Aachen: Mit viel Leben dem Thema Tod begegnen

Aachen: Mit viel Leben dem Thema Tod begegnen

In der heutigen Gesellschaft werden Menschen immer älter. Dank besserer Krankenversorgung und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird das Leben immer weiter verlängert und erhalten. Der Tod rückt damit in die Ferne — und ist inzwischen zum Tabuthema geworden.

„Wir möchten die Themen Sterben und Tod enttabuisieren. Menschen sollen und müssen sich offen mit dem eigenen Tod auseinandersetzen. Denn der Tod gehört zum Leben dazu. Deswegen sollte man auch so früh wie möglich anfangen, sich mit dem Thema zu befassen“, sagt Ulla Schmidt, ehemalige Bundesministerin für Gesundheit und Schirmherrin der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung.

Aus diesem Grund wurde eine sogenannte Trauer-AG an der Katholischen Grundschule (KGS) Michaelbergstraße ins Leben gerufen. „Die Teilnahme war völlig freiwillig. Aber letzten Endes haben von 190 Schülern der ersten bis vierten Klasse 80 teilgenommen. Von dieser Zahl waren wir positiv überrascht“, sagt Schulleiterin Gisela Boing. Unterstützt von Experten und Pädagogen wurde offen über Tod, Sterben und Trauer gesprochen. „Die Kinder haben sich sehr intensiv und offen damit auseinandergesetzt. Natürlich wollen viele Eltern ihre Kinder vor dem Kontakt mit dem Tod schützen, aber das geht nicht. Kinder haben so viele Fragen und die müssen auf eine vernünftige Art und Weise beantwortet werden“, sagt Boing.

Einer, der den Kindern mit Rat und Tat zur Seite stand, war Björn Clahsen vom Hospiz in Erkelenz: „Teilweise war es schon überraschend, wie sehr Kinder schon mit dem Thema Tod in Kontakt getreten sind. Vor allem die Schüler der dritten und vierten Klassen konnten schon tolle Transferleistungen vollziehen und haben sich ausgesprochen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.“ Die Resonanz war bei allen Beteiligten — auch und besonders bei den Eltern — äußerst positiv. Die KGS Michaelbergstraße will die AG nun in das Schulprogramm aufnehmen und erneut anbieten. Man wolle auch andere Schulen inspirieren und ermutigen, offen die wichtigen Themen Tod und Trauer mit den Schülern anzusprechen.

„Wie nah Tod und Leben beieinanderliegen, sehen wir auch an unserer Zirkusaktion. Nach dem Abschluss der Trauer-AG werden unsere Schüler zwei Zirkusvorstellungen zeigen. Das gesammelte Geld fließt zur einen Hälfte in schulinterne Projekte und geht zur anderen Hälfte in den Bau des geplanten Hospiz in der alten Itertalklinik“, sagt Gisela Boing. Und es ist Geld, über das sich die Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung sehr freut. Denn noch fehlt eine Million Euro. „Damit wir das Geld zusammenbekommen, müsste jeder Bewohner der Städteregion Aachen nur zwei Euro spenden“, sagt Ulla Schmidt.

Die Zirkusvorstellungen der KGS Michaelsbergstraße finden am Freitag, 27. Juni, um 15 und 18 Uhr im Zelt an den Burtscheider Kurparkterrassen statt. Der Eintritt kostet drei Euro für Kinder und sechs Euro für Erwachsene. Außerdem findet am selben Ort zwei Tage vorher eine Theatervorstellung statt, Eintritt zwei Euro.