Aachen: Mit vereinten Kräften ganz hoch hinaus

Aachen: Mit vereinten Kräften ganz hoch hinaus

Stolz führt Susanne Hilgers, die Mitinhaberin der Kletteraixperten GmbH, die jungen Männer durch „die halle“. Das neue Trendsportzentrum in Aachen-Nord wurde vor kurzem eröffnet. Im Rahmen einer Kooperation mit den Kletteraixperten haben insgesamt 15 Flüchtlinge von der „low-tec“ am Bau des Trendsportzentrums aktiv mitgewirkt.

Im Prozess „Soziale Stadt“ sei der Wunsch nach einer neuen Trendsporthalle schon vor längerer Zeit aufgekommen, erklärt Hilgers, dieser konnte jedoch nicht verwirklicht werden. Trotzdem sei bei dieser Gelegenheit der später bedeutsame Kontakt zu Michael Omsels von der „low-tec“ geknüpft worden. Die „low-tec“ — gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren — kümmert sich seit vielen Jahren unter anderem um die Qualifizierung und Integration von Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind.

Dicker Gutschein zum Dank

In der Werkstatt schufen die 15 Flüchtlinge verschiedene Metallarbeiten, die nun fest in das Gebäude integriert sind. Hilgers macht an allen Stellen halt, an deren Konstruktion die jungen Männer maßgeblich beteiligt waren. Dazu zählen beispielsweise ein Klimmzuggerät, eine der Türen, eine Treppe und die Tische und Stühle im Eingangsbereich. Begeistert von dem erfolgreichen Projekt, hat das Ehepaar Hilgers der „low-tec“ einen Gutschein über 4444 Euro zur Nutzung der verschiedenen Freizeitangebote von den „Kletter-aixperten“ ausgestellt. Dazu zählen die Moove Boulderhalle, der Kletterwald Aachen und natürlich „die halle“.

„Wir wollen dadurch zur weiteren Integration der Flüchtlinge noch über diese Zusammenarbeit hinaus beitragen“, sagt Hilgers. Michael Omsels pflichtet ihr bei: „Den jungen Männern ist der deutsche Sport — zum Beispiel innerhalb eines Vereins — vollkommen fremd. Sie mit unseren verschiedenen Freizeitaktivitäten besser vertraut zu machen, ist ein wichtiger Schritt in ihrer Aufnahme in unsere Gesellschaft.“

Zwar habe es zu Beginn des Projekts einige Kommunikationsschwierigkeiten gegeben, die Flüchtlinge müssen die deutsche Sprache schließlich erst noch richtig lernen. „Die Teilnehmer haben trotzdem eine extrem hohe Arbeits- und Lernbereitschaft an den Tag gelegt“, beschreibt Hilgers.

Unterwegs im alten Metier

Ihre Begeisterung spiegelt sich im Verhalten der Flüchtlinge wider. Während der Führung durch die Sporthalle hebt einer der jungen Männer neben Hilgers eine Hand voll Sand vom Boden auf und fragt sie wissbegierig: „Wie heißt das?“

Bilal Khan Yusufzai kommt aus Pakistan und ist seit zwei Jahren in Deutschland. „Mir hat die handwerkliche Arbeit sehr gut gefallen. In meiner Heimat habe ich auch schon als Elektrotechniker gearbeitet“, erklärt er in klar verständlichem Deutsch. „Außerdem hat sich bei dem Projekt meine Aussprache deutlich verbessert.“

Efrem Kidanz fand besonders das Schleifen von Metall und Holz in der Werkstatt interessant. Er ist seit dreieinhalb Jahren in Deutschland und kommt ursprünglich aus dem Staat Eritrea. „Ich habe mein Heimatland verlassen, weil dort eine Diktatur herrscht“, sagt Efrem. „In Deutschland fühle ich mich sicherer, weil ich hier arbeiten kann.“

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