweiler: Mord in Bulgarien: Ehefrau gibt Andrey T. kein Alibi

Aachen/Eschweiler: Mord in Bulgarien: Ehefrau gibt Andrey T. kein Alibi

Andrey T. (42), angeklagt wegen Mordes an dem Ehemann seiner Geliebten Julia S. aus Eschweiler, saß in einem rot karierten Hemd fast erstarrt vor dem Aachener Schwurgericht. Dabei hatte er am Montag allen Grund, unruhig zu sein.

Denn seine Ehefrau Mileva T. (41) aus Varna am Schwarzen Meer war angereist, sie wollte in den Zeugenstand.

Dabei sagte die Zeugin in den folgenden Stunden akkurat, minuziös und um Genauigkeit bemüht aus. Es waren bei ihr weder Be- noch Entlastungstendenzen gegenüber dem Ehemann festzustellen. Als Ehefrau hätte sie das Recht gehabt, jegliche Auskunft zu verweigern. Doch darauf verzichtete die 41-Jährige, die als juristische Lehrkraft an der Universität Varna arbeitet. Sie schilderte dem Vorsitzenden Richter Markus Vogt, wie sie nach und nach von dem Verhältnis von Julia S. und ihrem Mann erfahren hatte. Die Wahrheit habe einigen Druck erfordert, ihr Ehemann gab erst nach, als sie ihm ab Januar 2015 telefonisch und auf Heimaturlaub zu Hause in Bulgarien wortreiche Szenen wegen der Frau in Deutschland machte.

Andrey T. war 2013 über die Vermittlung von Freunden zur Raststätte Aachener Land gekommen, berichtete Mileva T., er hatte sich dort um die Toilettenanlagen zu kümmern. In der Raststätte habe er sich mit der Russisch sprechenden Julia S. angefreundet: „Ich dachte an Freundschaft, sie half ihm“, berichtete die Zeugin. Doch als er dann sogar in das Haus der Eheleute S. eingezogen sei, habe sie daran nicht mehr geglaubt. Wie auch immer: Sie beide hätten trotz des Verhältnisses zu Julia S. beschlossen, die Ehe aufrecht zu erhalten, auch wegen der gemeinsamen Tochter.

Die Befragung des Gerichts drehte sich immer wieder um die Tatzeit in dem Urlauberhotel „Magnolia“, in dem Opfer Wolfhard S. am frühen Abend des 4. September 2015 mit mehr als 50 Beilhieben in seinem Zimmer förmlich hingerichtet wurde. Nach der Aussage der Ehefrau blieb es weiter dabei: Für die fragliche Tatzeit zwischen 19 und 20.30 Uhr hat Andrey T. kein Alibi. „Er kam wieder, als ich mit dem Salat fertig war“, berichtet Zeugin T., „das war wohl so um 20.30 Uhr, vielleicht auch einige Minuten später“, sagte sie am Montag.

Losgefahren war T. um kurz nach 19 Uhr, er wollte eine Besorgung machen, er sollte Schmuck für Julia S. bei einem Goldschmied besorgen. Was er in den 90 Minuten machte, ist für die Staatsanwaltschaft klar: Andrey T. soll Wolfhard S. brutal getötet haben. Der Prozess geht morgen weiter.

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