Aachen: Mehr U3-Plätze: Große Baustellen für die Allerkleinsten

Aachen: Mehr U3-Plätze: Große Baustellen für die Allerkleinsten

Teddys, Wachsmalstifte und Bagger — all das mussten die Mädchen und Jungen der Kita Bergstraße in Umzugskisten verstauen. Wie in vielen anderen Kindertagesstätten mussten sie vorübergehend ihre Spielräume verlassen.

Denn in Aachen werden zahlreiche Bildungseinrichtungen saniert, umgebaut, erweitert oder aus dem Nichts geschaffen. Und das aus gutem Grund: Seit Sommer 2013 können Eltern auf ihr gesetzliches Recht beharren, einen Betreuungsplatz für ihr U3-Kind zu erhalten.

Städte und Kommunen sind gefragt, den erhöhten Bedarf abzudecken, indem sie schier Platz schaffen. Außerdem müssen in den Kitas spezielle Bestimmungen erfüllt werden. Denn die Bedürfnisse der unter Dreijährigen stellen neue Anforderungen an die Betreuungsstätten. Und die Stadt begibt sich für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben auf einem ehrgeizigen Weg: Während vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegeben ist, für 35 Prozent aller U3-ler einen Platz zu schaffen, strebt Aachen weit mehr an: Eine Umfrage unter den Eltern habe nämlich ergeben, dass sich 48 Prozent für ihr Kind einen U3-Platz wünschen, erklärt Bildungsdezernentin Susanne Schwier.

Und genau deshalb sei es auch das Ziel von Bau- und Bildungsdezernat, bis 2017 eine Betreuungsquote von 50 Prozent zu erreichen. Dazu nimmt die Stadt einiges an Geld in die Hand: 20 Millionen befinden sich in dem Finanztopf der U3 -Projekte, im Rahmen derer 21 Kindertagesstätten im Stadtgebiet verändert werden, erklärt Baudezernentin Gisela Nacken. „Die Betreuungsquote in Aachen liegt derzeit bei 42 Prozent“, ergänzt Schwier. Allein zum Kindergartenjahr 2014/15 sollen 225 neue Plätze entstehen. Grund zum Verschnaufen gibt es aber für die Stadt kaum — denn noch gibt es 317 Anfragen, die nicht bedient werden können, weil keine Kapazitäten verfügbar sind, erklärt Schwier.

Und deshalb wird auch an allen Ecken und Enden gewerkelt. Insgesamt umfasst das „U3-Programm 2012-16“ vier Neubauten, drei größere Erweiterungen und kleinere Umbaumaßnahmen, erklärt Georg Ulbrich, der im städtischen Gebäudemanagement die Gesamtkoordination des Groß-Projekts übernommen hat.

Baudezernentin Gisela Nacken und Bildungsdezernentin Susanne Schwier besichtigten gestern drei Vorzeigebaustellen, um sich gemeinsam mit den jeweiligen Projektleitern vor Ort über den aktuellen Stand zu informieren.

Die innerstädtische Kindertagesstätte an der Bergstraße ist Beispiel für eine Erweiterung, denn der Altbau aus den 60ern erhält ein neues Gebäudeteil zur Straßenseite hin. Die drei dortigen Gruppen, die seit den Herbstferien in der Franzstraße Unterschlupf gefunden haben, sollen nach Fertigstellung des Neubaus um zwei weitere erweitert werden: Dadurch werden 20 zusätzliche U3 Plätze geschaffen. Rund 1,35 Millionen Euro sind für den zweigeschossigen Anbau — bei dem bisher kaum mehr als das Fundament zu sehen ist — veranschlagt.

Es entstehen neue Räume inklusive Küche, Schlafmöglichkeiten und ein Aufzug wird installiert. Letzterer ist der Stadt sehr wichtig, erklärt Schwier: „Wir wollen, dass Schulen und Kitas sukzessive barrierefrei werden.“ Im Altbau steht der Umbau und die Instandhaltung an erster Stelle. Sanierungen fielen zwar nicht unter die Finanzierung der U3-Projekte, erklärt Ulbrich, sollen aber bei allen Kita-Maßahmen nach Bedarf in einem Zug mit den Umbauten stattfinden. „Im Moment liegen wir gut in der Zeit“, so Leonidas Papadopoulos, Projektleiter an der Bergstraße. Er hoffe, die Kita im Sommer 2015 den Kinder freigeben zu können.

Inmitten riesiger Bäume des Farwickparks sollen im kommenden Frühjahr gleich zwei Kitas fusionieren: In der Passstraße 123 gab es zuletzt zwei eigenständige Betreuungseinrichtungen, darunter ein Montessori-Kindergarten, erklärt Adelheid Gründwald, stellvertretende Abteilungsleiterin für Kitas, OGS und Tagespflege. Insgesamt wird es auch hier 20 U3-Plätze geben, die auf fünf Gruppen aufgeteilt sind — darunter auch integrative Plätze. Und damit die Gruppen so schnell wie möglich den Neubau, der rund 3,1 Millionen Euro kosten wird, beziehen können, schuften die Bauarbeiter mit viel Eifer: Vormals existierten zwei Gebäude, wovon jedoch nur die im Jahr 1917 errichtete Milchstube in den neuen Entwurf integriert werden soll. Deren skelettartige Außenmauern bilden schon bald das historische Zentrum der modernisierten Kita. Auch wenn die Baustelle derzeit noch wie in den Kinderschuhen wirkt, soll die Übergabe der fertigen Einrichtung Anfang Januar 2015 geschehen, so Bauleiter Stephan Ganser zuversichtlich. Damit können planmäßig im Frühjahr 2015 die ersten Kleinkinder dort ein- und ausgehen.

Weitere Maßnahmen geplant

In der Burtscheider Kita Kalverbenden werden die kleinen Aachener bei einem tollen Ausblick über die Stadt spielen. Denn mit einem Kostenaufwand von 3,4 Millionen Euro hat sich die Stadt Aachen dort für einen außergewöhnlichen architektonischen Entwurf entschieden: Schon jetzt ist zu sehen, wie sich der zweigeschossige Rohbau gänzlich an den Hang anschmiegt. Durch seine besondere Bauart haben sowohl die oberen als auch die unteren Gruppen einen ebenerdigen Zugang zum Außengelände. Wie in allen Umbau- und Neubaumaßnahmen spielt auch hier nicht nur die Barrierefreiheit, sondern auch eine günstige energetische Bilanz eine wichtige Rolle, versichern Vertreter der Stadt und der Bauleitung. Voraussichtlich im Februar 2015 wird die Kita Kalverbenden für insgesamt 80 Kinder bezugsfertig sein — 20 davon werden Mädchen und Jungen unter drei Jahren sein.

Neben vielen weiteren kleinen Umbaumaßnahmen in Aachener Kindertagesstätten, werden bald in der Reimser Straße und in der Händelstraße ganz neue Spatenstiche gemacht. Um- und Ausbauten sind für die Kitas der Düppelstraße und der Aachener Straße geplant. Es ist also mächtig was los auf Aachens Großbaustelle Kita-Ausbau.