Auszeichnung der Bürgerstiftung: Mit Mut und Haltung die Demokratie verteidigen

Auszeichnung der Bürgerstiftung : Mit Mut und Haltung die Demokratie verteidigen

Haltung zeigen, über das nachdenken, was uns in diesem Land verbindet, und jederzeit ein klares Signal gegen Rassismus und Antisemitismus setzen: Das sind gute Voraussetzungen, um die Demokratie in Deutschland zu stärken.

Zu diesem Ergebnis kam die Bürgerstiftung Lebensraum im Gespräch mit einer ihrer Gründungsstifterinnen. Die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) unterstützt die Bürgerstiftung seit ihrer Gründung 2005.

Ulla Schmidt zeigte sich optimistisch mit Blick auf den Zustand der Demokratie und nannte unter anderem auch Gründe für den Erfolg der AfD in Ostdeutschland. Am Beispiel Chemnitz führte sie aus, mit welchem menschlichen und arbeitsplatzbezogenen Aderlass die Stadt nach dem Mauerfall zu kämpfen hatte. „Aber auch wenn im Osten zum Teil 12 Prozent der Wähler die AFD wählen, ist die große Mehrheit eben doch anderer Meinung“, betonte sie. Im Gespräch zu bleiben sei von entscheidender Bedeutung im Umgang mit Rechtspopulisten. Im Rechtsterrorismus dagegen sieht sie eine große Gefahr. „Und den hat es auch schon zu Zeiten der DDR gegeben, auch wenn das Thema dort nie richtig aufgearbeitet wurde“, sagte sie.

Entscheidend sind für sie die Haltung und der Umgang der Menschen untereinander. Hasstiraden, mangelnder Respekt und die zunehmende Verrohung im Internet halten Ulla Schmidt und die Vertreter der Bürgerstiftung gleichermaßen für bedenklich. Die Ursachen sieht Schmidt in der Anonymität des Netzes. „Auch mit Pegida sind die Hemmschwellen weiter gesunken und Antisemitismus sowie Rassismus verbreiten sich“, stellte sie fest.

„Das tut man nicht“ oder „Das geht nicht“ seien Sätze, die gerade heute wieder von Bedeutung sein sollten, auch wenn sie ein bisschen altmodisch wirkten, sagte sie. Der Mut, die eigene Meinung auch in schwierigen Situationen kundzutun, seien essentiell, um die Demokratie zu verteidigen. „Demokratie ist nicht geschenkt“, zitierte sie ihren Parteigenossen Franz Müntefering. „Tatsächlich muss man sich immer wieder für sie einsetzen und sie stärken“, sagte sie und lobte explizit die Arbeit der Bürgerstiftung. Die setzt sich seit Beginn ihrer Gründung 2005 dafür ein, bürgerliches Engagement zu unterstützen. „Wir sind dabei aus unserer Blase noch nicht herausgekommen“, sagte Vorstand Norbert Greuel mit Bedauern. Demnach stammen die Unterstützer meist aus dem linksliberalen Raum.

Die Bürgerstiftung wurde im vergangenen Juni mit dem Stifterpreis 2019 ausgezeichnet: Das ist die höchste Auszeichnung im Stiftungswesen für bürgerschaftlichen Engagement. Als Gründungsstifter nahmen Ulla Schmidt, Manfred Kutsch, Herbert Taudien und Dr. Richard Schieferdecker im Rahmen des Demokratiegespräches ihre Urkunden entgegen.

Trotz aller spürbarer Sorgen zeigte sich die Gesprächsrunde mit Blick auf die Demokratie und ihrem aktuellen Befinden durchaus optimistisch. Und um sie zu stärken, will die Bürgerstiftung auch weiter aktiv sein. Laut Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Geupel sucht die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen nach wie vor Unterstützer, Kooperationspartner und vor allem auch Ideengeber für neue Projekte.

www.buergerstiftung-aachen.de