Aachen: Mobility Broker: Heute mit E-Bike, morgen mit dem Bus

Aachen : Mobility Broker: Heute mit E-Bike, morgen mit dem Bus

Wer vom Aachener Hauptbahnhof zum Campus Boulevard fahren will und weder Auto noch Fahrrad besitzt, hat die Qual der Wahl. Er kann entweder in den Bus steigen, etwa in die Linie 3 oder die 13. Er kann sich ein E-Bike von Velocity ausleihen. Oder aber er greift gleich aufs Leihauto zurück.

Drei öffentlich zugängliche Verkehrsmittel, drei Anbieter, drei unterschiedliche Anmeldeverfahren und Tarife. Abhilfe im Tarif- und Plattformdschungel schafft seit dem Frühjahr der Mobility Broker. Die Web-App bündelt die regionalen Verkehrsangebote von Aseag, Velocity und Cambio Carsharing. Und nimmt ordentlich Fahrt auf.

aseagmja3 07.01.2016 ASEAG Linie 33 / 37 elektrobus. Foto: Jaspers/Schmitter/Krömer

Begonnen hat alles vor vier Jahren als Forschungsprojekt. Unter der Federführung der Aseag wurde der Mobility Broker mit den Projektpartnern Regio IT, der RWTH und den Stadtwerken Osnabrück entwickelt — und zwar mit einer satten Finanzspritze von rund vier Millionen Euro durch das Bundeswirtschaftsministerium. „Ziel des Projekts war es, einen digitalen Marktplatz der Mobilität zu schaffen“, erklärt Anne Körfer, die bei der Aseag für die Vermarktung der App verantwortlich ist.

mobimja2 17.10.2017 Mobility Broker. Foto: Jaspers/Schmitter/Krömer

Konkret sieht dieser digitale Marktplatz folgendermaßen aus: Die Nutzer registrieren sich einmalig beim Mobility Broker und können fortan sämtliche Angebote von Aseag, Velocity und Cambio Carsharing nutzen. Ob es nun mit dem Bus zur Arbeit, mit dem E-Bike zum Essen ins Pontviertel oder mit dem Leihwagen zum Großeinkauf geht — am Ende des Monats gibt es eine einzige Rechnung, gebucht und abgerechnet wird über eine einzige Plattform.

Mobilitätsprofil nach dem Baukastenprinzip: Mit dem Mobility Broker können Nutzer flexibel zwischen Bus, E-Auto, Leihwagen und E-Bike wählen und so möglichst emissionsfrei unterwegs sein. Foto: Jaspers/Schmitter/Krömer

Klingt einfach, ist aber laut Anne Körfer mit viel Forschungs- und Programmierarbeit verbunden. Die Ergebnisse des aufwendigen Projektes wurden im Juni vergangenen Jahres präsentiert. Eine Phase mit 50 Testnutzern fand vergangenen Februar ihren Abschluss. Seit März kann theoretisch jeder Aachener sein eigenes Mobilitätsprofil nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

v.l. Birgit Brand und Anne Körfer. Foto: Jaspers/Schmitter/Krömer

Hintergrund dieses Prinzips ist ein verändertes Mobilitätsverhalten. Für statusbewusste Autobesitzer sei die Entwicklung vielleicht schwer nachzuvollziehen. Doch gerade bei jungen Menschen verliere das eigene Auto zunehmend an Bedeutung, sagt Birgit Brand, Projektleiterin des Mobility Brokers. „Junge Menschen wollen zwar ab und zu ein Auto haben, aber ihnen ist es nicht wichtig, eins zu besitzen.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wer sich selbst kein E-Bike oder Elektroauto leisten kann, aber dennoch möglichst emissionsfrei unterwegs sein will, hat mit dem Mobility Broker eine passende Plattform gefunden. „Es geht uns natürlich auch um das Thema Luftreinhaltung“, betont Körfer. Wer nun also vom Hauptbahnhof zum Campus-Boulevard fahren will, muss in der Web-App lediglich Start- und Zielpunkt eingeben. Die App spuckt dann mögliche Verkehrsverbindungen mit den unterschiedlichen Verkehrsmitteln aus — ob nun elektrisch oder fossil betrieben, Tarife und Fahrtzeit inklusive.

Aktuell zählt die Plattform rund 1000 registrierte Nutzer. Kommenden Monat dürfte die Anzahl nochmal deutlich steigen. Dann nämlich gehört nicht nur die Stadtverwaltung, die immerhin rund 4800 Mitarbeiter zählt, zu den Nutzern des Mobility Brokers. Auch 15.000 Abonnenten der Aseag sollen sich ab Mitte November über die App für Car- und Bikesharing-Angebote registrieren können.

Die hohe Anzahl an potenziellen Nutzern stellt die Macher der Mobilitätsapp aber auch vor Herausforderungen. Denn: Das E-Bike oder das Carsharing-Auto muss ja auch zur Verfügung stehen, wenn die Nutzer es brauchen. Bislang sind 70 E-Bikes von Velocity und rund 150 Cambio-Fahrzeuge auf Aachens Straßen unterwegs. Bei potenziell 15.000 neuen Nutzern dürfte das eng werden an den Cambio- und Velocity-Stationen. Für Birgit Brand ist klar: „Die Verfügbarkeit der Verkehrsmittel ist unglaublich wichtig.“ Doch der Mobility Broker sei noch kein fertiges System, sondern müsse ständig weiterentwickelt werden. Ebenso wie die vernetzten regionalen Verkehrsanbieter selbst.

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