Aachen: Mobbing: Worte, die verletzen wie Prügel

Aachen: Mobbing: Worte, die verletzen wie Prügel

Klasse 8b einer Berliner Schule. Der Schüler Matthias Erbach, von allen Matze genannt, hat sich umgebracht. Während die Schule alles tut, um den Selbstmord zu verdrängen und die Eltern in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind, herrscht eine Woche später noch immer Fassungslosigkeit unter den Mitschülern, nagt das schlechte Gewissen doch an jedem Einzelnen, der Matze kannte.

In diese Situation gerät der neue Schüler Sven — und das Schicksal des toten Mitschülers droht sich zu wiederholen. Ermittlungen setzen ein und auf der Suche nach Motiven geraten vier Jugendliche — Lucky, Minnie, Sven und Lana — in einen exemplarischen Konflikt und einige Gewaltsituationen.

Das Stück „Eins auf die Fresse“ von Rainer Hachfeld, welches die Zehntklässler der Theatergruppe der Maria-Montessori-Gesamtschule auf die Bühne bringen, widmet sich realitätsgetreu dem brisanten Thema „Gewalt und Mobbing auf dem Schulhof“ und familiären und schulischen Hintergründen. „Das Schöne an dem Stück ist, dass das Thema Mobbing nicht klischeehaft abgezogen wird“, erklärt der Spiel- und Projektleiter der Gruppe, Dietrich Hofmann, „vielmehr wird letztendlich klar, dass jeder gleichermaßen in der Verantwortung steht und eine Teilschuld trägt: Eltern, Lehrer, Klassenkameraden, bestimmte Schüler — einzelne Verantwortliche gibt es nicht.“

Dieser Aspekt gefällt auch Anna Colve, die in der Bühnen-Gruppe arbeitet, besonders gut: „Das Stück zeigt, dass Eltern, aber auch Lehrer und Mitschüler eine große Verantwortung für die Entwicklung der Kinder tragen.“ Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Theatergruppe sind sicher: „Mobbing kommt an Schulen leider sehr häufig vor. Deswegen ist es gerade für Schüler in unserem Alter gut, mal zu sehen, was das für Wirkungen mit sich bringen kann“, meint Karima Bja aus der Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit.

Das Theaterprojekt, welches in dieser Form vor acht Jahren an der Gesamtschule etabliert worden ist, richtet sich alljährlich an die sechs Klassen der 10. Jahrgangsstufe und steht unter der Leitung von Anja Setzten (Kostüm), Christian Kayser (Bühne, Requisite) und Dietrich Hofmann (Regie). Im Rahmen der „Freien Wahl der Arbeit“ der Schule werden jedes Jahr Castings veranstaltet.

Das beschränkt sich nicht nur auf das Schauspiel, vielmehr werden sämtliche Arbeiten einer Theaterinszenierung von den — in diesem Jahr 27 — Schülerinnen und Schülern ausgeführt: Schauspiel, musikalische Begleitung, Regieassistenz, Bühnenbau, Bühnentechnik, Tontechnik, Kostüme, Requisite, Maske, Video/Film und Öffentlichkeitsarbeit. Und das habe neben einer Menge Spaß auch einen pädagogischen Hintergrund, erzählt Anja Setzten: „Es kann nur gelingen kann, wenn jeder Einzelne seine Aufgaben gewissenhaft erledigt. Bei uns sind alle gleichrangig und am Ende kann jeder super stolz sein.“

Die abwechslungsreiche Auswahl der Stücke erfolgt ebenfalls durch die Projektleiter. Nach einem Jahr intensiver Probenarbeit, die nicht nur mit zwei festen Stunden im Stundenplan verankert ist, sondern ebenso viele Feiertage, Abende und Wochenenden in Anspruch nimmt, wird das alljährliche Theaterprojekt am Ende des Schuljahres aufgeführt. In diesem Jahr schafften es die Zehntklässler, die Jury des Theaterfestivals „Maulhelden“ zu überzeugen, so dass sie zusätzlich zu den drei schulinternen Aufführungen ebenso eine verkürzte Version ihres Stücks im Ludwig Forum auf die Bühne bringen.