Aachen: Marktschule: Eltern fordern dritte Klasse

Aachen: Marktschule: Eltern fordern dritte Klasse

Ob der Osterhase 2014 das ein oder andere faule Ei ins Nest von Aachener Familien legen wird, ist wenige Tage vor Weihnachten 2013 noch nicht klar. Was dagegen klar ist: Bei unzähligen Eltern in der Stadt herrscht große Verunsicherung. Nicht nur mit Blick auf Ostern im April, sondern vor allem, wenn sie an den Start des neuen Schuljahres im Sommer denken. Eine von vielen, die sich derzeit Sorgen macht, ist Christiane Simonis.

Ihr Sohn Leo soll auf die Marktschule Brand kommen. Dort hat sie ihn angemeldet, dort werden auch seine Freunde hingehen. Davon gingen bis Anfang Dezember alle aus. Doch die Anmeldezahlen an der Marktschule sind explosionsartig in die Höhe geschossen. Ob alle Kinder einen Platz erhalten, ist derzeit fraglich. „Meine Familie steht vielleicht vor einem Riesenproblem“, klagt Simonis.

Sorgt für Zündstoff: das Anmeldeverfahren für Aachens Grundschulen. Frühestens Ende April 2014 wissen Eltern, auf welche Schule ihr Kind gehen kann. „Unhaltbar“, finden viele. Das Bild zeigt die stark nachgefragte Marktschule in Brand. Foto: Michael Jaspers

Vor kurzem gab die Verwaltung bekannt, dass es dieses Mal etwas länger dauern wird, bis feststeht, welche 1. Klassen der 38 städtischen Grundschulen die insgesamt über 2100 neuen Aachener i-Dötzchen besuchen können. Bisher wurden die Aufnahmezusagen im Januar verschickt. Nun soll es laut Schulamt frühestens Ende April soweit sein.

Die freie Schulwahl für Eltern, vor allem auch die neuen Herausforderungen in Sachen Inklusion — also dem Recht von behinderten Kindern und solchen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, an einer Regelschule unterrichtet zu werden — stellt die Stadt beim Anmeldeverfahren in diesem Jahr vor enorme Herausforderungen.

Das Beispiel Marktschule Brand zeigt dies in besonderem Maße: 78 Anmeldungen liegen dort bei Rektorin Gaby Werner-Aretz auf dem Schreibtisch — 22 mehr, als die zwei Eingangsklassen an Schülern aufnehmen können. 66 Kinder gelten als sogenannte „Anspruchsschüler“. Das heißt, sie wohnen in direkter Nachbarschaft zur Schule. Ein Platz in der dem Wohnort am nächsten gelegenen Schule steht ihnen zu. Eigentlich. Doch derzeit liegt die offizielle Aufnahmekapazität der Marktschule bei 56.

Eltern in Brand fordern daher eine dritte 1. Klasse an der Marktschule. Am Mittwochabend überreichte Initiatorin Stefanie Ziemons im Namen von 78 Eltern eine Liste mit 360 Unterschriften an Bezirksbürgermeister Herbert Henn (CDU) mit der entsprechenden Forderung. Doch der Politik sind (vorerst) die Hände gebunden, wie der schulpolitische Sprecher der CDU, Peter Tillmanns, erklärte.

Das Problem mit der Prognose

Denn formal kann nur die Schule selbst einen solchen Antrag an die Politik stellen, um „im kommenden Schuljahr einmalig eine zusätzliche Eingangsklasse“ genehmigt zu bekommen, wie Manfred Ernst vom Fachbereich Schule erläutert. Geschieht dies, könnte das Thema im nächsten Schulausschuss am 13. Februar 2014 auf der Agenda stehen. Darauf hoffen nun die Eltern in Brand. „Ich wohne hier, mein Kind soll hier auch auf die Schule gehen“, sagt die ebenfalls betroffene Mutter Stefanie Ziemons.

Das Pikante: Die Marktschule lief bis vor kurzem noch dreizügig — hatte also drei Klassen pro Jahrgang — und wurde erst im Zuge des Schulentwicklungsplans 2013-2018 um eine Klasse gestutzt. „Die Prognoseberechnung zeigt, dass eine weitere Aufrechterhaltung der Dreizügigkeit nicht geboten ist“, heißt es in dem 313-Seiten-Werk, in dem alle städtischen Aachener Grundschulen eingestuft wurden. Doch da Eltern seit 2008 die Schule frei wählen dürfen, gibt die Stadt generell eine gewisse „Schwierigkeit der Prognosestellung“ zu. Das zeigt sich nun unter anderem in Brand.

Im Schulausschuss am 5. Dezember sind die Verzögerungen beim Anmeldeprozedere an den Grundschulen von den Politikern kommentarlos registriert worden. Bei der Sitzung im Frühjahr, wenn die endgültigen Zahlen vorliegen, soll das Thema erneut auf den Tisch. Allerdings: Der Ausschuss tagt erst am 10. April 2014. Viele Eltern fordern aber, dass jetzt dringend etwas passieren muss. Vor allem an Schulen wie in Brand oder auch am Lousberg, wo ebenfalls deutlich mehr Anmeldungen eingegangen als Plätze vorhanden sind, wächst kurz vor Weihnachten der Unmut. Und der bange Blick richtet sich längst schon auf Ostern, den Hasen und die befürchteten faulen Eier im Nest.

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