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Aachen: Mit Reisebildern Kinder retten

Aachen : Mit Reisebildern Kinder retten

Sigrid Aletsee ist schon viel herumgekommen. Doch während andere ihre Reiseerinnerungen höchstens mit der Kamera festhalten, hat die Künstlerin Pinsel, Farbe und Papier dabei.

Und diese Utensilien benutzt sie überall auf der Welt: Buenos Aires, Wien, Schweiz, Finnland, Toscana, Provence - die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Nicht nur auf ihren Reisen hat die 77-Jährige festgestellt, dass es nicht allen Menschen auf der Welt so gut geht wie ihr. Durch ihre schwedische Freundin Susanne Wärnhjelm, die in Aachen Medizin studierte, wurde sie auf das Schicksal des vierjährigen Jungen Kwami aufmerksam.

Das Kind wurde 2005 geboren und hat eine Cerebrale Parese (Bewegungsstörung). Hinzu kam ein zu kurzes Zungenband, was die Sprachentwicklung verhindert hat.

Solche Kinder gelten auch heute noch in Ghana als Unglück. So machte Kwamis leiblicher Vater seinen schwer behinderten Sohn für seine Armut verantwortlich. Die Familie wollte ihr Kind deshalb durch Verhungern, Verdursten oder zuletzt im März durch eine Droge töten.

Doch glücklicherweise gelang es dem Heilpädagogen Cosmos Bakyem, der drei Kinder mit Susanne Wärnhjelm hat, ein Adoptionsverfahren einzuleiten.

Der gebürtige Ghanaer will möglichst schnell den kleinen Kwami zu sich und seiner Familie in die Nähe von Stockholm holen.

Aber das ist nicht ganz einfach. Neben bürokratischen Hindernissen sind auch hohe Kosten mit der Adoption verbunden. Alleine ein einfacher Flug von Schwedens Hauptstadt nach Ghana kostet schon 800 Euro.

Und genau hier will Sigrid Aletsee mit ihrer Malerei helfen. Deshalb präsentierte die reiselustige Rentnerin 30 Aquarelle in den Räumen von St. Raphael.

Doch die Rettung von Kwami soll erst der Anfang eines größeren Hilfsprojekts sein, da es in Afrika tausende Schicksale wie das des kleinen Jungen gibt.

Daher hat die 26-jährige Designerin Judith Hotes von „6grad51-Design” mit allen Beteiligten eine Webseite gestaltet, die auf die Geschichte von Kwami aufmerksam macht und als Startschuss für das von Cosmos Bakyem initiierte Hilfsprojekt „Cosmos Children” zu verstehen ist.

Das Hilfsprojekt soll behinderten Kindern in Afrika eine Perspektive bieten bzw. sie vor der Ermordung durch die eigene Familie schützen.

Und so hofft Sigrid Aletsee noch lange reisen zu können. Die Motive gehen ihr nicht aus. Schon bald wird sie wieder mit Pinsel und Farbe in Österreich unterwegs sein, um reichlich Bilder für den guten Zweck anfertigen zu können.