Aachen: „Meet and eat“: Bischof Dieser und Weihbischof Bündgens laden zum Dialog

Aachen : „Meet and eat“: Bischof Dieser und Weihbischof Bündgens laden zum Dialog

Beim synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess, den Bischof Helmut Dieser zum Jahresbeginn angestoßen hat, geht es auch um die Zukunft von Kirche. Insofern war es ein positives Zeichen, dass auch viele junge Menschen die Einladung zum „Meet and eat“ im Alten Straßenbahndepot an der Talstraße angenommen hatten.

Insgesamt hatten sich knapp 130 gesprächsbereite Aachener an den einladend gedeckten Tischen versammelt. Jeweils zehn Minuten pro Tisch zum Austausch mit dem Bischof und Weihbischof Johannes Bündgens, davor und danach Zeit zum Essen und zum Austausch innerhalb der Tischrunden, so lautet auch bei der fünften von acht Stationen der Ablaufplan.

Die Zeit mit Bischof Dieser empfanden viele dabei als zu knapp, daran kranke das Format etwas. Ins Detail habe der Bischof so selten bei seinen Antworten gehen können. Wenn ein Gespräch entstanden sei, habe er schon wieder weiter gemusst.

Das Angebot selbst kam durchweg gut an. Die Bereitschaft des Bischofs, sich Zeit zu nehmen, um zu hören, was die Menschen bewegt, empfand die Mehrheit als positiv und als Wertschätzung. Auch, dass er gegenteilige Meinungen akzeptierte und Kritik annahm. Nur so komme eine Diskussion in Bewegung.

Wenn der denn auch Taten folgen. Worauf die allermeisten vertrauen, worüber es aber bei dem ein oder anderen auch Zweifel gab. „Ich habe die Erwartung, dass das, was er heute Abend hört, auch Berücksichtigung bei den Entscheidungen findet. Das ist ja oft das Dilemma, dass die Amtskirche zu wenig auf ihre Basis hört“, erklärte Fritz Kuckartz aus St. Anna Walheim. Die Idee sei gut, aber es gehe nicht nur ums Reden, sondern darum, was mit dem Gehörten passiere, lautete eine weitere Stimme. Manchem fehlt noch ein wenig die Transparenz innerhalb des gesamten Prozesses.

Zu den diskutierten Themen zählte aus aktuellem Anlass die Ökumene bzw. die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl und wie Aachens Bischof dazu steht. Er gehöre nicht zu den Briefschreibern um Kardinal Woelki, sondern zu den Befürwortern um Kardinal Marx, unterstrich Bischof Dieser.

Auch sonst äußerte er sich positiv zur Ökumene, das sei „keine Frage des Ob sondern des Wann“. Viele Teilnehmer trieb die Sorge um, wohin und wie sich Gemeindeleben entwickelt, mit Blick auf immer weniger Priester und immer größere Räume. Gerade in den kleineren Gemeinden fühlen sich die Gläubigen da schon jetzt etwas alleine gelassen. Es fehle an hauptamtlichen Ansprechpartnern vor Ort.

Die Frage, wohin sich Kirche entwickelt, beschäftigte auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Katholischer jungen Gemeinde (KJG), Christlicher Arbeiterjugend (CAJ), katholischer Hochschulgemeinde (KHG) und Messdienergruppen ganz stark: Wo wird unser Platz in der Kirche in 15 bis 20 Jahren sein? Wird unsere ehrenamtliche Arbeit noch gebraucht, zum Beispiel als Messdiener, wenn es immer weniger Messen gibt?

Konkrete Antworten konnte Bischof Dieser an diesem Abend nicht liefern, darum gebe es ja den Prozess, um sie zu finden und zu entwickeln. Doch, dass er ihnen zugehört hat, ihre Sorgen teilt, sich für die Arbeit der Jugendverbände und die Sicht junger Menschen auf Kirche interessiert hat, war den meisten schon viel wert. „Gut, dass er uns und unsere Themen auf dem Radar hat“, erklärte Leo Reinersdorff von der KHG, die den Bischof zum vertiefenden Gespräch zu sich eingeladen hat.

„Junge Menschen sind die Zukunft von Kirche und es ist gut, dass er uns in den Prozess einbezieht“, fanden Kevin Göbbels und Lukas Offermann von der CAJ Aachen. Damit junge Menschen sich neben Studium, Job und Ehrenamt auch weiter in die Teilprozessgruppen einbringen können, müssten die zeitlich und organisatorisch aber flexibler gestaltet sein. Eine Anregung, die Bischof Dieser bereitwillig mitnahm. Wie so viele andere an diesem Abend auch.

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