„Hotel zu den zwei Welten“ des Blackout-Theaters: Menschen zwischen Leben und Tod

„Hotel zu den zwei Welten“ des Blackout-Theaters : Menschen zwischen Leben und Tod

Laura tanzt vor Freude. Sie ist nicht zum ersten Mal hier und kennt die Situation zwischen den zwei Welten nur zu gut. „Gesundheit ist nicht meine Stärke“, sagt sie, denn seit ihrer Kindheit ist sie herzkrank, und nun kann sie nur noch eine Herz-Transplantation retten.

Im „Hotel zu den zwei Welten“ des Blackout-Theaters treffen sich Menschen, die am Rande des Todes stehen. So wie auch der Sportjournalist und Frauenheld Julien. Er möchte nicht bleiben an diesem seltsamen Ort ohne direkten Ausgang. Nur ein Aufzug kann die Koma-Patienten wegbringen, und dabei gibt es nur zwei Richtungen: Nach oben oder nach unten, in den Tod oder zurück ins Leben.

Seit April probt das Ensemble des Blackout-Theaters die metaphysische Komödie von Eric-Emmanuel Schmitt „Hotel zu den zwei Welten“, die Menschen im Koma in den Mittelpunkt stellt. „Sie sind nicht tot, aber auch nicht bei Bewusstsein. Was mögen sie empfinden?“, lautet die Frage, um die das Stück kreist. „Das Thema scheint zwar düster, aber das Stück hat einen gewissen Witz, der ihm die Schwere nimmt“, sagt Regisseurin Karin Jager, die die Komödie gemeinsam mit Eva Eischet auf die Bühne bringt. Und auch wenn das Ensemble gleich mit einer ganzen Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen hatte und mehrere Rollen gleichsam im letzten Moment neu besetzt werden mussten, hat sich nach Meinung der Regisseurinnen letztlich alles gefunden und zu einem Ganzen gefügt.

Und nun bewegen sich die Koma-Patienten in einem Raum, der unbestimmt und diffus bleibt. Die Wartenden müssen sich im „Hotel zu den zwei Welten“ den Fragen nach ihrem bisherigen Leben stellen, und dabei fallen angesichts des drohenden Todes alle irdischen Privilegien ab. Der Aufzug und die Frage: „Nach oben oder nach unten?“ spielen die alles entscheidende Rolle. Und auch wenn das Ensemble sich wegen der unerwarteten Ausfälle noch einmal ganz neu finden musste, ist es laut Karin Jager und Eva Eischet dennoch eine harmonische Inszenierung gelungen.

Besonders schön finden sie, dass sie mit Aaron Förderer auch einen Musiker für das Stück gewinnen konnten. „Er hat eigens Musik für das ‚Hotel zu den zwei Welten‘ komponiert“, sagt Karin Jager. Und auf der Gitarre wird er sie spielen. Das Blackout-Theater ist eine freie Theatergruppe, die Theaterliebhabern die Chance bietet, auf der Bühne zu stehen. Niklas Krämer spielt den lebenshungrigen Frauenheld Julien Portal, und der Auftritt mit dem Blackout-Theater wird sein Debüt sein. „Ich wollte Theater spielen und habe mehrere Gruppen besucht. Beim Blackout-Theater hat dann auch menschlich alles gepasst“, erzählt er.

Als Julien verliebt er sich nach seinem Autounfall in die herzkranke Laura. „Denn die Liebe darf bei einem solchen Stück nicht fehlen“, sind alle gleichermaßen überzeugt.

Wer schließlich überlebt, oder wer mit dem Aufzug nach oben fährt, wird nicht bis in die letzte Einzelheit geklärt. „Es bleibt vieles offen, und der Zuschauer kann es dann für sich selbst entscheiden“, sagt Eva Eischet.

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