Elfte „Nacht der Unternehmen“ in Aachen: Mehr als nur eine gewöhnliche Messe

Elfte „Nacht der Unternehmen“ in Aachen : Mehr als nur eine gewöhnliche Messe

Bei der elften „Nacht der Unternehmen“ gab es erst ein kurzes Kennenlernen, dann direkt echte Einblicke: Die Teilnehmer wurden mit Bussen direkt zu den Unternehmen gefahren und konnten sich selbst ein Bild machen.

Es hat sich einiges verändert in der Beziehung von Bewerbern und Unternehmen. In vielen Branchen ist der Mangel an Fachkräften so eklatant, dass Betriebe selbst in die Offensive gehen und gezielt um Personal werben. Gerade Studienabgänger aus technischen Berufen und aus dem IT-Sektor werden stark umworben. Die mittlerweile elfte „Nacht der Unternehmen“ im Aachener Technologiezentrum war dazu erneut eine gute Möglichkeit. Mehr als 2000 Besucher sind deswegen Dienstagabend zur Karrieremesse im Technologiezentrum gekommen.

86 Unternehmen aus der Region hatten dort ihre Stände aufgebaut und präsentierten sich den Studierenden, Schülern und auch erfahrenen Berufstätigen als attraktive Arbeitgeber. Wie es aber tatsächlich in den Firmen aussieht, bleibt Bewerbern bei ähnlichen Messen normalerweise verborgen. Nicht so am Dienstag: Mit Bussen wurden die Interessenten nach kurzem Kennenlernen dann bis in die Nacht hinein direkt zu den Unternehmen in der ganzen Städteregion gefahren.

Zum ersten Mal war diesmal mit Euskirchen gleich ein ganzer Landkreis zu Gast. Mit dort ansässigen Betrieben aus den Bereichen Handwerk, Klimaschutz und Maschinenbau habe man die „Nacht der Unternehmen“ nutzen wollen, sich den Absolventen aus Aachen einmal näher vorzustellen, sagte der Euskirchener Landrat Günter Rosenke. Immerhin sei man mit nur einer halben Stunde Fahrzeit schneller dort als in so mancher Kommune der Städteregion.

Nacht der Unternehmen ist perfektes Sprungbrett ins Berufsleben

Gegenseitiges Kennenlernen von potenziellen Bewerbern und Unternehmen ist ein Ziel der Messe, Aufmerksamkeit für den Fachkräftemangel zu wecken aber ebenso, wie Veranstalter Günter Bleimann-Gather von Tema Technologiemarketing betonte. „Dass sie nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte finden, ist für die Unternehmen in der Region weiterhin das größte Wachstumshindernis.“ Zwar sei in diesem Zusammenhang die Nähe zu den Hochschulen förderlich, aber noch immer gelinge es nicht, ausreichend Absolventen auch in Aachen zu halten. Damit das in Zukunft noch besser gelinge, sei ab dem kommenden Jahr eine Vergrößerung der Messe geplant, mit Zelten vor dem Eingangsbereich und einer Internetplattform, auf denen sich Unternehmen zusätzlich präsentieren können.

Bistum als großer Arbeitgeber

Neben all den neuen Berufen in der Technik und Informationstechnologie gibt es aber auch noch immer die klassischen Tätigkeiten im Bauwesen, der sozialen Fürsorge oder der Architektur. Für manche überraschend ist es seit fünf Jahren das Bistum Aachen, das sich auf der Messe mit Einstiegsmöglichkeiten in diese Berufe präsentiert. Mit Erfolg: „Tatsächlich erleben wir nach dem Messe-Auftritt immer eine Welle an Initiativbewerbungen. Vielen ist das Bistum als Arbeitgeber für solche Berufe schlichtweg nicht bekannt gewesen, obwohl wir mit rund 30.000 Mitarbeitenden einer der größten Arbeitgeber der Region sind“, erklärte Katharina Siegers, Personalreferentin des Bistums Aachen.

Mit Ulrich Käser, dem Leiter der Arbeitsagentur Aachen-Düren, war zudem noch jemand an der Messe vertreten, den man nicht erwarten würde, wenn es an allen Ecken an Arbeitnehmern mangelt. Doch es gebe eben auch jene, deren Lebenslauf nicht so verlaufe wie auf dem Papier geplant, mahnte er. Etwa nach einem Studienabbruch, oder wenn der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung aufkomme sei die Arbeitsagentur die richtige Anlaufstelle auch für die Leute, die nicht arbeitslos seien. Und nicht zuletzt bietet die Agentur jedes Jahr mit dem Bewerbungsmappen-Check einen Klassiker der Messe an. Denn gerade bei der Sorgfalt, so sagte Käser, sei doch oft noch Verbesserungsbedarf: „Wir erleben auch bei Akademikern so manche abgelehnte Bewerbung, die erfolgreicher gewesen wäre, wenn ein wenig mehr Zeit investiert worden wäre.“

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