Aachen: Mehr Busse in der City, ein „NetLiner“ für den Südraum

Aachen : Mehr Busse in der City, ein „NetLiner“ für den Südraum

Was lange währt, wird endlich — gut? Das wird sich ab dem 10. Dezember zeigen, wenn die Aseag zum Fahrplanwechsel etliche Änderungen einführt. Lange geplant und diskutiert wurden die Ideen jedenfalls, was man alleine schon daran erkennt, dass viele der Neuerungen bereits in der Untersuchung „Busnetz 2015+“ empfohlen wurden, die aus dem Jahr 2013 stammt.

Aber vermutlich war die gründliche Planung sinnvoll: Schließlich handelt es sich laut Stadt und Aseag um die größten netz- und fahrplantechnischen Veränderungen im Aachener Busnetz seit vielen Jahren.

Mit dem neuen Konzept will man neben der Einführung des elektronischen Ticketings vor allem mehr Busse auf die Hauptachsen in der Innenstadt bringen. Außerdem soll es mehr Direktverbindungen zum Hauptbahnhof und eine bessere Anbindung der Campusbereiche Melaten und West geben. Insgesamt soll der Busverkehr in Aachen — so lautete die grundsätzliche Maßgabe — attraktiver und übersichtlicher gestaltet werden.

Das „Herzstück“ des neuen Busnetzes ist dabei laut Aseag die Einführung des Citytaktes auf den „Premiumachsen“, die die Wohnviertel am Rand der Innenstadt mit dem Zentrum verbinden. Gemeint sind damit alle Linien, die von den Haltestellen Westfriedhof, Uniklinik, Laurensberg, Prager Ring (Haaren), Trierer Platz (Forst), Fringsgraben (Rothe Erde/Eilendorf), Viktoria-allee und Heißberg (Burtscheid) den Bushof ansteuern (siehe Grafik). Auf diesen Strecken sollen die Fahrgäste künftig mindestens von einem 7,5-Minuten-Takt profitieren: Werktags zwischen 6 und 20 Uhr sollen dort in beiden Richtungen acht oder mehr Busse pendeln. Die letzte Fahrt vom Bushof aus findet dann täglich um 0.45 Uhr statt — was für die Strecke zur Viktoriaallee allerdings nur am Wochenende gilt.

Dass für den Citytakt — und für die zusätzlichen Verbindungen zum Hauptbahnhof und den Campusgebieten — mehr Busse eingesetzt werden müssen, ist klar. Ziel war es ursprünglich, diese Mehrleistungen durch Umschichtungen zu erwirtschaften. Soll heißen: Was zusätzlich durch die City rollt, sollte auf weniger gut frequentierten Strecken eingespart werden.

Diese Rechnung ist unter dem Strich nicht ganz aufgegangen: Die Mehrleistung gegenüber dem bisherigen Fahrplan beziffert Aseag-Sprecher Paul Heesel auf Anfrage auf insgesamt 129.800 Nutzwagenkilometer pro Jahr, von denen im Wirtschaftsplan der Aseag 87.500 eingeplant seien. Die finanzielle Dimension dieses Defizits ist allerdings gering. „Für die restlichen Kilometer werden Mehrkosten von etwa 42.300 Euro entstehen“, sagt Heesel. Und hier setzt die Aseag darauf, dass diese Mehrkosten durch Mehreinnahmen kompensiert werden — schließlich rechne man mit mehr Fahrgästen. Falls dies wider Erwarten nicht gelinge, „wird der städtische Haushalt entsprechend belastet“, sagt der Aseag-Sprecher.

Linien gekappt und ausgedünnt wurden vor allem im Aachener Süden, wo ab dem 10. Dezember das Rufbussystem „NetLiner“ die Versorgung sichern soll. Bedienen wird der barrierefreie Kleinbus mit 13 Sitz- und sieben Stehplätzen den Bereich von Lichtenbusch über Schleckheim-Kapelle bis Walheim, Friesenrath und Schmithof sowie außerdem Nütheim und Sief. Dabei folgt der „NetLiner“ keinem festen Fahrplan und keinem vorgegebenen Linienweg, sondern richtet sich nach den Fahrtwünschen der Fahrgäste. Diese können das Angebot per Smartphone oder PC online buchen, montags bis freitags ist die Buchung auch telefonisch möglich. Fahren soll der „NetLiner“ montags bis freitags von 9 bis 12 und von 20 bis 23 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 8 und 23 Uhr. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde das innovative System, von dem die Aseag sich und ihren Fahrgästen „mehr Flexibilität ohne festen Fahrplan“ verspricht, am Dienstagabend auf einer Informationsveranstaltung in Walheim.

Beworben werden sollen die umfangreichen Neuerungen — auch etliche Liniennummern werden geändert — und insbesondere der neue Citytakt in einer Kampagne mit Plakaten, Postkarten und Anzeigen. An vielen der fast 1000 Aseag-Haltestellen im Stadtgebiet sind die Linienzielschilder bereits geändert. Und bald kann man sich dort auch umfassend informieren. In diesen Tagen werden laut Aseag die neuen Fahrpläne ausgehängt.