Abrissreif und marode: Mit Leitplanken gegen die Absturzgefahr am Parkhaus Büchel

Abrissreif und marode : Mit Leitplanken gegen die Absturzgefahr am Parkhaus Büchel

Es geht bergab. Wer beim Einparken im Büchel-Parkhaus mit seiner Karosse die kaum zehn Zentimeter dicke, hüfthohe Außenmauer touchiert, muss damit rechnen, dass die ganze Wand herunterfällt. Und schlimmstenfalls das Auto inklusive Insassen hinterher.

Auch wenn das Parkhaus längst abrissreif ist: Das will die städtische Parkhausgesellschaft Apag natürlich verhindern. Vor allem aus Sicherheitsgründen. „Jüngste Prüfungen haben ergeben, dass die Außenmauern nur noch eine sogenannte Anfahrlast von unter einer Tonne aushalten.Aus Bestandschutzgründen würde uns eine Tonne reichen, auch wenn heutzutage natürlich höhere Anfahrlasten Standard sind — nämlich vier Tonnen“, rechnet Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski vor.

So oder so muss also reagiert werden. Schon ein VW Golf bringt knapp zwei Tonnen Gewicht auf die Waage. Was in der statistischen Berechnung dazu führte, dass wegen durchgerosteter Armierungen im Betonboden im Büchel-Parkhaus nur noch 356 von 456 Parkbuchten bestückt werden dürfen. Rollt so ein Auto — oder ein in der Regel über drei Tonnen schwerer Geländewagen — gegen die altersschwache Betonbrüstung (oder gegen noch schwächere Metallgitter), ist der Absturz programmiert.

Bereiche gesperrt

„Derzeit sind die betroffenen Bereiche gesperrt. In den kommenden Wochen lassen wir nun entlang der betroffenen Etagen Leitplanken im Boden verankern, die für Sicherheit sorgen werden“, kündigt Sliwinski an. Rund 50.000 Euro Kosten sind dafür veranschlagt. Was trotz des seit Jahren anvisierten Komplettabrisses des maroden Parkhauses alternativlos ist.

Verkehrssicherung und Reparaturen mit Augenmaß: Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski. Foto: Harald Krömer

Denn ab dem kommenden Februar muss das Parkhaus an der Mostardstraße mit 370 Parkplätzen für Kurzparker und 70 Dauerparkern zur Generalsanierung dicht gemacht werden. Obwohl in der Innenstadt noch die Parkhäuser an der Jesuitenstraße, an der Blondelstraße und oberhalb des Kaufhofs zur Verfügung stehen, ist das Büchel-Parkhaus der nächstgelegene Ausweichstandort für betroffene Parkplatzsucher, die etwa zum Markt möchten.

Baufällige Spiraltreppe

Abreißen will man übrigens in Kürze die baufällige Spiraltreppe vor dem Parkhaus. Sie wurde längst gesperrt, daneben steht eine provisorische Baugerüsttreppe. Diese ist nach Expertenansicht aber als Fluchtweg für Parkhausnutzer überflüssig, da andere Notausgänge kaum 50 Meter entfernt sind. Dies würde zumindest das äußere Erscheinungsbild des hässlichen Bauwerks ein wenig mildern.

Betreten verboten: Die marode Spiraltreppe soll bald abgerissen werden, das Parkhaus nocht nicht. Foto: Harald Krömer

Wirtschaftlich gilt das Parkhaus ohnehin als Goldesel. Es liegt laut Apag mit 1,4 Millionen Euro Umsatz pro Jahr (Netto-Einnahmen rund 750.000 Euro) an dritter Stelle der ertragreichsten Apag-Parkhäuser. Da am Straßenrand erstens immer mehr Parkplätze gestrichen werden und zweitens die übrigen Straßenrandparkplätze verteuert und die Parkzeiten verkürzt werden, erwarten Experten einen weiteren Zuwachs der Parkhausnutzer.

Jährlich zählt die Apag zuletzt gut drei Millionen Kurzparker in allen Häusern, davon allein in der City 1,8 Millionen. Mit einem Abriss des Parkhauses rechnet man frühestens im Laufe des Jahres 2019 — wenn die Apag-Tiefgarage an der Mostardstraße wieder geöffnet werden kann. Da man vor Jahren, als das Büchel-Parkhaus aus den Händen der Apag an private Investoren verkauft wurde, nicht damit rechnen konnte, dass sich der verabredete Abriss weiterhin viele Jahre hinzieht, wurde vereinbart, dass der Pächter — und nicht wie üblich der Eigentümer — für Verkehrssicherungsmaßnahmen und Instandhaltung aufkommen muss.

Rot-weiße Warnungen: Viele Areale des Büchel-Parkhauses sind durch Barrieren oder Bänder abgesperrt. Foto: Harald Krömer

Diese Ausgaben halten sich allerdings für die Apag angesichts der Rekordeinnahmen sehr im Rahmen. Für knapp 15.000 Euro wurde vor anderthalb Jahren angestrichen, nun folgen Leitplanken und statische Reparaturen. „Wir würden es nicht machen, wenn es nicht sinnvoll wäre — und dies in jeder Hinsicht“, sagt Sliwinski.

Wie es mit der nach wie vor stockenden Überplanung und Neubebauung des gesamten Büchel-Quartiers weitergeht, ist schließlich noch immer nicht absehbar.

Auch wenn es damit zuletzt dank politischem Druck vorsichtig weiterging, bergauf...

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