Aachen/Würselen: Missbrauchsprozess: Ehefrau begann zu zweifeln

Aachen/Würselen: Missbrauchsprozess: Ehefrau begann zu zweifeln

Im Prozess gegen einen 33-jährigen Übersetzer aus Würselen wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung seiner Adoptivtochter und einer Freundin kündigt sich womögliche eine Wende an. Am Mittwoch sagte die Ehefrau des Angeklagten (39) vor dem Aachener Landgericht aus.

Auch sie schilderte, wie ihre Tochter nach und nach zu Hause zugegeben hatte, ihren Stiefvater falsch belastet zu haben.

Der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer, Roland Klösgen, belehrte die ebenfalls als Dolmetscherin ausgebildete Sonia G., dass sie als Ehefrau nicht vor Gericht aussagen müsse. Doch die 39-Jährige entgegnete, sie wolle mithelfen, die Sache aufzuklären.

Die heute 17-jährige, nicht leibliche Tochter des Angeklagten hatte bereits vorher im Zeugenstand begründet, warum sie bei der Aussaqe gegen den Stiefvater gelogen hatte und schließlich ihre Anzeige bei der Polizei zurückzog.

Im Jahr 2011, das bestätigte die Mutter, seien ihre Tochter und deren damalige Freundin zu ihr gekommen und hätten den Angeklagten beschuldigt, sexuelle Übergriffe an beiden Kindern verübt zu haben. Die Mutter sei empört und entsetzt gewesen und habe sich sofort zu einer Anzeige bei der Polizei entschlossen, zumal ein fremdes Kind mitbetroffen gewesen sei.

Dann aber seien ihr mit der Zeit Zweifel gekommen, berichtete sie bei der langen Befragung durch den Richter. Der hatte des öfteren Mühe, die Zeugin bei ihren Erklärungen auf das zu bringen, was für das Gericht wichtig war.

Letztlich bestätigte die Mutter, dass sich die beiden Mädchen abgesprochen hätten, den Stiefvater zu belasten. Hintergrund sei seine Absicht der Familie gewesen, nach London umzusiedeln. Dort hatten der Angeklagte und seine Ehefrau vor, als Dolmetscher und Fahrlehrer zu arbeiten. Das Mädchen hatte angegeben, damals auf keinen Fall aus Deutschland weggehen zu wollen. Später nahm die Ehefrau die Anzeige zurück, nicht aber die Freundin der Tochter.

Am Morgen berichtete bereits die Schwester des Angeklagten, dass womöglich ihr Tagebuch als Vorlage für die Anschuldigungen der Mädchen gedient haben könne. Denn die junge Frau war selbst einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen und hatte ihre Erlebnisse niedergeschrieben.

Da sie eine Zeitlang in der Familie des Angeklagten lebte, hatten die Mädchen womöglich Zugang zu den Aufzeichnungen, die sie dann als Vorlage benutzten.

Der Prozess geht am 13. September weiter.