Mit Video: Die Innenstadt in Aachen versinkt in Wassermassen

Unwetter : Die Aachener Innenstadt versinkt in Wassermassen

Erst als der Himmel gegen 14.45 Uhr tiefdunkel wurde, dämmerte den Aachenern, welche Dimension Unwetter da auf sie zu kam. Eine runde halbe Stunde prasselten Hagel und Regen bei Sturmböen — alles extrem auf die Innenstadt begrenzt — herunter. Dazu zuckten Blitze. Als der donnernde Niederschlag nachließ, setzten ungezählte Martinshörner ein.

Rettungskräfte und Polizei hatten bis in den Abend alle Hände voll zu tun. Verletzt wurde offenbar niemand. Der Sachschaden indes ist noch nicht zu beziffern.

An manchen Stellen Aachens boten sich Bewohnern und Feuerwehr Bilder, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt: Überschwemmungsgebiete, in denen Mülltonnen, Dixie-Klos und auch Fahrzeuge schwammen. Land unter. So war der Kaiserplatz zeitweise stark überflutet, vor dem riesigen Einkaufszentrum Aquis Plaza wateten Passanten durchs knietiefe Wasser. Hier liegt mit 159 Metern über dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der Aachener Innenstadt; der Marktplatz liegt auf 174 Metern.

Geschäfte liefen voll, Einkaufspassagen wurde evakuiert. In der Adalbertstraße liefen zig Keller voll. „Das ist eine absolute Katastrophe“, sagte ein Hauseigentümer. Betroffen war dabei auch ein Keller, in dem eine Trafostation der Stawag untergebracht ist: Dort sorgte eindringendes Wasser für einen Kurzschluss, der in der näheren Umgebung etliche Stromausfälle verursachte.

So waren der Bereich Kaiserplatz bis hinauf zur Aretzstraße und Teile der Adalbertstraße für die Dauer von etwa 30 Minuten ohne Strom. Am späten Nachmittag waren laut Stawag-Sprecherin Angeli Bhattacharyya alle Schäden behoben.

Im Apag-Parkhaus Couven-straße am Bushof kamen derweil unwetterbedingt Teile der Decke herunter. Wie Apag-Sprecher Paul Heesel bestätigte, lösten sich im Fahrbahnbereich von Deck D etwa 20 bis 30 Hartfaserplatten und stürzten auf den Boden. Verletzt wurde laut Apag niemand, Autos wurden nach bisherigen Erkenntnissen nicht beschädigt.

Die Ursache war auch hier der heftige Regen: Laut Heesel konnten die Abwasserleitungen die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und liefen über, wodurch sich die Platten mit Wasser vollsaugten und lösten. Die Zufahrt zum Parkhaus war zeitweise gesperrt.

Auch in Burtscheid und anderen Teilen der Stadt kam es zu teils heftigen Überschwemmungen. Die Hotmannspief an der Sandkaulstraße stand knietief unter Wasser. Erst als Passanten und benachbarte Geschäftsleute auf eigene Faust die Gullydeckel entfernten, floss das Wasser ab. Die Polizei hatte die geflutete Kreuzung derweil gesperrt. Anderswo — etwa am Kugelbrunnen — entstand durch den Starkregen im unterirdischen Abwasserkanalsystem derart hoher Druck, dass Kanaldeckel aus Abflussschächten gepresst wurden.

Dort sprudelte das Wasser teils in Fontänen aus dem Boden. Die Feuerwehr wurde binnen kurzer Zeit zu mehr als 400 Einsätzen alleine im Stadtgebiet gerufen. Um 20 Uhr waren davon nach Auskunft der Feuerwehr noch rund 70 unbearbeitet. „Wir rechnen damit, dass wir noch bis in die Nacht, vielleicht sogar bis in den Morgen beschäftigt sein werden“, hieß es dazu seitens der Leitstelle.

Die Einsätze konnten auch deshalb nur mühsam abgearbeitet werden, weil auch die Rettungskräfte immer wieder im Stau feststeckten. Der Adalbertsteinweg erwies sich von der Wache Stolberger Straße aus als Nadelöhr, weil uneinsichtige Autofahrer trotz Staus immer wieder in die ohnehin schon blockierten Kreuzungsbereiche vorzogen und so das Verkehrschaos noch verschlimmerten.

Bei den Einsätzen handelte es sich vor allem um überschwemmte Straßen sowie um vollgelaufene Keller und auch Tiefgaragen. Ein Feuer im Alten Posthof musste gelöscht werden, an mehreren Stellen der City — unter anderem in Gebäuden am Elisenbrunnen — mussten Personen aus steckengebliebenen Aufzügen befreit werden. In der Tiefgarage an der Oligsbendengasse wurde zeitweise eine Person vermisst, konnte aber unversehrt gefunden werden.

Parkhaus im Aquis Plaza läuft voll

Gesperrt wurde die Zu- und Ausfahrt des Parkhauses im Einkaufszentrums Aquis Plaza, die mit Wasser vollgelaufen war. Der Wasserpegel stieg dort auf 1,50 Meter, das technische Hilfswerk pumpte stundenlang Wasser ab. Die Aachener Feuerwehr war mit rund 260 Kräften im Einsatz. Die Freiwillige Feuerwehr unterstützte die Berufsfeuerwehr nach Kräften mit Material und Personal.Hilfe wurde auch aus Stolberg, Eschweiler, Herzogenrath, Würselen, Baesweiler und Alsdorf angefordert. Vielerorts kam es wegen der Arbeiten bis in den späten Abend zu Verkehrsbehinderungen.

„50 bis 60 Liter Regen innerhalb von 30 Minuten, das ist ungefähr so viel, wie normalerweise innerhalb eines Monats fällt“, sagt Willy Küches, Hobby-Meteorologe aus Aachen-Brand. Er hat das Unwetter von seiner Wetterstation aus im Aachener Süden beobachtet und konstatiert: „Das Wetter ist für diese Jahreszeit nicht normal.“ Gegen Mittag habe sich abgezeichnet, dass das Unwetter in der Städteregion heftiger werden würde. „Wirklich betroffen waren dann aber nur Aachen und Monschau in der Eifel“, so Küches. Andere Teile der Städteregion hätten von dem Unwetter schon fast nichts mehr mitbekommen.

In den kommenden Tagen werde die schwüle, heiße Luft anhalten, genauso wie die Gewittergefahr, sagt Küches. Erst ab der kommenden Woche, so prognostiziert der Experte, werde die Gewitterneigung abnehmen.