Massen machen das Fan-Fest zum Familientag

Die Nationalmannschaft am Tivoli : Erstklassiger Empfang für DFB beim Viertligisten

Der Dresscode ist klar: weißes Leibchen mit schwarzem Adler, alternativ das grüne Leibchen. Dazu schwarz-rot-goldene Fähnchen – alles fertig für den Nachmittag und Abend der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die im Rahmen ihrer Charme-Offensive ein Trainingsspiel im Tivoli spendiert.

„Ist doch toll, irgendwie auch ein Stück Wiedergutmachung an den Aachenern, die den Tivoli mittragen“, freut sich Bernhard Deil, als Chef der Aachener Stadion BeteiligungsGmbH bester Kenner des Stadions. Eine Herausforderung wie jetzt in Sachen DFB hatte er als Alemannia-Begleiter allerdings auch noch nicht. 68 Seiten an Auflagen galt es zu erfüllen, keine Werbung, nicht mal der beleuchtete Schriftzug an der Tivoli Außenwand durfte angeschaltet werden. Der DFB hat seine eigenen Werbeträger und Sponsoren, aber angesichts des strahlenden Wetters wäre eh niemand auf die Idee gekommen, eine Leuchtreklame anzuknipsen.

Wer rechtzeitig unterwegs ist, entkommt auch der Stopp-and-go-Schlange vom Berliner Ring bis zur Krefelder Straße – wenig überraschend angesichts der „ausgebucht“-Meldung. 20.500 Fans jeden Alters sind gekommen. Etliche Familien, für deren Kinder die Nationalmannschaft immer noch der Hit ist. Ein Beispiel? Sabine Siebertz ist mit ihren Söhnen Arne und Nils angereist. Und da der Papa dienstlich in China weilt, hatte Silas, Freund der Brüder, Glück und bekam die Karte des Vaters. „Als ich hörte, dass die Nationalmannschaft nach Aachen kommt, habe ich mich sofort hinter den Rechner ge­klemmt. Großartig, es hat geklappt.“ Und so können die drei Burschen vor dem Bus des DFB „Fan Clubs“ posen. Der ist genauso auf den Tivoli-Vorplatz gerollt wie der Bus der Frauen-Nationalmannschaft, die in dem Gefährt morgen zur WM nach Frankreich fährt.

Es ist richtig was los auf dem Vorplatz. Mal eher mit sozialer Ausrichtung wie beim Stand der Sternsinger mit Sitz in Aachen und Projekten im Rahmen der Egidius-Braun-Stiftung in der ganzen Welt. Mal temperamentvoll und lautstark wie bei der Samba-Truppe „Copa Sambana“ aus Roetgen.

DFB-Team trainiert auf dem Tivoli

Einen ganz besonderen Stellenwert hat der Fan-Treff für Familie Stuckmann. Bei allen Alemannia-Fans klingelt da etwas: Thorsten Stuckmann war Keeper in besseren Zeiten, seine Frau Sina Pressesprecherin bei Alemannia. Jetzt wohnt die Familie in Erftstadt, nutzt aber die Gelegenheit, um den Sohnemännern Lasse (4) und Ben (8) die Tivoli-Welt zu zeigen. „Ich habe viele schöne Erinnerungen“, freut sich Sina Stuckmann an alter Wirkungsstätte. Und Vater „Stucki“ ist begeistert, dass seine Jungs total fußballverrückt sind. Wen wundert’s? Klar, dass die Burschen dem Dresscode locker entsprechen. „Und wenn sie wollen, bekommen sie sofort ein Alemannia-Trikot von mir“, verspricht der Keeper. So führt die Nationalmannschaft die Menschen wieder zusammen.

Tatsächlich wartet eine große Schar junger Fans auf der Rückseite des Stadions in der prallen Sonne auf den Bus der „Mannschaft“, wie man gegen 16.45 Uhr auf der Heckscheibe des edlen Gefährt lesen kann. Gefühlte fünf Sekunden ist der Bus mit den verdunkelten Scheiben zu sehen. Doch das reicht für einen kleinen Jubelsturm. Die WM in Russland scheint vergessen. Ziel erreicht: Die Nationalmannschaft wird im Stadion des Viertligisten erstklassig empfangen.

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