Aachen: Mehr als 800 Gäste strömen ins „Hotel Total“

Aachen: Mehr als 800 Gäste strömen ins „Hotel Total“

Monatelang haben etliche junge Handwerker mit Kreissägen, Akku-Schraubern und Flexgeräten um die Wette gewerkelt. Am Freitagabend war es dann endlich soweit: Das „Hotel Total“ an der Jülicher Straße hat mit einer großen Feier seine Pforten geöffnet.

Die frühere Pfarrkirche St. Elisabeth wird von nun an drei Monate als innovative Herberge, Kultur- und Integrationszentrum genutzt.

Ein Himmelbett der besonderen Art: Fünf außergewöhnliche Schlafgelegenheiten gibt es im Hotel Total zum Nulltarif. Foto: Andreas Steindl

Mehr als 800 Besucher ließen sich das Spektakel am Freitagabend nicht entgehen. Bereits kurz vor der Eröffnung hatten sich Dutzende Menschen vor der Kirche versammelt. Jeder wollte der Erste sein, der dieses außergewöhnliche Hotel zu Gesicht bekommt.

Strahlen ohne Ende: Initiatorin Patricia Yasmine Graf und Investor Norbert Hermanns. Foto: Andreas Steindl

Schon beim Betreten des „Pop-up Hotels“ staunten die Besucher und fanden kaum die richtigen Worte. Mit viel Liebe zum Detail hatten unter anderem rund zwei Dutzend Arbeitslose — darunter vor allem junge Migranten — dafür gesorgt, dass am Eröffnungstag alles saß. Und das tat es auch — zumindest größtenteils. Dass manche Zimmer nicht betreten werden konnten, weil sie am Freitagmorgen noch gestrichen wurden, störte die Wenigsten. Die Begeisterung überwog.

Als mit etwas Verspätung die Initiatorinnen Patricia Yasmine Graf, ihre Schwester Julia Claire und Anke Didier die Gäste, die sich im Inneren des Hotels — genau dort, wo vor einiger Zeit noch Sitzbänke standen — versammelt hatten, begrüßten, hallte der Applaus durch die Kirche.

„Wir haben unsere Vision, einen urbanen Ort zu schaffen, realisiert. Mit diesem Projekt wird ein Traum war. Lasst uns diesen Tag und das Leben feiern“, sagte Graf, die an diesem Abend nicht mehr aufhören konnte zu lächeln. Dazu hatte sie auch allen Grund. Immer wieder wurden sie und die anderen beiden jungen Damen angesprochen, umarmt und beglückwünscht. „Es ist wirklich großartig geworden. Die Verbindung von Modernem und Sakralem ist wunderbar gelungen“, sagte eine ältere Besucherin.

Die verglasten Kirchenfenster, und die große Orgel auf der Empore erinnern noch an die einstige Kirche. Der spürbare sakrale Charakter des über 100 Jahre alten Gebäudes mischte sich am Eröffnungsabend mit dem Klang von feinen House- und Elektrobeats. Außergewöhnlich. Eben ein Experiment. Hinzu kam Live-Musik der Multikulti-Formation Shanti Powa und dem iranischen Popsänger Maziar Hakkak.

„Es ist einfach fantastisch und traumhaft. Es ist unglaublich, was die Damen hier auf die Beine gestellt haben“, sagt Anja Schlamann, die extra aus Köln angereist war. „Kirche sind schöne Räume, es ist richtig sie genau so zu nutzen.“ Für Norbert Hermanns, Vorstandsvorsitzender der Landmarken AG, der die alte Kirche zum Ende des Jahres erwirbt, war der Abend ein guter Beweis dafür, wie hip und locker Aachen sein kann. „Dieser Ort ist interkulturell und spricht alle Altersgruppen an. Solche Impulse müssen wir unterstützen“, sagte er.

Die Initiatoren erhoffen sich vor allem, dass das Hotel eine Stätte der kulturellen Begegnung und der Kommunikation wird. Zumindest am Freitagabend wurde diese Erwartung in den Augen der Macherinnen erfüllt. Jetzt kann das Experiment dieses ungewöhnlichen Hotels auch im Alltag beginnen.

Zahlreiche Kultur-Events sind bis Ende Oktober zu erleben: ein Gastspiel der Comiciade-Künstler aus dem benachbarten Ludwig Forum, Lesungen, Theater, eine Modenschau und Kammermusik. „Es wird sich zeigen, ob dieser Abend eine Ausnahme ist oder ob das Interesse und die Begeisterung für diesen einzigartigen Ort auch in Zukunft Bestand hat“, so Hermanns.

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