Aachen: Mit Liedern begeistern und gleichzeitig helfen

Aachen: Mit Liedern begeistern und gleichzeitig helfen

Die in Aachen wohnende Altistin Marion Eckstein weiß genau, was es bedeutet, wenn die Fluten eines Flusses ihr Bett verlassen und sich in eine Stadt ergießen. Sie stammt von der Mosel und hat dort regelmäßig Hochwasser erlebt. Überschwemmungen, die manchmal bis in die erste Etage der Wohnhäuser reichten.

Auch die Aachener Partnerstadt Naumburg wurde in diesem Jahr von einem Hochwasser heimgesucht, das massive Schäden hinterließ. Schäden, die bei weitem nicht alle über eine Versicherung abgedeckt oder durch die Hilfe der öffentlichen Hand beseitigt werden können. Für Eckstein war es daher keine Frage, zusammen mit dem Pianisten Herbert Görtz ein Benefizkonzert zu gestalten, mit dem der Rotary Club Aachen-Nordkreis den Hochwasseropfern beispringen will.

Eine Benefizveranstaltung entzieht sich normaler Weise eine kritischen Betrachtung, denn nicht die künstlerische Leistung sollte im Vordergrund stehen, sondern die Hilfsbereitschaft und der gute Zweck.

Wenn aber eine Matinee von so überragender Qualität ist, wie das Konzert von Eckstein und Görtz im Saal der Hochschule für Tanz und Musik, dann sollte ein solcher Morgen seine Würdigung auch in künstlerischer Sicht erfahren. Die fünf Wesendonck-Lieder sowie Lieder von Gustav und Alma Mahler hatte das Duo für das hilfsbereite Publikum ausgesucht. Zum besseren Verständnis erläuterte Thomas Basten den Zuhörern die teilweise recht komplizierten Eheverhältnisse der Wagners und der Mahlers. Görtz zitierte zwischen den Liedern aus Briefen von Richard Wagner und Gustav Mahler.

Egal, ob es nun „Stehe still“ oder „Schmerzen“ aus der Wagnerschen Feder war, das „Rheinlegendchen“ von Gustav oder „Die stille Stadt“ von Alma Wagner. Eckstein traf bei jedem Lied genau den Ton, den die Inhalte forderten. Hier leise und tiefgründig, dort dominant, mit großer Energie und immer mit einer bewundernswerten Aussagekraft. Dies musste man umso mehr würdigen, wenn man wusste, dass Eckstein bis vor wenigen Tagen noch an einer Stimmerkrankung litt, die immer noch nicht ganz auskuriert war. Davon war kaum etwas zu hören.

Absolut verlässlich präsentierte sich Görtz als ein sehr sensibler Partner am Flügel. Souverän bot er Eckstein eine Plattform, von der aus sie sich aufschwingen konnte, die Zuhörer zu begeistern. Und wie es fast nicht anders zu erwarten war, geriet den Beiden bei aller Qualität der übrigen Lieder das berühmte „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ zu einem einsamen Höhepunkt. Mahlers Rückert-Vertonung hätte keine besseren Sachwalter haben können.

Mehr von Aachener Zeitung