Mietspiegel in Aachen: Gerade im unteren Preissegment wird es teurer

Wohnen in Aachen : Mietpreise klettern unablässig weiter

Die fatale Kurve zeigt weiter steil nach oben: Die Mietpreise in Aachen klettern auch im laufenden Jahr erwartungsgemäß erheblich, wie die jüngsten Umfragen zur Ermittlung des Mietspiegels 2019, basierend auf einer Auswertung von 11.752 Datensätzen, zeigen.

Dabei wird gerade erschwinglicher Wohnraum immer knapper, während sich die Schere zwischen Bedarf und Bestand immer mehr öffnet. Rund 4500 Wohnungen fehlen nach Angaben des städtischen Fachbereichs für Wohnen, Soziales und Integration aktuell, mittelfristig droht eine Lücke von rund 10.000. Und beim Dreh an der Preisschraube zählt Aachen  mit seinen rund 135.000 Haushalten derzeit zu den fünf teuersten Kommunen in der Bundesrepublik – nur in vier Städten steigen die Mietkosten schneller.

5,90 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter werden nach der jüngsten Statistik im Schnitt für Wohnungen mit einfachem Standard fällig. Im vergangenen Jahr lagen die Durchschnittskosten in dieser Kategorie noch bei 5,30 Euro. Das entspricht einer Steigerung um gut 11,3 Prozent (wobei hier jeweils nur Wohnungen mit WC und Bad/Dusche sowie Heizung berücksichtigt sind und das Baujahr nicht einbezogen ist; detaillierte Angaben zu den Baujahren finden sich in unserer Grafik).

Im mittleren Ausstattungssegment liegt der Quadratmeterpreis im Schnitt bei 7,66 Euro, 2018 lag er bei 7,10 Euro (plus 7,9 Prozent). Wohnungen mit gehobenem Standard schlagen aktuell mit 8,52 Euro zu Buche, im vergangenen Jahr betrug die Durchschnittsmiete 7,78 Euro ohne Nebenkosten pro Quadratmeter (plus 9,5 Prozent).

Steigerungen um bis zu 11,3 Prozent: Gerade im preiswerteren Segment klettern die Nettokaltmieten besonders stark weiter. Foto: Grafik

So weit, so schlecht für „Otto Normalmieter“. Und beim Blick auf die soziale Struktur der Stadt stellt sich die Entwicklung in Sachen Wohnungsmarkt mindestens ebenso besorgniserregend dar. Dies zeigt jedenfalls eine umfangreiche Studie, welche die Hans-Böckler-Stiftung und die Humboldt-Universität in Berlin im März vorgelegt haben. Im Unterschied zum kommunalen Mietspiegel wurden hierbei nicht Netto-, sondern Bruttokaltmieten in 77 Großstädten über 100.000 Einwohner unter verschiedensten Gesichtspunkten betrachtet.

Dabei zeigt sich etwa, dass nur rund 13,9 Prozent der Haushalte in Aachen weniger als sechs Euro pro Quadratmeter ohne Heizung und Warmwasser zahlen. Im Bundesschnitt liegt die Quote bei immerhin 16,3 Prozent. Sechs bis 8,50 Euro berappen rund 68,2 Prozent der Haushalte; bundesweit sind es in diesem mittleren Bereich lediglich 54,5 Prozent. In den teuersten Kategorien (ab 8,50 Euro) zählen die Statistiker für Aachen 17,8 Prozent gemessen an der Gesamtzahl der Haushalte, bezogen auf sämtliche Großstädte sind es 29,2 Prozent.

Ferner zeigt sich, dass der Anteil der Mietkosten für stattliche 46 Prozent der hiesigen Haushalte mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens beträgt, bundesweit liegt die Quote inzwischen allerdings auch bereits bei 40 Prozent. Als vertretbares Maximum wird in der Regel ein Mietkostenanteil von rund 30 Prozent am Einkommen zugrunde gelegt.

Kommt hinzu, dass zwischen Horbach und Walheim laut Wohnungsbericht fast ein Drittel, nämlich 29 Prozent der Haushalte, über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt und damit als armutsgefährdet gilt. Im Bundesschnitt liegt der Anteil hier bei lediglich 19,4 Prozent.

In der Studie ist allerdings nicht der Durchschnittswert, sondern der sogenannte Median zugrunde gelegt. Das heißt, das Gesamteinkommen aller Haushalte wird zunächst in zwei gleich große Gruppen unterteilt: solche, die über weniger als die Hälfte des Gesamteinkommens verfügen, und solche, die darüber liegen.

Mietanteil bis zu 55 Prozent

Alarmierend erscheint, dass die Quote der Kosten für die Warmmiete für Armutsgefährdete in der Studentenstadt Aachen inzwischen bei mehr als 55 Prozent des Einkommens liegt. Auffällig für die Situation in Aachen erscheint überdies, dass die weniger gut Betuchten im Schnitt mit 7,67 Euro sogar etwas mehr Bruttokaltmiete pro Quadratmeter zahlen als Besserverdienende mit 7,45 Euro. Eine Fülle von Zahlen also, welche die allgemeine Besorgnis über immer knapperen und zugleich teureren Wohnraum belegen. Was auch die Politiker zu der Erkenntnis gebracht hat, dass alle gesetzlichen Möglichkeiten ergriffen werden müssen, um noch mehr Kapazitäten in der weiter wachsenden Stadt zur Verfügung zu stellen.

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