Mit dem Nachtzug "Nightjet" der ÖBB von Wien über Aachen nach Brüssel

Von Wien nach Brüssel : Ein „Nightjet“ macht halt am Aachener Hbf

Neustart für ein Zugangebot, das aus der Mode gekommen zu sein scheint: Ein „Nightjet“ der Östereichischen Bundesbahnen (ÖBB) macht am Montagmorgen Halt in Aachen.

Der Nachtzug mit seinen Sitz- und Liege- und Schlafwagen soll auf seinem Weg von Wien nach Brüssel um 8.36 Uhr auf Gleis 8 im Aachener Hauptbahnhof ankommen und nach einem Lokwechsel um 9 Uhr seiner Fahrt in die belgische Hauptstadt fortsetzen. Auf dem Rückweg hält er am Abend um 19.48 Uhr wieder in Aachen.

Es ist die erste Fahrt eines Nightjet auf dieser Strecke, auf der er künftig zweimal wöchentlich verkehren soll; sonntags und mittwochs von Wien nach Brüssel, montags und donnerstags zurück. Mit den Zügen, die abends starten und durch die Nacht fahren, bedienen die ÖBB Strecken in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Italien und jetzt auch in Belgien.

Nachtzugverkehr in Deutschland?

Angesichts stetig wachsender Fahrgastzahlen im Bahnverkehr wird derzeit in Deutschland über die Ausweitung des Nachtzugverkehrs diskutiert. Derzeit betreiben aber hierzulande lediglich die ÖBB ein Angebot mit Schlaf- und Liegewagen, seitdem sie vor drei Jahren das Nachtzuggeschäft der Deutschen Bahn übernommen hat und Verbindungen etwa nach Berlin, Hamburg, Zürich oder Rom anbietet. Sie erkennen dabei auch die Rabattkarten Bahncard 50 und 25 der Deutschen Bahn an.

Die ÖBB erzielen mit dem Nachtzugverkehr einen leichten Gewinn. Mit jährlich gut eineinhalb Millionen Kunden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien ist es aber noch ein Nischengeschäft - wenn auch die Fahrgastzahlen zuletzt stiegen. Bis zum Jahr 2026 soll der Nightjet-Betrieb stufenweise ausgebaut werden.

In Deutschland steht die Bundesregierung zwar einem Ausbau des Nachtzugangebots offen gegenüber - an der Finanzierung will sie sich aber nicht beteiligen. Da Nachtzüge nicht Teil des gemeinwirtschaftlichen Verkehrs seien, müssten die Unternehmen selbst über das Angebot entscheiden, „welches sie eigenwirtschaftlich verantworten“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion.

„Die Bundesregierung spricht zwar neuerdings viel vom Klimaschutz, bei den Taten allerdings sieht es mau aus“, urteilte die Linke-Abgeordnete Sabine Leidig. „Ich erwarte, dass die Koalition endlich konkrete Maßnahmen auf den Tisch legt, die Nachtreisezüge als Alternative zum Flugverkehr fördern.“

Bei der Premierenfahrt am Sonntag zwischen Wien und Brüssel wollten unter anderem ÖBB-Chef Andreas Matthä, die deutsche EU-Abgeordnete Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne) und zahlreiche EU-Parlamentarier aus Österreich teilnehmen. Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Othmar Karas (ÖVP), begrüßte die neue Zugverbindung, die den Zugang für Jugendliche nach Brüssel zu den EU-Institutionen erleichtern werde und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz leiste.

(wb/dpa)