Aachen: Mehr Geld und gleiche Standards: Kampagne für die OGS

Aachen: Mehr Geld und gleiche Standards: Kampagne für die OGS

In bunter Farbe sind die Wünsche der Grundschüler auf die weißen T-Shirts geschrieben. Einige von ihnen kann man getrost als ambitioniert bezeichnen. Zum Beispiel wenn es um den Traum von einem Kletterraum geht — mit integrierter Wasserbahn versteht sich. Andere sind durchaus bescheiden: Neue Malsachen oder ein Tafelschwamm würden nach Ansicht der Kinder in den Offenen Ganztagsschulen (OGS) Aachens schon einiges bewirken.

Mit bescheidenen Mitteln wichtige Pädagogikarbeit zu leisten, das gehört nach Ansicht der freien OGS-Trägern in Aachen seit mittlerweile zwölf Jahren zu ihrem Berufsalltag. Das soll sich ändern. Unter dem Motto „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ kämpft die Freie Wohlfahrtspflege NRW für landesweit einheitliche Standards und eine bessere Finanzierung des offenen Ganztags.

Auch die freien Träger in Aachen beteiligen sich an der Kampagne — und ließen dafür eigens die weißen T-Shirts von ihren Schützlingen gestalten. Diese sollen anlässlich einer großen Kundgebung am 12. Juli vor dem Düsseldorfer Landtag an Wäscheleinen aufgehängt werden. Dann nämlich, wenn die Forderungen der freien Träger der (neuen) Landesregierung übergeben werden.

Um Kletterräume mit Wasserbahnen geht es den Pädagogen dabei wahrlich nicht. Ihr Hauptanliegen ist ein landesweit verbindliches OGS-Gesetz. Denn der offene Ganztag wird per Erlass gesteuert, während die Angebote von Kindertagesstätten nach dem Kinderbildungssetz (Kibiz) in Nordrhein-Westfalen geregelt ist. Das bedeutet, dass sich das Angebot der OGS von Kommune zu Kommune unterscheidet — und abhängig ist vom jeweiligen Finanzstatus und politischen Willen.

Seit zwölf Jahren gibt es die Offene Ganztagsschule in Aachen. Mehr als 5000 Kinder werden im laufenden Schuljahr in mehr als 200 Gruppen betreut. Die Nachfrage nach Ganztagsplätzen wächst. Für das kommende Schuljahr sind in Aachen mehr als 150 neue OGS-Plätze geplant. Der Großteil der OGS-Angebote wird von freien Trägern gestaltet. Es ist ein „Erfolgsmodell“, wie Stefanie Koszucki, Geschäftsführerin des Vereins Betreute Schulen, sagt. Der Verein ist in Aachen Träger von elf Offenen Ganztagsschulen. „Aber die Rahmenbedingungen sind nicht auskömmlich, um eine gute pädagogische Qualität bieten zu können.“

In Aachen stehen den freien Trägern pro OGS-Gruppe 45.000 Euro zur Verfügung. Die Summe ergibt sich aus den Pauschalen, die das Land und die Kommune als Pflichtbeitrag zahlen — rund 36.00 Euro —, und der freiwilligen Leistung von 9000 Euro, mit der die Stadt Aachen den Betrag pro Gruppe aufstockt. In diesem Betrag sind auch die OGS-Elternbeiträge enthalten. Mit diesen 45.000 Euro müssen die Träger ihr gesamtes Angebot finanzieren, von der Fachkraft über die Einrichtung bis hin zum Spülmittel in der Küche.

Auch angesichts steigender Personalkosten ist dies nach Ansicht der freien Träger nicht ausreichend. Nötig wäre — so die Kalkulation der Freien Wohlfahrtspflege NRW in ihrem Positionspapier — fast das Doppelte, nämlich ein Betrag von knapp 80.000 Euro pro Gruppe. Für einen Kletterraum wird auch das nicht reichen. Aber sicherlich für jede Menge Malsachen, Tafelschwämme und eine angemessene Betreuung der Kinder.

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