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Projekt „Kobi“ in der Städteregion: Mehr Selbstständigkeit und weniger Kosten

Projekt „Kobi“ in der Städteregion : Mehr Selbstständigkeit und weniger Kosten

Das Projekt „Kobi“ soll dazu beitragen, Eins-zu-Eins-Betreuung in Förderschulen der Städteregion Aachen zu reduzieren. Etwa 900.000 Euro sollen in einem Schuljahr damit eingespart werden.

Wenn in der Regenbogenschule der Unterricht beginnt, kann es mitunter ziemlich eng werden. Das liegt nicht nur daran, dass die städteregionale Förderschule in Stolberg dringend mehr Platz benötigt. Ein wesentlicher Grund ist auch, dass sich zu den aktuell 175 Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung bis zu 40 Schulbegleiter gesellen.

Den Eltern und ihren Kindern steht eine solche Hilfe vom (Sozial-) Gesetz her zu. Das will auch Petra Schnitzler nicht infrage stellen. Doch längst nicht immer, das zeige die vielfache und jahrelange Erfahrung, sei der Einsatz von Schulbegleitern die beste Lösung, berichtet die Schulleiterin. Die Regenbogenschule hat sich deshalb im Herbst 2018 dazu entschlossen – genauso wie die Aachener Kleebach-Schule – an einem zunächst befristeten Projekt der Städteregion teilzunehmen.

Das trägt den wenig aussagekräftigen Namen „Kobi“ und zielt darauf ab, die Zahl der Schulbegleiter in den städteregionalen Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung durch den Einsatz einer Beratungs- und Vernetzungskraft zu reduzieren – natürlich nur, wenn es pädagogisch sinnvoll ist.

Nicht zuletzt könnte damit in einem System, das sich um immer mehr verhaltensauffällige und förderbedürftige Kinder kümmern muss, die Kostensteigerung gedämpft werden kann, gibt der zuständige Dezernent Markus Terodde in einer Stellungnahme der Verwaltung zu bedenken. Und verweist auf konkrete Zahlen, die die Städteregion ermittelt hat.

Demnach ist alleine für das Schuljahr 2019/20 mit Einsparungen von 900.000 Euro zu rechnen – das entspricht rund 800 Stunden eingesparter Integrationshilfe pro Schulwoche. 400.000 Euro entfallen auf die Roda-Schule, die den Ansatz der Beratung und Vernetzung bereits seit 2011 verfolgt, und 500.000 Euro auf die beiden Schulen in Aachen und Stolberg. Kein Wunder also, dass die Politik angesichts dieser Zahlen und auch aufgrund der sehr positiven Rückmeldungen aus den Einrichtungen jetzt entschieden hat, das Projekt zu verstetigen und die daran geknüpften (halben) Stellen zu entfristen.

In der Regenbogenschule hat man diese Entscheidung mit Freude aufgenommen. Auch René Quicker ist natürlich begeistert, dass er seine Arbeit als Beratungs- und Vernetzungskraft über den 31. Juli 2020 hinaus fortsetzen kann. „Wir haben bei uns einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Autismusspektrumstörung. Da sind Schulbegleiter ganz, ganz wichtig“, erklärt der Sozialarbeiter. Aber in vielen anderen Fällen sei eine permanente persönliche Betreuung nicht erforderlich. „Wenn die Beziehung zu einem Schulbegleiter nicht zu eng ist, kommt das den Kindern bei der Entwicklung ihrer Selbstständigkeit zugute“, zeigt sich der stellvertretende Schulleiter Holger Peters überzeugt. Und: Der Verzicht auf eine Eins-zu-eins-Betreuung bedeute keineswegs, dass die förderbedürftigen Mädchen und Jungen nicht mehr zusätzlich unterstützt würden.

Das Beispiel der aktuellen Erstklässler liefere dazu ein gutes Beispiel: „Wir hatten alleine bei zehn Kindern eine Schulbegleiter-Empfehlung. Aber nach Rücksprache mit den Eltern sind wir nur mit vier Begleitern gestartet“, berichtet René Quicker. In einem Falle habe das nicht funktioniert. „Für dieses Kind haben wir dann nachträglich doch noch Schulbegleitung beantragt.“ Das gehe reibungslos und kurzfristig, lobt Petra Schnitzler „Das Sozialamt ist da wirklich sehr kooperativ und flexibel.“

Mittelfristig wünscht sich die Schulleiterin eine Pool-Lösung – so wie es sie im Rahmen des städteregionalen Projektes „Kobsi“ seit 2015 in (immer mehr) Grundschulen und weiterführenden Schulen mit gemeinsamem Unterricht für Kinder mit und ohne Förderbedarf gibt. Dort werden statt persönlich zugeordneter Schulbegleiter, die von unterschiedlichen externen Trägern gestellt werden, zunehmend sogenannte Inklusionsassistenten eingesetzt, die zum Kollegium gehören und für die Unterstützung aller Kinder zur Verfügung stehen. „Soweit sind wir an den Förderschulen noch nicht“, weiß Petra Schnitzler.

„Bislang scheitert es an der Finanzierung.“ Aber Petra Schnitzler will für diesen nächsten Schritt werben. „Denn mit dem Abbau der Schulbegleitung wächst die Selbstständigkeit unserer Schüler. Dieses Ziel müssen wir immer vor Augen haben.“