Aachen: Mehr Platz für Flüchtlinge: Marodes Straßenbauamt als kostspielige Option

Aachen: Mehr Platz für Flüchtlinge: Marodes Straßenbauamt als kostspielige Option

Trotz unablässiger Bemühungen zur Mobilisierung weiterer Unterbringungsmöglichkeiten: Auch in den kommenden Monaten wird die Stadt alles daran setzen müssen, Platz zu schaffen für Menschen, die Zuflucht suchen vor Kriegen und Krisen in aller Welt.

Zurzeit haben 970 Flüchtlinge vorläufiges Asyl im Dreiländereck gefunden — das sind rund 30 Prozent mehr, als die Stadt nach dem Landesschlüssel zur Aufnahme durch die NRW-Kommunen eigentlich beherbergen müsste. Und dies, obwohl inzwischen auch die sogenannten unbegleiteten Minderjährigen, also junge Migranten, die nicht auf offiziellen Wegen ins Grenzland gekommen sind, bei den Zuweisungen berücksichtigt werden — zumindest eine gute Nachricht im Hinblick auf die anhaltende Misere in punkto Kapazitäten.

Vielleicht gibt es bald eine weitere. Auf Initiative des Oberbürgermeisters hat das Land nun nämlich doch angeboten, eine imposante immobile Altlast als Notquartier zur Verfügung zu stellen: Das ehemalige Straßenbauamt an der Ecke Karl-Marx-Allee/Adenauerallee steht allerdings nicht von ungefähr seit knapp zwei Jahren leer. Der 1965 erbaute Komplex müsste gründlich saniert werden. Noch vor wenigen Monaten schienen die Aussichten schlecht, dass die Stadt das Gebäude zumindest vorübergehend nutzen könnte. Nunmehr aber könnte sie das rund 3000 Quadratmeter umfassende Objekt bis auf Weiteres zum Nulltarif übernehmen, berichtet der Leiter des Sozialamts, Heinrich Emonts.

Dort würden notfalls bis zu 200 Personen eine Unterkunft finden. „Ob das machbar ist, können wir im Augenblick aber leider noch nicht sagen“, bedauert Emonts. Denn das Gebäudemanagement schätze allein die Kosten für eine Sanierung vorerst auf 3,5 bis 5 Millionen Euro — ein Horrorszenario für die kommunalen Kassenhüter. Deshalb werde derzeit intensiv überlegt, wie man die Investitionen drastisch reduzieren könne. „In jedem Fall müsste vieles herausgerissen und erneuert werden“, sagt Emonts. Die Fassade müsste aus Sicherheitsgründen renoviert werden, auch in Sachen Isolierung bestehe erheblicher Handlungsbedarf, um gefährliche Schimmelbildung zu verhindern. Und: „Wir wissen noch gar nicht, wie lange der zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb uns das Objekt überhaupt überlassen würde.“ Denn nach wie vor will das Land den Betonklotz am Rande Burtscheids veräußern.

Unterdessen sind auch in der ehemaligen Hauptschule an der Franzstraße bereits mehr als 70 Exilanten untergebracht. Die Kapazitäten sind damit dort so gut wie erschöpft, schreibt die Verwaltung in einer Vorlage für den Sozial- und Integrationsausschuss des Rates, der sich am kommenden Donnerstag (17 Uhr, Ratssaal) erneut mit der Situation auseinandersetzen muss. Bis Ende des Monats sollen ferner bis zu 20 weitere Flüchtlinge in der ehemaligen Hauptschule am Kronenberg einquartiert werden. Verhandlungen zur Übernahme von bis zu zehn leerstehenden Objekten aus Bundesbesitz laufen. Denn: „Natürlich wollen wir nach wie vor alles dafür tun, die Flüchtlinge möglichst dezentral unterzubringen“, unterstreicht Emonts. Gleichwohl bleibe auch die Turnhalle an der Barbarastraße weiter als Notquartier reserviert — im Dezember waren dort drei Familien aus dem Kosovo rund drei Wochen lang untergebracht.

Mehr von Aachener Zeitung