Hells Angels-Unterstützer vor Gericht: Marihuana-Schmuggel zur Finanzierung einer Rockerbande

Hells Angels-Unterstützer vor Gericht : Marihuana-Schmuggel zur Finanzierung einer Rockerbande

Er soll einen schwunghaften Handel mit Marihuana zwischen den Niederlanden und dem Ruhrgebiet koordiniert haben: Ein 53-jähriger Mann muss sich vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Zumindest in dem Zeitraum, den die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Ali E. (53) wegen banden- und gewerbsmäßigen Drogenhandels am Dienstag vor der 7. Großen Strafkammer am Landgericht vorhielt, soll es eine florierende Drogen-Connection zwischen Aachen und Hamm in Westfalen gegeben haben.

Der Angeklagte sagte am Dienstag auf Anraten seines Bonner Anwalts Ingo Thiée nichts zu den Vorwürfen. Den Angeklagten türkischer Herkunft hatten Fahnder in Serbien ausfindig gemacht. Nach seiner Festsetzung im Oktober 2018 wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Ali E. soll laut Anklagschrift von Oktober 2017 bis Juni 2018 an 13 Drogentransporten aus dem benachbarten niederländischen Grenzgebiet nach Westfalen beteiligt gewesen sein. Es geht insgesamt um 31 Kilogramm Marihuana und eine nicht bezifferte Menge von Kokain.

Drogenhandel im Grenzgebiet ist zwar keine Seltenheit, doch im vorliegenden Fall kommt Bandenkriminalität unter der Flagge der Hells Angels hinzu. Denn E. soll als ein Vizepräsident der Hells Angels MC Turkey Nomads die Drogendeals von Aachen aus koordiniert haben. So kauften Mittelsmänner in den niederländischen Nachbarstädten, beispielsweise in Brunssum, die Drogen.

Die Kuriere transportierten kiloweise Marihuana und brachten es über Aachen nach Westfalen. Ein Kilo „sehr guter Stoff“, so die Anklageschrift, koste im Einkauf zwischen 3500 bis 4000 Euro das Kilo und sei bei den Mittelsmännern in Hamm „für bis zu 5000 Euro das Kilo“ abgesetzt worden. Die 1000 Euro Verdienst seien zum Teil zur Finanzierung der Charter, der Untergruppierungen, wie auch für die Finanzierung von „in Bedrängnis“ geratener Rockerkollegen verwendet worden. Der Angeklagte sei als Koordinator aktiv gewesen,so die Anklage.

Mit den aus der Hammer Connection erwirtschafteten Drogengeldern sollte beispielsweise dem im November 2016 wegen versuchten Mordes zu einer milden Strafe verurteilten Aachener Präsident der Hells Angels, Ersin K. (damals 36), geholfen werden. K. war von niederländischen Bandidos im Oktober 2015 massiv bedroht worden und hatte seinerseits in Gangelt das Feuer auf dem Gegner eröffnet. Er war daraufhin getürmt, aber relativ schnell im südspanischen Malaga aufgespürt und ausgeliefert worden. Ihm war 2016 der Prozess gemacht worden.

In dem Verfahren vor der 7. Großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Jürgen Beneking geht es mit Zeugenanhörungen am Mittwoch weiter. Einige Hauptbelastungszeugen hatten allerdings bereits von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht, für den Angeklagten selber hat sein Anwalt eine Einlassung nicht ausgeschlossen.