Aachen: Maßnahmenbündel gegen Pflegenotstand

Aachen: Maßnahmenbündel gegen Pflegenotstand

70 Prozent der bundesdeutschen Krankenhäuser seien vom Fachkräftemangel betroffen, sagt Rolf-Leonhard Haugrund, der Geschäftsführende Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen. Genau diesen Zustand will er im Marienhospital verhindern.

Daher wurde die Ausbildungskapazität der Gesundheits- und Krankenpflegeschule von 75 auf 125 Plätze angehoben. „Es gibt in Deutschland genügend Potenzial, um junge Leute zu Pflegeberufen zu motivieren“, kommentiert Haugrund den Fachkräftebedarf, dem durch einen dreijährigen Zwischenkurs in Vollzeit und einer vierjährigen Teilzeitausbildung entgegengewirkt werden soll. Er sieht die Ausbildungsoffensive als Investition der Stiftung in die Zukunft an.

Der Fachkräftebedarf entsteht in dieser Branche laut Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, durch die Altersstruktur: Jeder Siebte in der Gesundheits- und Krankenpflegebranche sei älter als 25 Jahre, der Altersschwerpunkt liege bei 40 bis 49 Jahren. Rund 130 Tage bleibe eine ausgeschriebene Stelle in diesem Bereich unbesetzt, so dass hier in der gesamten Gesundheitsbranche am längsten nach neuen Mitarbeitern gesucht werde.

„Wenn die Situation so bleibt, gibt es eines Tages viele Häuptlinge, aber keine Indianer“, kommentiert Koch metaphorisch die Lage und weist darauf hin, dass im Marienhospital hingegen die Chance, die sich durch mehr Schulabgänger bietet, genutzt werde. Man sorge durch die neu geschaffenen Ausbildungsplätze dafür, dass jeder Pflegebedürftige einen Pfleger finde.

80 Prozent der Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflegebranche seien, wie Koch weiter berichtet, weiblich, 40 Prozent davon arbeiteten schon jetzt in Teilzeit. Eine Teilzeitausbildung biete hohe Flexibilität, die auf dem Arbeitsmarkt notwendig sei. Das Marienhospital übernehme durch die neu angebotene vierjährige Ausbildung hohe gesellschaftspolitische Verantwortung. Diese Ausbildung soll beispielsweise mit Alleinerziehenden oder Personen mit anderen familiären Verpflichtungen eine andere Zielgruppe als die reguläre Ausbildung ansprechen.

Die Personalleiterin der Stiftung, Bianca Böhme, betont die allgemeine Wichtigkeit der Familienfreundlichkeit im Marienhospital. „Wir müssen uns an die persönlichen Lebensphasen anpassen, damit Lebens- und Arbeitsphasen gut miteinander verbunden werden können.“

Eine ähnliche Verbindung ist dem Auszubildenden Thomas Altena bereits gelungen. Dem 35-Jährigen wurde durch die Arbeitsagentur empfohlen, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Nun könne er seine persönlichen Kompetenzen in Form seines guten Umgangs mit Menschen professionell in einem sicheren Beruf anwenden.

Auch seiner Mitschülerin Jasmin Unger macht es Spaß mit vollem Herzen in diesem Beruf zu arbeiten. Außerdem biete das neue Schulgebäude den Auszubildenden mit genügend Arbeitsgruppenräumen viel mehr Platz und Vielfalt. Seit dem 29. Januar befinden sich die neuen Räume der Gesundheits- und Krankenpflegeschule auf einer 1500 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Hospitals.

Monsignore Heribert August, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, ist begeistert und sagt, dass das neue Gebäude, das im Mai erst offiziell eröffnet wird, eine Unterbringung von 50 zusätzlichen Auszubildenden erst ermöglicht habe. Obwohl der Pflegeberuf bei jungen Menschen bisher nicht unbedingt zu den beliebtesten Berufen gehört habe, entgegnet Jürgen Koch, dass sich die Situation inzwischen geändert habe. Durch eine starke Werbung im Zusammenhang mit der Fachkräftediskussion und Benennung des Jobs als zukunftssicher gegenüber interessierten Schülereltern gebe es mehr Interesse für dieses Berufsfeld.

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