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Neue App für Klimafreundlichkeit: Mit der „aachen.move“-App Kohlendioxid einsparen und Prämien sammeln

Neue App für Klimafreundlichkeit : Mit der „aachen.move“-App Kohlendioxid einsparen und Prämien sammeln

Mit einer neuen App will die Stadt Aachen einen Anreiz für klimafreundliche Mobilität schaffen. Wer das Auto stehen lässt, wird belohnt – mit digitalen „Klimatalern“ und analogen Prämien.

Ein Etappenziel ist schon mal erreicht. „Wir haben Bielefeld überholt“, sagt Kay Oebels. „Bielefeld überholen“ – das sei in den zurückliegenden Wochen innerhalb der Verwaltung durchaus zum geflügelten Wort geworden, sagt Oebels, Mitarbeiter im städtischen Fachbereich Stadtentwicklung, -planung und Mobilitätsinfrastruktur. Zumindest unter den Kolleginnen und Kollegen, die die neue App „aachen.move“ auf ihrem Smartphone installiert haben.

Mit dieser App will die Stadt Aachen einen Anreiz für klimafreundliche Mobilität schaffen. Das Prinzip ist simpel: Wenn es für den Einzelnen von Vorteil ist, das Auto stehen zu lassen und stattdessen mit dem Fahrrad oder dem Bus zu fahren, dann werden langfristig auch weniger Strecken mit dem Pkw zurückgelegt. „Wir möchten eine nachhaltige, klimagerechte Mobilität belohnen“, sagt Oebels. Und zwar nicht nur mit dem sprichwörtlichen guten Gewissen, sondern ganz konkret. Zum Beispiel mit Rabatten, einem Gratis-Kaffee oder anderen Prämien.

Die neue „aachen.move“-App macht’s möglich. Sie erfasst automatisch, welche Wegstrecken die Nutzerinnen und Nutzer zurücklegen, und weist diese dem jeweiligen Fortbewegungsmittel zu. Wer zu Fuß geht, mit dem Bus fährt oder sich auf das Fahrrad schwingt, kann sogenannte Klimataler verdienen. Ein Klimataler steht dabei für fünf Kilogramm eingespartes Kohlenstoffdioxid – CO2, das also emittiert worden wäre, wenn man dieselbe Strecke mit dem Auto zurückgelegt hätte.

Diese Klimataler sind in der digitalen App nicht nur schön anzusehen, sondern können ganz analog gegen Prämien eingelöst werden. Knapp unter 50 Angebote seien aktuell im in der App integrierten „Marktplatz“ vorhanden, sagt Kay Oebels. Für zwei Klimataler gibt es zum Beispiel eine kostenlose Hausführung durch das Stadttheater. Alternativ erhalten Nutzerinnen und Nutzer für dieselbe „Währung“ freien Eintritt für zwei Personen im Centre Charlemagne, im Couven Museum oder im Internationalen Zeitungsmuseum. Auch einige lokale Cafés, Bars und Einzelhändler hat die Stadt bereits als Partner gewinnen können. Weitere seien herzlich willkommen, sagt Koordinator Oebels.

In den gängigen App-Stores gibt es die „aachen.move“-App schon seit Anfang Juni. In den ersten Wochen haben vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung die App getestet. Die ersten „Kinderkrankheiten“ habe man so bereits beheben können, sagt Oebels. Jetzt geht die Stadt offensiv in die Bewerbung des Angebots, das in Städten wie Münster und Bielefeld schon länger Erfolg hat.

Mit der bisherigen Resonanz – immerhin rund 2400 Downloads und etwa 1700 aktiven Nutzerinnen und Nutzern – ist die Stadt durchaus zufrieden. „Und es werden täglich mehr“, freut sich Oebels darüber, dass die App bei den Aachenerinnen und Aachenern offenbar gut ankommt.

Nicht nur die Prämien sollen einen Anreiz für eine klimafreundliche Mobilität schaffen. Frei nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist eine positive Wettkampfstimmung ausdrücklich erwünscht. Deshalb können sich die App-Nutzer Teams anschließen und so gemeinsam möglichst viel CO2 einsparen.

Ganz vorne dabei war im Monat Juli das Team Aachen-Mitte. Insgesamt 23.100 Kilogramm Kohlendioxid haben die User, die sich diesem offenen Team angeschlossenen haben, eingespart. Dafür gibt es in der App-Wertung die Goldmedaille. Silber ging an das Team Stadtverwaltung Aachen (4483 Kilogramm CO2), Platz 3 belegt Aachen-Laurensberg mit 2662 eingesparten Kilogramm CO2.

Neben den bereits existierenden Gruppen sei es grundsätzlich möglich, ein eigenes Team zu gründen, sagt Oebels. Da man vermeiden wolle, dass es zahlreiche Teams mit gerade mal drei bis vier Mitgliedern gibt, können sich Unternehmen, Institutionen und Organisationen per Mail an move-app@mail.aachen.de wenden und ein eigenes Team anfragen.

Aus eigener Erfahrung weiß Kay Oebels: Der Konkurrenzkampf um die meisten Klimataler spornt an. Wichtig sei aber, dass die Aachenerinnen und Aachener gemeinsam das Ziel verfolgen, möglichst viel CO2 einzusparen.

Im deutschlandweiten Vergleich schneidet Aachen übrigens gut ab. Seit die Kaiserstadt an Bielefeld vorbeigezogen ist, belegt sie laut offiziellem Ranking Platz 2. 40.867 Kilogramm CO2 haben die Aachenerinnen und Aachener schon eingespart. Den Spitzenplatz nimmt momentan Münster ein. Das nächste Etappenziel ist aktuell rund 4000 Kilogramm CO2 entfernt.