Eilendorf: „Möbel-Shop“: Bittere Botschaft kurz vor den Festtagen

Eilendorf: „Möbel-Shop“: Bittere Botschaft kurz vor den Festtagen

Einen Tag vor Heiligabend erlosch auch der letzte Funken Hoffnung endgültig: Am Dienstag musste der Insolvenzverwalter André Seckler von der Kanzlei Kebekus und Zimmermann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des „Aachener Möbel-Shops“ nach einer wochenlangen Zitterpartie das bittere Aus des „Sozialkaufhauses“ in Eilendorf mitteilen.

Zum Jahreswechsel am 31. Dezember ist Schluss an der Von-Coels-Straße. Betroffen sind 19 Festangestellte und etwa 50 Arbeitsangelegenheiten für Langzeitarbeitslose. Die vagen Hoffnungen, die es noch Ende vergangener Woche gegeben hatte, den seit 2009 von der Aachener Projektwerkstatt gGmbH (ACPW) betriebenen Shop in letzter Minute retten zu können, sind somit begraben.

Zwar lief der Shop all die Jahre gut, war vor allem bei Menschen ohne gut gefülltes Portemonnaie eine beliebte Anlaufstelle, da sie dort zu günstigen Preisen Möbel und weitere Gegenstände für Haus und Wohnung fanden. Doch die Kosten waren in der Vergangenheit trotzdem höher als die Erlöse. Die Schließung trifft nun vor allem die 19 Mitarbeiter — Menschen, die auf dem „ersten“ Arbeitsmarkt keine Chance auf Beschäftigung fanden.

Die Verhandlungen in den vergangenen Tagen hatten keine Lösung mehr gebracht, wie Seckler mitteilte. So habe das Jobcenter der Städteregion signalisiert, dass im kommenden Jahr keinerlei Förderung für das Sozialkaufhaus in Eilendorf in Aussicht stehe. Hintergrund sind Änderungen des Gesetzgebers, was die Unterstützung von langzeitarbeitslosen Menschen angeht. In Aachen bedeutet das konkret: wegbrechende Zuschüsse.

„Es steht fest, dass unter diesen Bedingungen ab Januar 2015 massive Verluste eingefahren werden, die nicht aufgefangen werden können“, erklärt Seckler den unumgänglichen Schritt und bedauert, dass „trotz des unermüdlichen und hoch motivierten Einsatzes der Mitarbeiter und der Unterstützung aus der Bevölkerung“ eine Fortführung des Möbel-Shops daher nicht möglich sei. Zuletzt hatte es drei Investorengruppen gegeben, die an einer Übernahme des Sozialkaufhauses interessiert waren. Doch ohne Aussicht auf eine staatliche Förderung kam es nun zu keiner Einigung. Die bittere Folge: Das Sozialkaufhaus muss geschlossen werden, und alle Mitarbeiter verlieren ihren Job.

„Eine emotionale Katastrophe“

Auch in der Stadtverwaltung zeigte man sich am Dienstag äußerst betrübt über die Entwicklung. Erst vor knapp einer Woche habe man überhaupt von der dramatischen Notlage des Möbel-Shops erfahren, so Stadtsprecher Bernd Büttgens. Oberbürgermeister Marcel Philipp drückte sein Bedauern aus: „Das Aus ist gerade für die betroffenen Mitarbeiter mit Blick auf den Zeitpunkt so kurz vor dem Weihnachtsfest eine emotionale Kata-strophe.“ Der OB möchte nach den Feiertagen das Gespräch mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg suchen und erörtern, ob man die betroffenen Menschen unterstützen kann.

Wenige Tage zuvor hatte die Partei Die Linke bei Bekanntwerden der bedrohlichen finanziellen Schieflage OB und Städteregionsrat aufgefordert, sich für eine Weiterführung des Kaufhauses einzusetzen. Letztlich kamen alle Bemühungen zu spät.

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