Aachen: Marktbeschicker sollen erneut draufzahlen

Aachen: Marktbeschicker sollen erneut draufzahlen

Nach satten 20 Prozent Aufschlag vor knapp zwei Jahren hatten Bernd Krämer und seine Kollegen eigentlich gedacht, sie hätten jetzt einmal ein bisschen Ruhe. Oder es gehe in der nächsten Gebührenerhöhungsrunde vielleicht nur um zwei, drei Prozent. Von wegen.

Aachens Marktbeschicker, deren Vorsitzender Krämer ist, müssen sich schon wieder auf eine deutliche Erhöhung der Standgebühren einstellen. Zum 1. März 2015 sollen die Preise um 13 Prozent angehoben werden. So steht es in der Vorlage der Verwaltung für die nächste Sitzung des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses am 9. Dezember.

„Das ist schon starker Tobak“, sagt Krämer, „und für manche Marktbeschicker kann das sogar an die Existenz gehen.“ Laut Verwaltung sollen die Preise auf den Wochenmärkten an Markt und Münsterplatz, auf dem Neumarkt und in Burtscheid von 1,99 Euro pro Quadratmeter Standfläche auf 2,25 je Monat steigen. In Brand und Eilendorf sollen sie von 1,80 auf 2,03 Euro, in Haaren, Kornelimünster, Richterich, Rothe Erde und am Kronenberg von 1,56 auf 1,76 Euro klettern. Bis April 2013 lagen die Preise je nach Zone noch zwischen 1,30 und 1,66 Euro.

Großer Ärger vor zwei Jahren

Bernd Krämer erinnert sich noch gut an den Gebührenärger vor rund zwei Jahren. Denn damals wollte die Stadt die Standkosten eigentlich sogar um 38 Prozent erhöhen, doch dann ruderte man nach heftigen Protesten der Marktbeschicker und irritierten Nachfragen aus der Politik wieder zurück. Man habe noch einmal „scharf gerechnet“, hieß es damals, und unter anderem die zunächst veranschlagten städtischen Personalkosten für die Wochenmärkte dann doch nicht so hoch angesetzt. So blieb es bei „nur“ 20 Prozent Aufschlag.

Nimmt man die aktuelle Erhöhung, erreicht die Stadt nun bis auf wenige Cent die Quadratmeterpreise, die man bereits vor zwei Jahren angestrebt hatte. „Das sieht schon so aus, als hätte man das jetzt einfach nur in zwei Schritten vollzogen“, moniert der Vorsitzende der IG der Marktbeschicker und fürchtet nun auch um die „Vielfalt und Schönheit“ der Aachener Wochenmärkte. „Die Märkte leben auch vom Platzangebot“, sagt Krämer. Jetzt würden die Stände wohl kleiner und unansehnlicher werden, manche Anbieter würden sich vielleicht auch ganz zurückziehen: „Das ist eine Spirale nach unten — zumal Aachen ohnehin schon die höchsten Standgebühren in der gesamten Umgebung hat.“

Die Verwaltung führt dagegen in der Vorlage an, dass eine Hochrechnung für das Jahr 2015 bei den Standgebühren keine Kostendeckung ergebe — und die Erhöhung deshalb unumgänglich sei. Das war allerdings auch vor zwei Jahren so, als dann beim neuerlichen Nachrechnen plötzlich doch ein anderes Ergebnis herauskam.

„Uns fehlt die Transparenz“

„Uns fehlt bei dem Ganzen die Transparenz“, kritisiert Krämer auch mit Blick auf die Personalkosten von fast 83.000 Euro, die die Stadt den Marktbeschickern in Rechnung stellt, und die den Löwenanteil des städtischen Aufwands von gut 140.000 Euro pro Jahr ausmachen.

Apropos Transparenz: Worin die neuerliche Gebührensteigerung genau begründet ist, war am Montag bei der Stadt trotz Nachfrage nicht zu erfahren.