Marienhospital Aachen eröffnet neues Herz- und Gefäßzentrum

Neues Zentrum am Burtscheider Krankenhaus : Gemeinsam gegen den „Scheuklappenblick“

Am Marienhospital in Burtscheid eröffnet ein neues Herz- und Gefäßzentrum mit interdisziplinärem Ansatz

Die Medizin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr spezialisiert. Damit Fachärzte nicht nur ihren Bereich im Blick haben, sondern Patienten auch ganzheitlich betrachtet werden, gibt es am Marienhospital nun ein neues Herz- und Gefäßzentrum. Hier arbeiten Kardiologie, Radiologie und Gefäßchirurgie eng zusammen.

Mehr als 1300 Patienten sind im vergangenen Jahr stationär in der noch jungen Kardiologie des Marienhospitals behandelt worden. „Wir sind mit diesen Zahlen sehr zufrieden“, sagt Benjamin Michael Koch, Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen. Doch nicht alle Patienten, die mit Schmerzen im Brustbereich in die Klinik kommen, haben einen Herzinfarkt: „Dann ist es wichtig, dass wir mit den Kollegen aus anderen Abteilungen zusammenarbeiten“, erklärt Privatdozent Dr. Tudor Pörner, Chefarzt der Kardiologie am Marienhospital. Gemeinsam mit Dr. Gottfried Mommertz, Chefarzt der Gefäßchirurgie, und Dr. Rainald Bachmann, Chefarzt der Radiologie, hat er das neue Herz- und Gefäßzentrum am Marienhospital vorgestellt.

Ob Schlaganfall, Herzinfarkt, Gefäßverkalkung oder Krampfader: „Die Möglichkeiten, Erkrankungen der Gefäße medikamentös zu behandeln, haben sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich verbessert“, sagt Pörner. Doch die neuen Medikamente seien teuer und nicht immer der beste Weg für die bundesweit rund fünf Millionen Patienten. Darum sei es wichtig, Betroffene individuell kompetent zu beraten, um ihnen zur bestmöglichen Behandlung zu verhelfen. „Wir befinden uns gerade am Beginn eines Prozesses, um die individuellen Risiken besser zu erkennen und zu behandeln“, so Pörner. Beispielsweise im neuen Herzkatheterlabor, nach Angaben des Krankenhauses eines der modernsten seiner Art.

Freilich gibt es meistens schon einen akuten Anlass, wenn sich Menschen wegen einer drohenden Gefäßerkrankung an einen Arzt wenden. „Doch auch Menschen, die beispielsweise Schlaganfallpatienten in der Familie haben, lassen sich vorsorglich untersuchen“, erklärt Mommertz. Und wenn jemand sich auf sein Herzinfarktrisiko untersuchen lässt, dann könne es auch ratsam sein, die Halsschlagader anzuschauen.

Apropos Anschauen: Auch in Sachen Diagnostik habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, sagt Rainald Bachmann: „Wenn wir eine Veränderung eines Gefäßes feststellen, ist diese Feststellung für sich allein genommen vielleicht gar nicht hilfreich für den Patienten.“ Gemeinsam mit den Kollegen aus der Kardiologie oder Gefäßchirurgie könne man die Bilder, die in der Radiologie entstehen, im Sinne des Patienten bestmöglich deuten. Und da beim Marienhospital die Wege von Abteilung zu Abteilung kurz seien, könne man auch die Patiententransporte minimieren. „Wir wollen die Expertise ans Patientenbett holen, nicht den Patienten zu den Experten schicken“; betont Tudor Pörner.

Rund 25 Ärztinnen und Ärzte sowie ein großes interdisziplinäres Team an Pflegerinnen und Pflegern kümmern sich um die Patienten im Herz- und Gefäßzentrum des Marienhospitals. Für das gesamte Team, auch für die Nachwuchskräfte, sei die Arbeit in so einem Zentrum spannend und abwechslungsreich.

Ziel des Hospitals sei es, den Zentrumsgedanken in die komplette Krankenhaus-Stiftung zu übertragen, damit der Patient eine ganzheitliche Betrachtung erfährt, sagt Benjamin Michael Koch.

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