Aachen: Mit Kunst leichter Grenzen überwinden

Aachen : Mit Kunst leichter Grenzen überwinden

Wo die Sprache scheitert, soll die Kunst die Grenzen zwischen verschiedenen Nationen überwinden. Das war die Idee hinter dem zweieinhalbjährigen Projekt „Meine Welt — Deine Welt — Unsere Welt“. Es ist aus einer Kooperation zwischen dem Verein KuKuK e.V., dem Zentrum für soziale Arbeit Burtscheid, der GHS Burtscheid und dem Assoziativpartner Freie Waldorfschule entstanden.

Jüngst war auf dem Gelände des Flüchtlingsheims „Wohnen Junge Flüchtlinge“, Karl-Marx-Allee 110, die Abschlussausstellung unter dem Motto „Unser Totem“.

Naturführer und Waldpädagoge Michael Zobel hat das Projekt über den gesamten Zeitraum begleitet und erklärte die Einzelheiten. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass die eine Hälfte der Teilnehmer aus unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, kurz „UMFs“, aus „Wohnen Junge Flüchtlinge“ besteht und die andere aus Schülerinnen und Schülern der GHS Burtscheid. „Als sich dann aber doch nicht genug junge Kunstfreunde finden lassen konnten, haben wir auch noch die Waldorfschule mit einbezogen“, so Zobel. Am Ende haben sich dann doch rund 20 Jugendliche verschiedener Nationalitäten für die Aktion begeistern lassen.

In jedem der fünf Halbjahre des Projekts wurde je ein Kunst- und ein „Landart“-Workshop veranstaltet. Im Zuge der Kunstworkshops wurde das Gelände „Wohnen Junge Flüchtlinge“ mit Graffitifarben und anderen Arbeiten verschönert. Bei den „Landart“-Workshops ging es nahe der Räume des KuKuK in die freie Natur des Waldes, wo sich Michael Zobel täglich aufhält. „Die Jugendlichen sollten sich hier von ihren persönlichen Fundstücken aus der Natur künstlerisch inspirieren lassen“, beschreibt Zobel. Aktivitäten wie ein Lagerfeuer machen und Grillen waren ebenfalls Teil der Ausflüge in den Wald. Ein besonders prägendes Erlebnis sei zudem der Besuch der nahen Grenze zu Belgien gewesen, die die meisten teilnehmenden Geflüchteten nicht überqueren dürfen. „So bekommt man doch nochmal einen völlig neuen Eindruck im Hinblick auf den Begriff Freiheit“.

Die 18-jährige Nathera Almbasbes von der GHS hat im Laufe des Projekts ein besonders schönes und auffälliges Kunstwerk geschaffen. Aus im Wald gesammelten Tannenzweigen und passend geformten Ästen hat sie einen Pfau gebastelt, dessen Gefieder vor bunten Graffitifarben leuchtet. Nathera kommt ursprünglich aus Syrien und ist seit drei Jahren in Deutschland. „Das Kunstprojekt hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie begeistert. „Ich habe sehr viele neue Leute kennengelernt. Es hätte ruhig noch etwas länger dauern können.“

Für die letzte Ausstellung am Ende des Projekts hatten die Jugendlichen in harter Schnitzarbeit zwei über vier Meter große Baumstämme in kunstvoll gestaltete Totempfähle verwandelt. Neben diesen besonders aufwändigen Arbeiten wurden unter anderem kleinere Totems aus Ton und anderen Materialien, Malereien und Fotografien ausgestellt. Elke Kohlraute, Leiterin des Projekts, ist sehr zufrieden mit den vielseitigen Ergebnissen.

„Ein wichtiges Ziel war vor allen Dingen, dass sich die Jugendlichen ohne große Worte kennenlernen können“, erklärt sie. „Durch die verschiedenen Sprachen gibt es natürlich nach wie vor Verständigungsprobleme“. Ganz im Sinne des Projektmottos konnten die Jugendlichen also allen anderen ihre eigene persönliche Welt zeigen, um dann zusammen eine ganz neue, gemeinsame Welt zu erschaffen.