Aachen: „Mittendrin statt außen vor“: Kita kämpft weiter

Aachen : „Mittendrin statt außen vor“: Kita kämpft weiter

Viele Wege führen nach Rom, jedoch nur einer in das geplante „Kronprinzen-Quartier“. Aber welcher? Fest steht, dass auf dem Gelände an der Beverstraße, wo das ehemalige Finanzamt-Außenstadt beheimatet war, in den nächsten drei bis vier Jahren auf 12.000 Quadratmetern ein neues Wohngebiet entstehen soll, das sogenannte „Kronprinzen-Quartier“.

Eine tolle Sache — wäre da nicht die Außenfläche der AWO-Einrichtung Goerdelerstraße, die zum Zankapfel wurde. Die Kindertagesstätte „Mittendrin“ soll für einen Zugangsweg zum neuen Wohngebiet nämlich einen Teil ihres Geländes „eintauschen“ — gegen ein wesentlich unattraktiveres Grundstück. So ist es vom Planungsausschuss des Rates beschlossen worden. Inakzeptabel jedoch für Familien, Mitarbeiter, den Träger Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Aachen Stadt e. V. des AWO Familienzentrums „Kindertagesstätte Mittendrin“ und das Quartiersprojekt MiLe „Miteinander Leben in der Goerdelerstraße“.

Im Rahmen einer Aktionswoche wollen diese nun die Anwohner über die Nachteile dieses Bebauungsplans informieren. Noch bis zum 13. September können triftige Gründe zur Änderung des Bebauungsplans vorgebracht werden. Hierin besteht derzeitig die einzige Möglichkeit, die Pläne seitens der Stadt und des Investors, der im Herbst mit den Bauarbeiten beginnen möchte, zu ändern.

Geplant ist zudem eine groß angelegte Unterschriftaktion, die die Ablehnung gegen die derzeitig geplante Wegeführung zusätzlich dokumentieren soll. Viele Unterschriften sind bereits eingegangen, Listen liegen in den Bürgerräumen der AWO und den Geschäften im Viertel aus. „Wir sind nicht gegen den Bau des neuen Kronprinzen-Quartiers, und wir sind auch nicht gegen einen Weg, über den dieses erreichbar ist. Aber dies kann nicht auf Kosten der Kita Mittendrin und nicht auf Kosten der Kinder gehen. Zumal genügend Alternativen vorhanden sind“, so Christian Rein, dessen Tochter die Kita Mittendrin besucht.

„Keine Alternative“

Im Detail: Der Hauptteil des Kita-Außengeländes soll zugunsten eines Zugangs zum neuen Wohngebiet deutlich verkleinert werden. Auf diesem wurden erst kürzlich neue Spielgeräte aufgestellt. Als Ausgleich wird ein an das heutige Außengelände grenzendes Stück Grund zur Goerdelerstraße hin angeboten, einer viel befahrenen Verbindungsstraße zwischen Oppenhoffallee/Bismarckstraße und Adalbertsteinweg/Trierer Straße. „Dies ist für uns keine Alternative, auch wenn die Flächengröße sich nicht ändern würde“, sagt Daniela Bejan, Leiterin der Kita. „Die von der Stadt angebotene Alternativfläche befindet sich in einem toten Winkel. Die Kinder könnten nicht von den Kita-Räumen aus beaufsichtigt werden. Das würde bedeuten, dass die Kinder nicht draußen spielen könnten, wenn zu wenig Personal vorhanden wäre. Wir sind als Bewegungskindergarten zertifiziert. Wie soll das in Zukunft funktionieren?“

Die Beaufsichtigung sei bei 80 Kindern und den neu eingerichteten U3-Plätzen sowieso schon eine große Herausforderung. Eine akzeptable Lösung scheint jedoch in Sicht: die Reaktivierung und Aufwertung der bestehenden Zuwegung durch das Haus Goerdeler Straße 4, für die die Stadt laut Bejan sämtliche Nutzungsrechte besitzt. Auch die Bewohner des Objekts sowie Alexander Härter, der Inhaber selbst, sind mit dieser Lösung einverstanden. „Wir hoffen, dass die Stadt dieses Mal auf unsere Vorschläge eingeht, denn ich habe das Gefühl, dass die Belange der Kita von Anfang an nicht ausreichend in die Planung mit einbezogen wurden“, so Bejan.