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Tierpaten im Tierheim: Mit Tischa auf Tour

Tierpaten im Tierheim : Mit Tischa auf Tour

Hündin Tischa wartet auf eine neues Zuhause

Das Aachener Tierheim sucht Tierpatinnen und -paten, die die Hunde ausführen oder mit den Katzen kuscheln. Die Studentin Kim Sobeloff ist seit zweieinhalb Jahren regelmäig als Tierpatin im Einsatz und genießt die Ausflüge mit den Hunden.

Bei dem Wetter will Tischa eigentlich nicht vor die Tür. Regen mag die siebenjährige Hündin, ein American Staffordshire-Mix, nämlich überhaupt nicht. Kim Sobeloff nimmt Tischa dennoch an die Leine und legt ihr den Maulborb an. Als der Regen nachlässt, ziehen die beiden los. Die Studentin ist Tierpatin im Aachener Tierheim. Regelmäßig führt die 23-Jährige dort Hunde aus. „Ich finde Tiere toll und bin gerne draußen“, sagt sie. „Bei den Spaziergängen kann man sich selbst auslüften und tut dem Hund etwas Gutes.“ Wenn sie es einrichten kann, ist sie sogar zweimal am Tag mit Vierbeinern unterwegs.

Wie Kim Sobeloff engagieren sich zahlreiche Frauen und Männer ehrenamtlich im Tierheim im Feldchen. Sie führen Hunde aus oder verteilen als „Katzenkuschler“ Streicheleinheiten in einem der Katzenhäuser. Nicole Uhlein schätzt den Einsatz der Paten sehr. Sie kam selbst als Patin zum Tierschutzverein. Seit Oktober ist sie zweite Vorsitzende und betreut das Patenschaftsprogramm. Ihren „Patenhund“, einen Rottweiler namens Herr Otto, hat sie längst adoptiert.

Manche Paten, erzählt Uhlein, können berufsbedingt nur unregelmäßig oder eher selten einen Besuch im Tierheim einrichten. „Aber wir haben viele Studenten hier, die regelmäßig kommen. Und es gibt Menschen, die hier ihre Rentenauszeit genießen.“ Für die Tiere ist das ein Segen. „Unser Ziel ist es, dass jeder Hund einmal am Tag rauskommt“, erläutert Uhlein. Hunde, die stubenrein sind, müssen sogar zweimal am Tag vor die Tür, damit sie ihr Geschäft erledigen können.

Streicheleinheiten für Tischa: Nicole Uhlein (links), zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins, kümmert sich um das Patenprogramm des Tierheims. Kim Sobeloff ist seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich im Einsatz.
Streicheleinheiten für Tischa: Nicole Uhlein (links), zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins, kümmert sich um das Patenprogramm des Tierheims. Kim Sobeloff ist seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich im Einsatz. Foto: Harald Krömer

Wer Hundepate oder -patin werden möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Erfahrung mit Hunden ist wünschenswert, aber keine Bedingung. Vor dem ersten Spaziergang absolvieren alle Paten ohnehin eine Schulung. Da lernen sie zum Beispiel, dass der Hund immer an der Leine gehen muss. Und dass Begegnungen mit anderen Vierbeinern und deren Menschen zu meiden sind. „Sicherheit geht immer vor“, betont Nicole Uhlein. Bei den ersten Spaziergängen der Neulinge ist auch immer ein erfahrener Gassigeher mit dabei.

Vor allem „Kampfhunde“ im Tierheim

80 Prozent der Hunde im Tierheim sind sogenannte Listenhunde, die aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestuft werden. Der Volksmund nennt sie Kampfhunde. Die Tiere müssen per Gesetz einen Maulkorb tragen. Der Tierschutzverein lässt aber auch manch andere Hunde nur mit Maulkorb auf die Straße, zum Beispiel verhaltensauffällige Tiere. „Und wir schauen genau hin, dass Pate und Hund zusammenpassen“, sagt Uhlein. Sam zum Beispiel, ein fast neunjähriger Hovawart-Gelbbacken-Mischling, braucht eine liebevolle Begleitung, die ihm aber auch seine Grenzen zeigen kann. Sam ist Kim Sobeloff Stammhund im Patenschaftsprogramm.

 Die Hunde aus dem Tierheim sind immer mit einer roten Leine unterwegs. Nach Möglichkeit zweimal am Tag verschafft Kim Sobeloff einem von ihnen Auslauf.
Die Hunde aus dem Tierheim sind immer mit einer roten Leine unterwegs. Nach Möglichkeit zweimal am Tag verschafft Kim Sobeloff einem von ihnen Auslauf. Foto: Harald Krömer

Besonders große und kräftige Hunde schickt Nicole Uhlein nicht unbedingt mit einem zierlichen Persönchen am anderen Ende der Leine los. Auch Kim Sobeloff geht nur mit Hunden spazieren, bei denen sie sicher ist, dass sie die Tiere halten kann.

Viele Hunde landen im Tierheim-Zwinger, weil Behörden das angeordnet haben. Auch Tischa kam vergangenen Herbst durch die Verfügung einer Ordnungsbehörde zum Tierschutzverein. Die damaligen Besitzer hatten keine Genehmigung, den American Staffordshire-Mix zu halten. „Wir würden Tischa gerne vermitteln“, sagt Nicole Uhlein. „Sie ist total lieb. Den Wesenstest hat sie gerade mit Bravour bestanden.“ Aber Tischa ist nun mal ein Listenhund. Wer sie aufnehmen möchte, müsste strenge Auflagen erfüllen und deutlich mehr Hundesteuer zahlen als für einen Hund, der nicht gelistet ist. „Da sind die Chancen gering, für Tischa eine Familie zu finden“, weiß Uhlein. Umso wichtiger, dass Kim Sobeloff und die anderen Paten sich um sie kümmern.